42 und lächerlichen Vorstellungen und Meinungen von göttlichen Dingen bei Andern, insbesondere bei seinen Soldaten“, so wird jedermann gestehen müssen, nicht einsehen zu können, wie man aus religiösen und politischen Gründen zugleich ein Vorurtheil ach- ten und berücksichtigen kann, da das exelusive Verhalten beider in die Augen springt Hält man dann weiter das„hie und da“ fest und betrachtet die bezüglichen Fälle alle, welche Geier zur Erhärtung seiner Ansicht aufführt, und welche leicht noch vermehrt werden könnten, so findet man merkwürdiger Weise keinen einzigen, den der berechnende Feldherr nicht zu seinem poli- tischen Vortheil herbeizuziehen verstand. Unter denselben begegnet man auch der von Polyän erzählten naiven Thatsache ¹): AX4sανοροςσ, ts apà eS? HAv2, Jzods zaxd Js Ts†vενα τν ispà, m2 ꝓ( KreXens rà ispeta val dstwvösw polc raεas, wa o, ovres, ank val d9Ts? arahàc ETOis ept od ,yod ac nidac. Wer kann sie lesen ohne einerseits über den groben Kunstgriff des schlauen Heerführers ein Lächeln, andererseits die Besorgniss zu unterdrücken, der- selbe möge dem intelligenteren Theile seiner Krieger öfter Veranlassung zum Misstrauen gegeben haben.
In der That man kann des Lächelns nicht Herr werden, wenn man die unbedeutendsten Vorfälle als Verkündiger der Zukunft verwendet sieht. Wenn z. B. die Nachricht eintrifft, dass die Bildsäule des Orpheus schwitzt²), wenn eine Schwalbe über des schlafenden Königs Haupt zwitschernd hinfliegt), wenn ein Adler sich blicken lässt¹), wenn an dem Brodbruche ein rother Schein sich gezeigt haben soll³), wenn der Speisetisch des Königs Darius dem neuen Herrscher von einem Diener unter die Füsse gestellt wird ⁶), wenn eine Mondsfinsterniss eintrifft?), wenn in der Nähe des königlichen Zeltes sich eine Oelquelle zeigt*), so sind diese Ergebnisse für den Schüler des Aristoteles wichtig genug, um darüber die Zeichendeuter zu Rathe zu ziehen und sie durch ihren Mund zu Verkündigern eines oft ganz wichtigen Ereignisses in der Zukunft zu stem- peln! Und dass die Auslegung und Deutung dieser Zeichen fast immer zum Heile des Fragenden ausfallen! Findet sich hier eine Spur von„Religiosität“?
D. Weiter, erregt diese stets bereite zeitgemässe Deutung nicht den Verdacht, als ob zwischen dem Fragenden und dem Deuter ein gewisses Einverständniss obgewaltet haben müsse? Wer vermag das Verhältniss Alexanders zu Aristander von seinem Anfang bis zu seinem Ende zu verfolgen, ohne in diesem Verdacht bestärkt zu werden? Schon der Umstand, dass Ari- stander in des Königs Solde stand, ist ein Moment, das ihn zum gehorsamen Diener seines Herrn machte, und das uns zu der Vermuthung allen Grund bietet, dass er die Constellation der Verhältnisse und die besondern Wünsche und Vortheile seines königlich lohnenden Brodherrn stets wahrgenommen und darnach seine Orakel bemessen haben wird. Durch die hochwillkom- mene Deutung, welche er mitten unter den Vorbereitungen zum grossen Perserzuge, als es eben der rechte Zeitpunkt war, dem Unternehmen desselben für seine Zukunftspläne ein erwünschtes Prognostikon zu stellen, der schwitzenden Orpheusstatue gab, dass sie nämlich ein Zeichen sei,
¹) Polyaen. Strateg. IV, 3, 14.
2) Arr. I, 11, 2. Plut. Alex. 14.
3) Arr. I, 25, 6.
4) Arr. I, 18, 6.
⁵) Curt. IV, 9, 14. Diod. XVII, 41. 6) Curt. V, 8.
*) Arr. III, 7, 6,
8) Plut. Alex. 57.


