Aufsatz 
Alexander der Große, der Sohn des Jupiter Ammon / Franz Bluemmer
Entstehung
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41 Gottheiten auch die Isis mit einem Tempel bedenkt, wie er später zu Babylon dem Belus ganz nach dem Ritus der Chaldäer dient( s ä³lx zxν τμ Bi*., zad' à Sztvot 25IODvro 502y) ¹), wie er bei dem Versöhnungsmahle zu Opis die Trankopfer sowohl von griechischen Priestern als von persichen Magiern zubereiten lässt(zεταρφνεένουσον ꝙεν ts ENNXIG LdyrsGy 2ad T, Mar) ²), wie er auch mit den indischen Gymnosophisten anbindet, ja auch bei den Arabern als dritter Gott auftreten will: vermögen wir das Alles zu vernehmen, ohne in der Ueberzeugung bestärkt zu werden, dass er bei allen diesen ³) religiösen Kundgebungen den Einflüsterungen seiner Politik gefolgt, dass sonach ihm diese sogenannte Ehrfurcht vor der Volksreligion nur als Band diente, um die Völker an seine Person zu ketten und sie gegenseitig einander zu nähern? In der That, Ange- sichts solcher Handlungsweise bleibt nichts anders übrig, als Alexandern Geringschätzung der Volksreligion zu unterstellen und ihn als einen jener Politiker zu erklären, welche die Religion zur Dienerin ihrer Zwecke zu machen nicht den geringsten Anstand nehmen. Wollte man aber von dieser Regel Ausnahmen constatiren, so würden sie für's erste zu einem Minimum herabsinken, und sodann liesse sich auch bei diesem Minimum das Ostensible nicht wegläugnen. Sie als Ausfluss eines dehnbaren Pantheismus zu nehmen, erschiene plausibel, wenn nicht die politischen Motive sich gar zu dringlich geltend machten.

C. Und wie steht es mit Alexanders Verhalten zur Mantik und anderen Kundgebungen des Aberglaubens, wie sich dieselben bei den verschiedenen Völkern und insbesondere bei seinen Soldaten vorfanden? Weil Alexander aus der Schule des grossen Aristoteles hervorgegangen und weil sein Meister an Träume und Ahnungen glaubte ¹), welche von Dämonen eingegeben wür- den, so ist man gencigt mit Schlosser) anzunehmen, dass auch der Schüler persönlich einen Werth auf Vorzeichen und Orakelsprüche legte. Aber auf der andern Seite sieht man sich gerade- wegen dieses seines Verhältnisses zu jenem grossen Forscher wieder gedrungen, dieseWerthle- gung auf das geringste Mass zurückzuführen in Erwägung, dass die naturwissenschaftlichen Be- lehrungen seines Meisters, denen er, seinem vielfach sich kundgebenden Interesse an solchen Dingen nach zu urtheilen, gewiss nicht taube Ohren wird entgegengebracht haben, ihn sicherlich soweit förderten, dass er nicht leicht vor der Untersuchung der natürlichen Gründe irgend einer physischen Erscheinung zurückschreckte, dass er also, obschon Curtius an vielen Stellen das Ge- gentheil behauptet, zum Aberglauben weder Neigung noch Veranlassung hatte). Lesen wir daher be Geier?) die Bemerkung:Wie aus allen diesen Thatsachen sich ergibt, dass Alexander selbst die Gebräuche der griechischen Volksreligion auf das Pünktlichste und Gewissenhafteste erfüllte, so achtete und berücksichtigte er auch nicht bloss aus berechnender Klugheit, so sehr diese auch hie und-da mit in die Wagschale fiel, sondern aus Religio- sität alle die Vorurtheile und nach unsern Begriffen meist abgeschmackten

¹) Krr. III, 16, 5. ) Arr. VII, 11, 8. ³) Die Nachricht des Flavius Josephus(XI, 8.), dass Alexander von Tyrus aus den Tempel zu Jerusalem besucht, nach Anweisung des hohen Priesters caselbst geopfert und viele herrlichen Geschenke hinter- lassen, scheint uns so jüdisch gefürbt, dass wir keinen Anstand nehmen, dieselbe für urecht zu er- klären. Wir werden diesen Punkt bei einer andern Gelegenheit des Näheren besprechen. 4) Arist. divin. per somn. p. 463 b. 5) a. a. O. S. 348.

6) vgl. Geier a. a. O. S. 6671. ) a. a. O. S. 193.