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zieht ¹), das religiöse Verhalten des Stagiriten habe in der That nicht verfehlt, auf seinen kö- niglichen Schüler auch im spätern Leben den tiefsten und nachhaltigsten Einfluss zu üben, und wenn er dann weiter behauptet, die Gewissenhaftigkeit, mit welcher dieser sich mitten in den Fieberschauern kurz vor seinem Ende auf einer Sänfte zum Altare tragen liess, sei wahrhaft rüh- rend, und es sei auch sonst tagtäglich des Königs erste Verrichtung gewesen, söbald er sein Lager verlassen, den Göttern die gebührenden Opfer darzubringen, und wenn Geier ferner, um den frommen Sinn des Schülers des Aristoteles zu beurkunden, ein grosses Verzeichniss von Opfern liefert, die Alexander dargebracht, das, beiläufig gesagt, leicht noch vergrössert werden könnte, so scheint er überschen zu haben, dass ein Mann von dem Ernste, wie Aristoteles, nur desshalb der Volksreligion seine Achtung nicht versagte, weil er sich ausser Stande sah, etwas Besseres an ihre Stelle zu setzen und weil er es verstand, sich dieselbe zu vergeistigen, sodann dass das Verhalten des Lehrers keineswegs berechtigt, eine unumstöesliche Folgerung auf den Schüler zu machen, einen Schüler, von dem Geier ja selber und zwar mit Bezugnahme auf sein Wagniss, sich als eines Gottes Schn zu betrachten, zugesteht ²)„dass auch in religiöser Beziehung ein tiefer Fall des Zöglings und Schülers eines Aristoteles unverkennbar sei.“
Erwägen wir nun die Umstände, unter denen der Schüler des Aristoteles seine Opfer prachte, so muss unser Glaube an die Aufrichtigkeit seiner religiösen Gesinnung einen nicht unbe- deutenden Stoss erleiden. Der Antritt seiner Perserfahrt wird besonders feierlich initirt: bei sei- ner Ueberfahrt nach Asien opfert er nicht weniger als sechsmal, auf dem Grabe des Prote- silaus in Eläus, mitten auf dem Hellespont dem Poseidon und den Nereiden, bei seiner Landung in Asien errichtet er dem Zeus, der Athene und dem Herakles Altäre, opfert in Ilion der Ilischen Athene, hängt dabei seine Waffenrüstung als Weihgeschenk in ihrem Tempel auf und nimmt dafür einige der heiligen Waffen, die sich noch vom trojanischen Kriege her er- halten hatten, um sie in entscheidenden Augenblieken der Schlacht vor sich tragen zu lassen ³): sieht das nieht aus, wie Ostentation? Hat das nicht den Anschein, als solle die Religion dazu dienen, dem Eroberungszuge eine höhere Weihe und eine hellenische Färbung zu geben? So ist bei dem Opfer am Abende vor der Schlacht bei Issus, dessgleichen vor der Schlacht bei Gauga- mela, so bei allen andern das Osteusible und Absichtliche nicht zu verkennen.
Weiter, wenn der fromme Feldherr zu Ephesus der Diana Opfer bringt, und dabei seine ganze militärische Macht entfaltet ⁴), wenn er zu Tyrus seinem Ahnen, dem Herakles, zu opfern ver- langt, in der That aber, was die unglücklichen Bewohmer dieser Stadt wohl ahnten, dieses Opfer nur vorgibt, um, wie bei Ephesus, mit seinem ganzen Heere zu erscheinen und bequemen Besit⸗z von der schwer zu erobernden Stadt zu nehmen, und wenn er nach Einnahme des Platzes dieses sein Vorhaben wirklich ausführt und mit Lancheer und Plotte feierliche Aufzüge hält): sieht nichit eine solche religiöse Feier der Bemäntelung politischer Absichten unter dem Deckmantel der Re- ligion so ähnlich, wie ein Ei dem andern? Oder können wir ihn zu Memphis dem Stiere Apis und allen übrigen ägyptischen Gottheiten oder dem wièderköpfgen Am mon mit reichlichen Opfern seine Verehrung zollen sehen, können wir lesen, wie er zu Alexandrien ausser den hellenischen
¹) a. a. O. S. 188.
2) a. a. O. S. 219.
3) Wir cürfen hier und in vielen folgerden Fällen die Quellenangabe füglich verabsäumen, weil diese Thatsachen alle bekannt sind.
4) Arr. I, 17, 10 u. 18, 2.
5) Xrr. II, 24, 6é.


