Aufsatz 
Alexander der Große, der Sohn des Jupiter Ammon / Franz Bluemmer
Entstehung
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20 8 orakels keine weitere weder unmittelbare noch mittelbare bis zu Alexanders Rückkehr aus Indien irgendwo angezeigt ist, so könnte er bei dem von Arrian gemeldeten Epasxey sich nur auf eine bei seinem eben besprochenen Besuche vom Ammon erhaltene Weisung bezogen haben; da aber nach dem Gesagten schwerlich irgend Jemand eine solche als historisch annehmen wird, so wird man sie ins Bereich der Charlatanerien verweisen, mit denen der gewandte Feldherr seine Soldaten so oft zu mystificiren für zweckmässig gefunden hat.

Aber wenn auch alle Details, welche wir von den vielen zur Ergänzung unsers Arrian zu Hilfe gerufenen Gewährsmännern erfahren haben, der Sage anheimfallen, so steht doch wenig- stens eine von ihnen gemeldete Thatsache fest, die wir bei unserm Führer vergeblich suchen, nämlich die, dass der dankbare Sohn des Ammon seinem Vater reiche Opfer und den gefälligen Dienern desselben glänzende Geschenke dargebracht habe. Das ist etwas, was die Begleiter des- selben wissen konnten, was bei keiner derartigen Feierlichkeit fehlen durfſte, was der beute- reiche und freigebige König nie fehlen liess und was einen bleibenden klangvollen Nachruhm hinterlässt. 1

Doch warum hat unser ehrwürdiger Führer dieses Alles mit Stillschweigen übergangen? Obschon die vorausgehende Erörterung diese Frage überflüssig macht, so wollen wir doch nicht er- mangeln dieselbe aufzuwerfen und der betreffenden Antwort ihren Ausdruck zu verleihen. Es folge zu diesem Behufe die Bemerkung, welche Ste Croix über die Zurückhaltung Arrians macht: Arrien ne fait mention d'aucune de ces demandes. Cet historien aurait-il prétendu faire entendre contre le témoignage de toute P'antiquité, que les paroles de l'oracle furent secrètes et qu' Ale- xandre ne chercha point à les divulguer; ou regardant les questions de ce prince comme indignes de lui, aurait-il eu le dessein de porter les unes et les autres à la connaissance de la postérité? Son véritable motif nous est inconnu, mais quelqu'il soit, on ne peut le louer d'une pareille röti- cence. Die Ansicht, welche Sintenis in der Anmerkung zu dieser Stelle Arrians ausspricht, als habe dieser es nicht der Mühe werth gehalten, die verschiedenartigen Traditionen aufzuzeichnen, daneben gehalten, scheinen die Gedanken des. Franzosen dem Charakter des gewissenhaften und seinen Helden liebenden Biographen mehr zu entsprechen. Dass er, der so viele Kleinigkeiten mit der grössten Akribie berichtet, der ferner, so oft er es vermag, seinem Liebling Lob spendet, hier plötzlich so knapp, so zurückhaltend geworden, ist wahrlich für diesen kein günstiges Zeichen. Die Gründe, welche seinem Lebensbeschreiber das Herz, und die, welche ihm die Kritik an die Hand gab, leiteten ihn zufällig zum nämlichen Verfahren, und so hat auch Sintenis' Ansicht ihre Berechtigung. 8

In der That haben wir den kritischen Gang, den Arrian genommen, insoweit sich dieser in der Negation bewegt, bereits verfolgt und wir können ihm hier, die Beseitigung des Opfers und der Geschenke des Königs ausgenommen, unsere Billigung nicht versagen. Aber auch in Be- treff des Wenigen, was er in seiner Geschichte als Wahrheit festzuhalten für gut befunden, zollt ihm die positive Kritik ihre volle Zustimmung. Dass er von seinem Helden aussagt, er habe die Gegend bewundert, ist eine Meldung, welche dem Thatbestande in prägnanter Bedeutung ent- spricht; dass er beifügt, derselbe habe den Gott befragt, was soviel heisst, als er habe das Aller- heiligste betreten, um über irgend eine Frage von dem Gotte Aufschluss zu erhalten, erscheint sachgemäss und wird auch von den andern Quellen bestätigt; und wenn endlich Alexander nach ihm bei seinem Austritte aus dem Heiligthum weiter Nichts äusserte, als, was er gehört, ent- spreche ganz seinem Wunsche, so ist dieses nicht nur seiner Würde, sondern auch den Verhält- vissen angemessen. Denn von der Majestät des ersten Würdenträgers des Reiches wird man