17
ò
plene ultionem esse. Tertiam interrogationem poscenti, victoriam omnium bellorum, possessio- nemque terrarum dari respondetur. Comitibus quoque suis responsum, ut Alexandrum pro deo, non pro rege colerent.
Schon der oberflächliche Vergleich dieser Beriehte lehrt, dass sie in der Hauptsache mit einander übereinstimmen, somit den nämlichen Quellen entflossen sind, ausgenommen der des Cur- tius, welcher einen aus einer andern Quelle geschöpften Zusatz hinzufügt, in welchem Justin mit ihm übereinstimmt. Fragen wir nun nach der Authenticität dieser von ihnen erzählten Einzel- heiten, so erregt der Umstand, dass sie zum Theil Vorgänge enthalten, über die zu berichten die Erzähler derselben ausser Stand waren, von vorn herein nicht geringen Verdacht. Was indess alle Biographen befugt und in den Stand gesetzt waren zu vertreten, das ist sonder Zweifel die Anrede, mit welcher der älteste Priester den sich nahenden König begrüsste. Sie fand in der Vorhalle vor den Augen und Ohren aller Begleiter des Fragenden statt. So sind wir denn auch um desswillen schon genöthigt sie als historische Wahrheit entgegenzunehmen, zumal da wir auch Strabo für uns haben, der von den Begebnissen im Tempel dieses allein der Beachtung werth hielt. Auch ist der Hergang derselben so einfach, so ungekünstelt und natürlich, dass kein Zweifel gegen sie vorgebracht werden kann. Ob die näheren Umstände, welche Callisthenes bei Strabo über die Kleiderordnung bei dieser Scene angiebt, ihre Richtigkeit haben, wer könnte dar- über entscheiden? Sind sie historisch, und es liegt kein triftiger Grund vor, dieses zu bezweifeln, so würde dies nur die Willfährigkeit der ammonischen Priesterschaft gegen den Mächtigen der Erde, von Seiten des Königs aber eine aus dem Bewusstsein seiner Erhörung und seiner Würde hervorgegangene Art von Gleichgültigkeit und Unbefangenheit bekunden. Jedenfalls war ihm die bedeutungsvolle Begrüssung von Seiten des Priesterältesten die Ilauptsache. Durch diese dem von der Gottheit inspirirten Munde entflossene Anrede war der junge König in Gegenwart vieler Zeugen öffentlich und ohne Zweideutigkeit als Sohn Ammons der Welt verkündet. Er hatte hiermit seinen Zweck erreicht und zwar scheinbar aus freiwilligstem Antriebe des Gottes und ohne sein geringstes Zuthun. Was veiter seinerseits im Tempel geschieht, dient nur dazu, jene öffentliche Erklärung seiner göttlichen Abkunft mit dem Schleier des Geheimnisses und der religiösen Weihe, welche einzig und allein im innersten Heiligthum ertheilt werden kann, zu umduften Desshalb betritt er auch jetzt nach Strabo's Zeugniss das Allerheiligste, wibrend seinen Begleitern, welche im Vor: hofe verbleiben, die Rolle der Horcher zu Theil wird. 1
Dieser Umstand macht, wie oben schon angedeutet, den weitern Verlauf der Erzählung unserer Gewährsmänner von vorn herein verdächtig. Die von ihnen angegebenen Thatsachen konnten doch nur von der Begleitung des Fragenden ins Publikum gebracht worden sein; wer sollte sie aber über dieselben unterrichtet haben? Gibt auch nur einer irgend einen Auſschluss darüber? Dürfen wir im Entferntesten daran denken, dass der König sich irgendwie darüber ver- breitet haben sollte, ohne dass wir seiner Würde zu nahe treten? Oder sollten vielleicht die Priester nach der Tempelfeier die Freunde des hoch Begünstigsten über alle die Punkte aufgeklärt haben, welche sie interessirten? Ist denselben zuzutrauen, dass sie sich auf das Interesse ihres Lieblings so schlecht verstanden hätten? Oder sollten die Begleiter das Alles vielleicht erhorcht haben? Die»söuara und 0oxba, in welchen, wie Strabo andeutet, und über welche man bei Par- they noch mehr erfahren kann ¹), die Orakel im ammonischen Tempel ertheilt zu werden pflegten, werden das Horchen wohl erschwert oder vereitelt haben.
¹) a. a. O. S. 133. 142.


