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der scharfblickende Welteroberer bei seinem Vorhaben dem Ammon einen entscheidenden Aus- spruch zu entlocken die beste Stelle gewählt, von der aus sowohl auf die Aegypter, als auch auf die Perser, ja selbst auf die Griechen ein mächtiger Einfluss geübt werden konnte und sollte.
Was nun zuerst Aegypten angeht, so braucht man nur einen Blick auf die Landkarte zu werfen, um alsbald einzusehen, von welcher Wichtigkeit es für den neuen Herrn dieses Landes sein musste, die Bewohner desselben durch alle möglichen Kunstgriffe an seine Person zu fesseln. Der nach dem fernen Osten seine Blicke richtende Eroberer konnte keinen gefährlichern Feind in seinem Rücken lassen als die Aegypter. Ohne Frage hatte er bei Gründung der Stadt Alexandria die Idee gehabt diese Stadt neben Babylon zum Hauptsitze seines Reiches zu machen, und wollte dann auch gewiss alle Länder um das mittelländische Meer unter seinem Scepter ver- sammeln ¹). Wie er zu Memphis dem Apis zweimal grossartige Opfer bringt, die er freilich seinen Hellenen zu Liebe mit griechischen Kampfspielen verbrämt ²), wie er in der neu zu errichtenden Hauptstadt ausser den hellenischen Gottheiten auch die Isis mit einem Tempel bedenkt?), wie er die Priester mit aller Hochachtung behandelt, das Alles vermögen wir nicht zu lesen, ohne von seiner Seite eine Absicht darin zu vermuthen ⁴). Die Früchte seiner Connivenz gegen die aegyp- tische Religion sollte er denn auch bald gewahr werden. Aegypten jubelte, der Perser los zu sein, der grässlichen Verfolger der geliebten Thiergötter, und pries den neuen Herrscher, den Schützer des alten Glaubens. Bei dieser freundlichen Aufnahme, die Alexander sich durch seine reli- giöse Charlatanerie zumal bei dem Priesterstande hier zu Lande bereitete, durfte er auch auf ein freundliches Entgegenkommen der Ammonspriester mit Gewissheit rechnen. Dass sie nicht unbe- stechlich waren ⁵), konnte ihm nicht unbekannt geblieben sein. Unter diesen Verhältnissen, glauben wir, hatte er gar nicht nöthig, sich vorher mit denselben in Benehmen zu setzen, ehe er persön- lich sich ihnen nahte. Indess dürfen wir doch zwei Nachrichten über das Verständniss, das er vorher mit ihnen gepflogen, nicht von der Hand weisen, nämlich die schon oben angeführte Nachricht Justins: per praemissos subsornat Antistites, quid sibi reponderi velit, und die No- tiz des Orosius ⁶): Exin Ciliciam, Rhodum atque Aegyptum pertinaci furore pervadit. Inde ad templum Jovis Ammonis pergit, ut mendacio ad tempus composito, ignominiam sibi patris et infa- miam adulterae matris aboleret Nam arcessitum ad se fani ipsius antistitem ex occulto monuit, quod sibi tanquam consulenti responderi velit, sicut historici eorum dicunt Ita certus Alexander fuit, nobisque prodidit, diis ipsis mutis et surdis, vel in potestate esse antistitis, quid velit fingere, vel in voluntate consulentis, quid malit audire. Wenn wir übrigens diese Ueberlieferung der beiden Schriftsteller, von denen der zweite freilich durch eine sehr getrübte Brille sieht, mit dem sonsti- gen klugen Verhalten des berechnenden Feldherrn vergleichen, so sieht es ihm ganz ähnlich, dass er das Prävenire spielte und sich seiner Sache vergewisserte.
Weiter dürfen wir ein Citat, welches sich bei Mützell zu Curtius 4, 32, 25 findet, nicht ausser Acht lassen Es enthält folgende Worte Tölken's bei v. Minuto li'’s Reise, p. 123. 124: „Alexander erhielt die Königsweihe eines Sohnes des Ammon, wie einst die Pharaonen der Thebaide,
¹) S. Niebuhr Vorträge über alte Geschichte. 2. Bd. S. 466.
2) Arr. III, 1, 4. Plut. Alex. 29.
3) Arr. III, 1, 5.
4) Niebuhr a. a. O. hat Alexander im Verdacht, er habe seinen Soldaten Befehl gegeben, gegen die reli- giösen Gebräuche und Personen der Aegypter ja recht räcksichtsvoll zu sein.
⁵5) S. Parthey a. a. O. S. 162.
6) S. Orosius I. 3, c. 16. Par. 1846.


