Aufsatz 
Alexander der Große, der Sohn des Jupiter Ammon / Franz Bluemmer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Ureimüthigkeit des ehrwürdigen Plutarch dürfen wir wohl als eine Folge seines treuen Festhaltens an dem Ziele begrüssen, welches er sich bei seinen Biographien gesteckt ¹): 05 G& vd, 5050v ic ra h- Sofe ene ao 875523a, zAl u& TobroOO, 2100Ots Toy XdOroo Sioy, 34xvtac Sr5O ra 921 ve ee ac. Wem dagegen unsere andern Gewährsmänner uns nur zwischen den Zeilen lesen lassen, so darf man ihre Vorsicht und Wortkargheit nicht unterschätzen. Dem Kenner des Alterthums ist wohl bekannt, wie schwer es den Geistern hielt, sich über den drückenden Dunstkreis des mit Wundern erfüllten, apotheosirenden Pantheismus ihrer Zeit zu erheben, und wie sehr die Schriftsteller auf ihrer Hut sein mussten, bei den grenzenlosen, zum Theil durch orien- talischen Einfluss hervorgerufenen Schmeicheleien, bei der Vergötterung sämmtlicher Machthaber des römischen Reiches diesen heikeln Punkt zu berühren. Genug, dass sie ihren Verdacht nicht verhehlten, Philipps Sohn habe danach getrachtet, göttliehe Abstammung wenigstens vor- geben zu können, und dass sie uns dadurch bei unserer Auslegung der beiden Hauptquellen über diesen vielbesprochenen Punkt in der Alexandergeschichte so wichtige Dienste leisten.

Zur Aufrechthaltung der historischen Richtigkeit dieser Auslegung stehn uns mächtige innere Gründe zu Gebote. Von einem so gewaltigen Geiste, wie wir ihn in dem scharfblickenden Könige von Macedonien bewundern, der die Begründung eines Weltreichs, das heisst die gemein- schaftliche Beherrschung des Orients und Occidents sich zur Lebensaufgabe gesteckt, dem, obgleich kaum dem Jünglingsalter entrückt, eine gereifte Klugheit hilfreich zur Seite stand, dürfen wir mit allem Grunde voraussetzen, dass er auch in der Lage, in welcher wir ihn in diesen Zeilen be- trachten, mit aller Ueberlegung zu Werke gegangen. So wird es denn vor Allem seinerseits sicherlich nicht ohne Absicht geschehen sein, dass er sich darum bemühte, gerade bei Ammon eine Vaterschaftserklärung zu erwirken. Bei näherer Erwägung der Umstände lässt sich der Schlüssel zu diesem Geheimnisse unschwer finden. Das ansehnlichste Orakel Griechenlands, näm- lich Delphi, war in Bezug auf sein Verhalten zu der macedonischen Königsfamilie in bösen Geruch gekommen, und das Wort des erbitterten Gegners derselben, Demosthenes), war ruchbar gewor- den, dass die Pythia es mit dem König Philipp halte; auch hätte, abgesehen von diesem ihrem zweideutigen Rufe, ein dessfallsiger Ausspruch derselben nur Einfluss auf die Griechen zu üben vermocht. Vielleicht mit Rücksicht auf den ersten Umstand war schon Philipp, dem Vater Alexanders, von der Pythia empfohlen worden, dem Ammon zu opfern und diesen Gott vor allen andern in Ehren zu halten. Denn das Ammonium war ein nicht nur bei den Griechen, sondern auch bei einem grossen Theile der orientalischen Völker, ganz insbesondere bei den Aegyptern, hochgeachtetes Orakel, wie Parthey in seiner trefflichen Monographie über das Orakel des Jupiter Ammon ausführich nachgewiesen. Ferner wurde Ammon bei den Griechen, wie wir gleichfalls von Parthey ³) pelehrt werden, dem Zeus gleichgestellt. Endlich, wie der glorreiche Besuch des Orakels von Seiten der berühmten Ahnen Perseus und Herakles auf den königlichen Wallfahrer einen besondern Glanz zu werfen geeignet war, so konnte der grässliche Verlust des verhassten Cambyses), der bei einer feindlichen Expedition gegen Ammons Tempel auf der Hälfte des We- ges von Memphis aus durch einen von Sandwirbeln begleiteten Gluthwind sein ganzes Heer ver- schüttet sah, nur dazu dienen, durch den Contrast des glücklich, ja ruhmvoll zurückgelegten Marsches den Helden mit dem Glorienscheine des begünstigten Lieblings der Gottheit zu umstrahlen. So hatte

4) PlIut. Alex. 1. a. E. 2) S. Aeschines in Ctesiphontem p. 72, 14. 3) S. 140.

4) Plut. Alex. 26. Justin. I, 9.