Aufsatz 
Die Einrichtungen für den physikalischen und chemischen Unterricht in dem Erweiterungsbau des Realgymnasiums und der Realschule / Emil Rausch
Entstehung
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6, G/E88

48 Die Einrichkungen

für den

phylikaliſchen und chemiſchen Unterricht in dem

Erweiterungsbau des Realgymnaſiums und der Realſchule.

A Zur Geſchichte des Erweiterungsbaues.

Als im Oktober 1876 die Realſchule aus dem jetzigen Bürgermeiſtereigebäude in den Neubau in der Ludwigſtraße überſiedelte, umfaßte ſie 12 Klaſſen, 8 eigentliche Realſchulklaſſen und 4 Vor⸗ ſchulklaſſen, mit 532 Schülern, und es ſchien, als ob auf abſehbare Zeit für Raum geſorgt wäre. Unterrichtsſäle waren in mehr als genügender Zahl vorhanden, und die damals ſchon reichen Sammlungen fanden bequeme Unterkunft. Nachdem aber im Schuljahr 1878/79 die Errichtung einer Realſchule J. Ordnung(jetztRealgymnaſium,), mit Beibehaltung der Realſchule II. Ordnung (jetztRealſchule), in Angriff genommen worden war, machte ſich bald Platzmangel fühlbar. Im Jahre 1889 war die Zahl der Klaſſen auf 19 geſtiegen. Um dieſe unterzubringen, entſchloß man ſich zur Aufteilung des Feſtſaales. Dadurch mwurden 3 neue Klaſſenzimmer gewonnen, von denen das eine allerdings nur für eine Klaſſe mit etwa 10 Schülern, und dann auch noch bei ſehr be⸗ ſcheidenen Anſprüchen, namentlich bezüglich der Beleuchtung, ausreichte. In den 90er Jahren wurde infolge der notwendig gewordenen Errichtung von weiteren Parallelklaſſen die Raumenge immer ſtärker empfunden. Mit Beginn des Schuljahres 1892/93 waren 21 Klaſſen vorhanden. Da auch die Schülerzahl der oberſten Klaſſen zunahm, ſo mußten 2 Klaſſenzimmer, die wegen ihrer ungenügenden Größe keine der Klaſſen mehr aufnehmen konnten, ausgeſchieden werden. Eine Vorſchulklaſſe mußte ganz aus dem Schulgebäude verlegt und in demTurmhaus an dem Brand untergebracht werden. Trotzdem hielt ſich der Direktor mit der Anregung eines Neubaues zurück, da die 1894 erfolgte Erhöhung des Schulgeldes in der Realſchule eine Abnahme der Schülerzahl als möglich erſcheinen ließ. Da dieſe aber mit Beginn des Schuljahres 1895/96 nicht eintrat, ſo ging der Großherzogl. Bürgermeiſterei am 19. Mai 1895 von der Direktion eine Vorlage zu, in der die Mißſtände aus⸗ führlich dargelegt und auf die Notwendigkeit der Schaffung weiterer Schulräume hingewieſen wurde. Das Bedürfnis wurde von den mit der Prüfung beauftragten Deputationen und von der Stadt⸗ verordnetenverſammlung anerkannt. Nach eingehenden Beratungen wurden Plan und Voranſchlag für einen Ban aufgeſtellt, der auf einem an den Schulhof angrenzenden, der Stadt gehörigen Bau⸗ platz aufgeführt werden ſollte. Am 6. März 1896 erteilte die Stadtverordnetenverſammlung hierzu ihre Genehmigung. Der Bau wurde 1896 begonnen, 1898 vollendet, im Januar 1899 in Benutzung genommen.

Maßgebend für die ganze Anlage des Baues war in erſter Linie die Abſicht, die Lehrſäle und Sammlungsräume für Phyſik und Chemie in ihn zu verlegen und dadurch in dem Haupt⸗ gebäude neue Klaſſenzimmer frei zu machen. Sodann ſollte auch die Möglichkeit gewahrt bleiben, bei einer ſpäteren Trennung der beiden Anſtalten, Realgymnaſium und Realſchule, den Bau ſo zu erweitern, daß er eine von ihnen vollſtändig aufnehmen könnte.