Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des französischen Unterrichts in Deutschland / von Karl Dorfeld
Entstehung
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27 parietem, vel ad quidvis aliud, ubi solus es, loqui, et orationem fingere, linguamque exercere, ut quando tibi cum homine agendum erit, sis paratus et promptus.

Der hier geschilderten Methode trat im vorigen Jahrhundert einzelne Anläufe finden sich schon im 17. die grammatisierende gegenüber. Wie man zu derselben kam, liegt nicht allzu fern. Die Mattres hatten wohl mit den Schülern gelesen und gesprochen, es aber häufig an den Variationen und somit an der Einübung des beschränkten grammatischen Stoffes fehlen lassen, vielfach sogar die Orthographie vernachlässigt. Die Folge davon war eine bedenkliche Unsicherheit in der Sprachlehre, was uns durch die zahlreichen Beispiele bewiesen wird, die man in manchen Grammatiken jetzt zur Anschauung der Regel gab(Vgl. Neue Art die Frantzö- sische Sprach zu lernen durch Exempel nach der Grammatic, Straſsburg 1687), ferner durch deutsche Einzelsätze zum Ubersetzen ins Französische, wie wir sie z. B. in der Grammatik von Hilmar Curas finden. Den Vertretern des grammatischen Betriebs ist der Rector des Gymnasiums zu Trarbach Joh. Jak. Schatz beizuzählen, der 1724 den Frantzösischen Langius drucken lieſs,das ist: Erleichterte Frantzösische Grammatica, welche überhaupt nach der Lateinischen Grammatica Langiana dergestalt eingerichtet ist, dals nicht nur die darinn be- findliche Methode und Ordnung, sondern so viel möglich, auch deren eigene Worte beybehalten worden, und durch eine beständige Collation die Ubereinstimmung und Unterschied der Latei- nischen und Frantzösischen Sprache deutlich angezeiget wird. Er steht erst am Anfang einer neuen Richtung, und es finden sich noch vielfache Berührungen mit der anderen Methode. So wurde derjenige,der nichts anderst suchet, als daſs er etwa im Handel und Wandel sich zur Noth möge expliciren, und in familiair discursen seine drey Heller mit beylegen könne, auf die Praxis d. h. die Conversation und den Umgang mit Franzosen hingewiesen. Denjenigen aber, welche diese Sprache gründlich lernen und in derselben möglichst perfect werden wollten, wurde angeraten,dals sie dieselbe auf eben die Weise wie andere und insonderheit die latei- nische zu erlernen trachten. Wie dies zu verstehen sei, zeigt uns§ 21 der Vorrede. Er wollte die Schüler in drei Klassen teilen und mit den jüngsten die Aussprache und die Ety- mologie, mit der zweiten Klasse die Syntax behandeln und erstbey der dritten auf eine mehrere praxin diese treiben. Das Sprechen trat in den unteren Klassen fast ganz in den Hintergrund, und die Lectüre diente dazu, die Schülerfleiſsig zu der analysi Grammatica an- zuhalten. Wie sehr er schon in der Übersetzungsmethode stak, erklärt uns eine Übung zur Förderung der Redefähigkeit in der dritten Klasse. Er sagt:Der Informator nehme ein gewiſs Gespräch vor sich, ruffe zwey Scholaren auf die miteinander reden sollen, spreche ihnen selbst von jeder Frage und Antwort das Teutsche vor, und lasse sie solche Frantzösisch nachsagen. Daſs daneben auch viele Ubungen vorkommen, die wir bereits früher kennen gelernt haben, betone ich hier nochmals ausdrücklich.

¹ Bratuscheck, der a. a. O. pag. 110 Anm. 29 im Anschluſs an Nicolai Nüheres über Curas bringt, redet ebenfalls von einer Ausgabe von 1720. Ich vermute, daſs hiermit der Abriſs gemeint ist, von dem Curas in der Vorrede zu seiner Grammatik spricht, wenn er sagt: Zu dem Ende habe damals zu dieser Grammatik einen Ent- wurf aufgesetzt, und etliche Bogen, welche den Lernenden für sich zu gebrauchen vortheilhaft waren, verloren drucken lassen. So dürfte sich vielleicht die Streitfrage, ob 1720 oder 1739 das Erscheinungsjahr der Grammatik ist, erledigen. Bei dieser Gelegenheit will ich bemerken, daſs die Introduction à la Gramm. des Dames(Frank- furter Stadtbibliothek Nr. 232) von der Gramm. des Dames wol zu unterscheiden ist. Auch ist die erste Auflage der nouvelle Grammaire choisie von Nic. de Flans nicht 1705, sondern 1701 erschienen(vgl. Vorrede zur 5. Aufl.).

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