26
gold künstlich eingefasset; ja wie die sternen bey hellem mondschein an dem schönen Fir- mament einverleibet) sondern daſs sie auch der gedechtnuls trefflich behelfflich seind, vil schöne Wörter und manier zu reden, so in denselbigen begriffen, zu behalten.“
Wenn man eine Zeitlang— nach Menudier und Des Pepliers 2— 3 Monate— sich mit den leichteren Lesestoffen beschäftigt hatte, konnte man einen guten französischen Autor vor- nehmen, neben dessen Lectüre mit den erwähnten Memorierübungen fortgefahren wurde. Garnier empfahl hierfür auch wegen ihres sachlichen Wertes die historia Philippi Comminei, Doergang das Theatrum mundi cum discursu de excellentia hominis, Plutarch und andere; sehr reichlich war das Verzeichnis bei Bernhard, der neben der Bibel und den Schriftstellern des Altertums: Plutarch, Heliodor, Diodor und Caesar viele neuere Prosaiker und Dichter vorschlug. Warum man diese Autoren las, zeigt uns eine Bemerkung Menudiers, die sich bei Des Pepliers wieder- findet. Dort wird unter andern besonders auf die Lectüre des Terenz verwiesen,„weil der stylus darinn nicht allein rein und gut Frantzösisch ist, sondern sich auch unzehliche Red- arten finden, die man alle Augenblick gebrauchen kan.“ Die Zahl der Bil- dungsstätten, die wünschten, daſs durch die Lectüre„der Kunstsinn gebildet und über das Schöne praktisch philosophiert werde, sodaſs dem Schulstudium mit den schönen Wissenschaften gleichsam die Krone aufgesetzt werde“,: war zu allen Zeiten recht gering. Auf die Zeitungen, die wir bei Francke als Unterrichtsstoff kennen gelernt hatten, wurde noch von Mme. La Roche und Schatz hingewiesen; indessen traten sie später zurück. Aufser der Erweiterung des Vocabelschatzes war man bei der Lectüre auf die Erhaltung des grammatischen Wissens be- dacht. Zu diesem Zweck suchte man den Schüler daran zu gewöhnen, auf die vorkommenden Belege für die Regeln wohl zu achten, um so sich in immer höherem Malſse in der Sprache zu vervollkommnen.
Mehr Zeit als alles dies erforderte jedoch nach Menudier die Verfertigung eines„saubern“ Briefes, die man sich deshalb auch schon früh im Unterricht angelegen sein liels. Wie es der Nützlichkeitsstandpunkt mit sich brachte, wurde dieser Übung immer ein hohes Gewicht bei- gelegt und neben den Gesprächen enthielten die Grammatiken umfangreiche Briefsammlungen, die für alle Lagen des Lebens Muster gaben. Meist unterlielſs man nicht, auſserdem An- weisungen über Briefanfang und Schluſs und die Titulaturen in denselben und bei den Auf- schriften hinzuzufügen. Von manchen Grammatikern wurde auch noch auf französische Muster aufmerksam gemacht, die aber nach der Zeit verschieden sind. Während der Anonymus(1670) noch Voiture und Balzac nannte, schrieb Menudier zehn Jahre später, beide dürften nicht mehr imitiert werden,„da Balzacs Briefe gar zu sehr gestudirt sind und solche Gedult erfordern, deren die Frantzosen nicht fähig sind.“
Die Hauptsache beim gesamten Unterricht blieb das Sprechen, mit dem man mglichst früh begann. In diesem Sinn sagt Doergang: Cum his omnibus praedictis exercitiis semper, et ubicunque poteris ingeras, et associes te iis qui gallice loquuntur, loquare et loquendo exer- ceas te cum ipsis, sive bene, sive male, ab initio non cures vel erubescas...... nam vitia secundum has institutiones, et lectione continua bonorum authorum cum tempore facile cor- rexeris. Poteris etiam, si conferendi copia cum homine non dabitur, cum stupido ligno, vel ad
¹ Fürstbischöfliches Gymnasium in Worms.


