Alsdann erfolgte meist der UÜbergang zur Lectüre. Joan. Garnerius schlug hierfür das neue Testament vor, Cachedenier Dialoge über Gegenstände des täglichen Lebens, Bernhard die Dialogi Ludovici Vivis oder les Comédies de l'Arivay; später begann man mit Télémaque oder noch mehr mit„Histörigen“. Hierbei wurde die betreffende Stelle so lange vor- und nachge- lesen, bis Geläufigkeit erreicht war; alsdann wurde sie ins Deutsche übertragen und ins Fran- zösische mündlich und schriftlich zurückübersetzt, um die Regeln und die Vocabeln in ihren Verbindungen fest und sicher einzuprägen und den Grund zur Orthographie zu legen. Neben- her lief die Ergänzung der Grammatik, die bereits in der älteren Zeit nicht selten unter An- lehnung an das Lateinische behandelt wurde(vgl. Potier d'Estain und Joan. de la Vignette). Sie beschränkte sich auf die gebräuchlichsten unregelmäſsigen Verba und die häufigsten Regeln der Syntax. ¹ Darüber gingen die wenigsten heraus, und es sprach Basedow nur das aus, was für das Französische vor ibm meist gäng und gäbe war, wenn er meinte, daſs den Studierenden einige grammatikalische Ubung nützlich sei.
Was die schriftlichen Arbeiten anlangt, so machte schon Bernhard auf den hohen Wert der Imitation für die Stilbildung aufmerksam, und ihren Nutzen priesen Menudier, Mme. La Roche, Roux und besonders Platz in„Sehr nützliche Ubung des Frantzösischen Syntax«, Nürnberg 1721. Mit ihnen wollte Bernhard aber erst nach Durcharbeitung der Syntax begonnen haben, während der Anonymus von 1670 bald nach Erlernung der Haupt- zeitwörter dem Schüler etwas Deutsches täglich ins Französische zu übersetzen gab, Menudier mit der Version aus dem Deutschen ins Französische ebenso früh wie mit der umgekehrten anfing, und Roux schon in der 10. Lection eine Komposition mit Beobachtung aller vorher be- sprochenen Regeln anfertigen lieſs, während die Analyse und Explication erst in der 16. Lection auftrat.
Mittlerweile wurden für die einzelnen Stunden fleiſsig Wörter und Phrasen memoriert, wie dies notwendig ist, wenn ein fremdes Idiom als Umgangssprache angeeignet werden soll. Be- reits der Grammatik des Serreius war ein lateinisch-französisch-deutscher Nomenclator angehängt, und in den meisten späteren Grammatiken fehlten die Vocabularien nicht, welche handelten von dem Menschen und dessen Gliedern, von der Religion und dem Gottesdienst, von der Welt und den Elementen, vom Haus und dessen Teilen, von der Kleidung u. s. w. Mitunter kamen noch lange Listen der gebräuchlichsten Adjectiva und Verba hinzu. An sie schlossen sich in den Grammatiken gewöhnlich Gespräche an, deren Thema z. B. war: der Besuch, das An- kleiden, der Edelmann und der Schneider, wie man nach Zeitungen fragt, die Rechnung mit dem Wirt... Dieselben finden sich schon bei Serreius, Cachedenier, Doergang, Bernhard und haben sich in den Conversationsbüchern bis auf unsre Tage erhalten. Der Schüler muſste sich weiter Redensarten, wie man sie für das Leben brauchte(jemand höflich anzureden, Bezeugung von Freude, Miſsfallen, Verwunderung, Ausdrücke der Bejahung u. ä.), einprägen und last not least Gallicismen und Sprichwörter. Diesen letzteren legte man besondere Bedeutung bei,„weil sie nicht allein sehr wohl stehen, wann man dieselbe in einem schönen Gespräch fein artig ein zu mischen weiſs(dann da stehen sie gleich wie köstliche demanten, rubinen oder perlen in
¹ Pilotus: Quoniam igitur haec syntaxis Gallica(die bei ihm 2 Seiten umfafſst) usu potius et exercitatione quam arte acquiritur...... Chif(f)let: Il ne restera plus que de donner quelques regles generales de la Syntaxe.


