Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des französischen Unterrichts in Deutschland / von Karl Dorfeld
Entstehung
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Beiträge zur Geschichte des französischen Unterrichts in Deutschland.

Von Dr. Karl Dorfeld,

Gymnasiallehrer.

Was ich den Fachgenossen und den Freunden des höheren Schulwesens biete, sind Bei- träge zu einer Geschichte des französischen Unterrichts in Deutschland bis zum Anfang unsres Jahrhunderts. Denn bei dem Mangel fast aller Vorarbeiten ist es heute noch unmöglich, durch eine alle Ansprüche befriedigende Darstellung die Gesamtentwicklung dieses Unterrichts- faches darzulegen. Hierzu müfste, um nur einiges hervorzuheben, uns bekannt sein, welche Bücher zu den verschiedenen Zeiten an den verschiedenen Anstalten benutzt wurden, wie sie sich voneinander unterschieden u. s. w., Fragen, die zwar von E. Stengel auf dem 3. und 4. Neuphilologentag in Anregung gebracht worden sind, über deren Beantwortung aber sicherlich noch eine Reihe von Jahren vergehen wird. Wenn ich mich dennoch entschlossen habe, diese Arbeit der Öffentlichkeit zu übergeben, so geschieht dies einerseits in der Hoffnung, dals nun, nachdem einmal der Anfang gemacht ist, es leichter sein wird, aus den UIrkunden, wie aus den in Programmen niedergelegten Schulgeschichten, die mir trotz groſser Mühe nicht alle zur Ver- fügung standen, Ergänzungen zu liefern; andrerseits glaube ich aber, bereits jetzt im groſsen und ganzen ein Bild des Ein- und Vordringens der französischen Sprache entwerfen zu können, soweit dies im 17. und 18. Jahrhundert bei der eigenartigen Entwicklung fast jeder Schule möglich ist.

Wenn wir von einzelnen Persönlichkeiten absehen, die infolge ihrer Abstammung, ver- wandtschaftlicher Beziehung oder Berührung irgend einer Art französisch zu reden verstanden, so können wir das Sprechen in Deutschland vom 12. Jahrhundert an datieren. Die Kreuzzüge hatten den Adel deutscher Nation mit demjenigen Frankreichs zusammengeführt und ihn neben dem feinen Benehmen auch die französische Sprache schätzen gelehrt. Was man auf dem Marsche und im Zelte liebgewonnen, hielt auch das Interesse nach der Rückkehr an den heimischen Herd wach, und es wurde jetzt mehrfach Brauch, die Sprache deshöveschen Nachbarvolks zu erlernen. Junge Adlige wurden mitunter durch fremedesprâche in fremediu lant gesandt(Trist. ed. R. Bechstein 2061), oder es wurden auch von manchen Familien Hofmeister angenommen, die im Französischen unterrichteten. Indessen ist es doch immerhin die Minderheit

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