Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des französischen Unterrichts in Deutschland / von Karl Dorfeld
Entstehung
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gewesen, die dieses Idiom kannte, und ich möchte keinen Nachdruck legen auf das Wörtchen tout in der öfter citierten Stelle des Romanes von Berte aus grans piés par Adenés li Rois ed. Scheler, Brüssel 1874 pag. 6, 147 ff:

Tout droit à celui tans que je ci vous devis,

avoit une coustume ens el tiois pays,

que tout li grant seignor, li conte et li marchis

avoient entour aus gent françoise tousdis

pour aprendre françois lor filles et lor fis.

Was nun die Beherrschung der Sprache anbelangt, so wird nur von denen, die sich im Lande länger aufgehalten hatten, Gültigkeit haben, was wir bei Adenés weiter lesen(pag. 6, 152 ff.): Li rois et la roine et Berte o le cler vis sorent près d' aussi bien le françois de Paris com se il fussent au bourc à Saint Denis; car li rois de Hongrie fu en France norris; de son pays i fu menez moult très petis.

Bei den andern wird es mit dem geläufigen Sprechen sehr gehapert haben, und es wird ihnen wohl nicht viel besser gegangen sein als Wolfram von Eschenbach, der gesprochene Rede verstand, auch einzelne französische Redensarten zur Anwendung brachte(z. B. Parz. 76, 11; 351, 7 f.), im übrigen aber selbst Willeh. 237, 3 ff. gutmütig von seinem Wissen sagt:

Herbergen ist loschiern genant. s vil hân ich der sprache erkant. ein ungefüeger Tschampaâneys kunde vil baz franzeys

dann ich, swiech franzoys spreche.

Noch mancher unsrer mhd. Dichter konnte mehr oder weniger Französisch. Ich erinnere an Eilhard von Oberge, den gelârten schuolaere Herbort, Meister Otte, Hartmann von Aue, Gottfried von Straſsburg, Fleck, Konrad von Würaburg, und wie sie alle heiſsen, die nach französischen Vorlagen dichteten.

Daneben gab es schon damals Leute, die infolge geschäftlicher Verbindungen nach Frank- reich kamen und seine Sprache redeten. Ich finde dafür einen Beleg in: Der gute Gerhard von Rudolf von Ems ed. M. Haupt, Leipzig 1840.

1351 ff. sprach der fürste kurteis sprach der fürste riche sagent an, verstât ir franzeis?lieber her gast, nu saget, , herre, mir ist wol erkant waz hat iuch in ditz lant verjaget? beidiu sprache und ouch daz lant. sint ir ein Franzoys oder wer? s0 sint gesaldieret mir. von welhem lande koment ir her? ich sprachgramarzt, bêd sir seite ich im ze maere von herzen vroeliche. daz ich ein koufman waere

von tiutschen landen verre.

Auch in der Folgezeit lieſsen manche Fürsten und hohe Adlige ihren Söhnen in den neueren Sprachen Unterricht erteilen, dem auch die Renaissance kaum Abbruch that. So wissen wir, daſs der Kurfürst von Brandenburg, Johann der Groſse, dem Historiker Johann Cario auftrug, seinen Sohn Joachim moderne Sprachen zu lehren, sodaſs dieser später Gesandten ohne