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Dolmetscher antworten konnte. ¹ Pilotus, der zuerst eine französische Grammatik für Deutsche schrieb(1550), unterrichtete Johann Georg, den Vetter des bayerischen Herzogs Wolfgang. Von Joannes Garnerius haben wir(1558) eine institutio gallicae linguae in usum iuventutir germanicae, ad illustrissimos iuniores Prineipes Landtgravios Hessiae conscripta, deren Lehres er war.² Von seinen Dialogen sagt de la Faye(Anfang des 17. Jahrh.): composez pour l'usage des Princes et Ducs de Saxe, Juliers, Cleve et des Monts..
Ferner dienten Reisen und der Aufenthalt an fremden Höfen der gesamten Ausbildung, insbesondere der sprachlichen. Graf Ludwig von Löwenstein, der von 1574— 1611 regierte, ging auf deutsche und holländische Universitäten und handhabte Lateinisch, Griechisch, Französisch und Italienisch mit erstaunlicher Fertigkeit.3 Fürst Ludwig zu Anhalt-Cöthen(geb. 1579) hatte 6 Jahre Deutschland, Holland, England, Frankreich, Italien etc. bereist. Der Insterburger Rector Seeger begleitete Ahasverus v. Lehndorff und Georg Friedrich Freiherr zu Eulenburg 9 Jahre auf Reisen durch die europäischen Länder,“ der Begründer der Erlanger Fürstenakademie, der Baron Christian Adam Groſs von Trockau, beherrschte durch seinen Aufenthalt in der Fremde Französisch, Italienisch und Spanisch. Auch die groſse württembergische Kirchenordnung vom 15. Mai 1559 bestimmt, daſs eine Anzahl geschickter junger Leute nach Vollendung ihrer Studien mit Unterstützung ins Ausland geschickt werden sollen,„die Sprachen zulernen, auch weitters was zusehen und zuerfaren, wie dann Adels personen gebürt und wol ansteet.“ 5 Aus ihnen sollten später die Räte und Oberamtleute des Königs ernannt werden. Gern suchte man den französischen Hof auf; denn wie früher so glaubte man auch im 15./16. Jahrhundert:
que tousjours a esté
France la flours et la purté
d'armes, d'onnour, de geutillece,
de courtoisie et de largece;
ce est la touche et l'examplaire
de ce c'on doit laissier et faire(Adenés li Rois, Li Roumans de Cléomadès ed. van Hasselt 1865. Bd. I. pag. 9, 245 ff.)
So befand sich im 16. Jahrhundert daselbst Prinz Ludwig, der Sohn des Kurfürsten Philipp I. von der Pfalz, am Hofe Franz I. treffen wir Prinz Ernst von Braunschweig. 6 Aber selbst in dieser Zeit war die Zahl derjenigen, die grade Frankreich besuchten, im Vergleich zu der Gesamtheit verhältnismäſsig nicht groſs, und die Kenntnis der französischen Sprache sogar bei Fürsten nicht durchgedrungen. Noch die sächsischen Prinzen des 16. und 17. Jahrhunderts, Christian II., Johann Georg I., II., III. u. s. w., wurden nur im Schreiben, Rechnen, Religion Musik, Dialektik und Latein unterrichtet und mit den Hauptthatsachen der Geschichte und Geographie bekannt gemacht, während wir von Französisch nichts hören, und erst August der
¹ Joh. Voigt, Fürstenleben und Fürstensitte im 16. Jahrh. Raumers hist. Taschenbuch 6. Jahrg. 1835 p. 213.
* sub fidelibus praeceptoribus, quibus et ipse nunc adnumeror.
³ F. Platz, Beiträge zur Geschichte des Wertheimer Gymnasiums. Gymn.-Progr. 1876 pag. 15 f.
4 K. Wiederhold, Geschichte der Lateinschule zu Insterburg. 3. Teil, Gymn. Progr. 1878 p. 6.
5 Reyscher, Sammlung der württemb. Gesetze XI, 2 pag. 125. Denselben Gedanken finden wir um die gleiche Zeit in Frankreich von M. de Montaigne und später von Locke in England ausgesprochen, die beide für junge Leute von Stand die Kenntnis der Nachbarsprachen forderten. 3 6 Voigt, pag. 214.
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