Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des französischen Unterrichts in Deutschland / von Karl Dorfeld
Entstehung
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Starke zu seiner Ausbildung eine Reise durch Frankreich und Italien unternahm. Dazu

kam, daſs manger hin ze paris vert,

d' wenik lernet und vil verzert,(Renner des Hugo von Trimberg, Bam- berg 1833 13390 f.), oder wie Pilotus sagt: Qui huc cum grandiores sese conferunt, diu inter homines tanquam surdi et muti obambulant, priusquam possint cum ullo colloqui et post multum temporis, mul- tumque laboris, sumptus autem non mediocres, ne quidem pronunciare recte discunt, maxima sua suorumque molestia et poenitudine(Epist. ded. pag. 5).

So entschloſs man sich, auch um womöglich allen zu gute kommen zu lassen, was seither nur einzelne genossen hatten, eigene Schulen für den Adel zu errichten; denn die bestehenden, deren Gelehrsamkeit man alseine den Adel beschmitzende Pedanterey ansah, konnten ohne moderne Sprachen die Bedürfnisse dieser Klasse für den Hof- und Staatsdienst nicht befriedigen. Es entstanden in Deutschland die Ritterakademieen zu Tübingen, Neiſse, Beuthen, Kassel, Kol- berg, Lüneburg, Wolfenbüttel, ² Brandenburg, Berlin, Erlangen, Liegnitz, Ettal, Hildburghausen, Dresden und Braunschweig, die zwar als solche keine lange Dauer hatten, aber als Gymnasien, Kadettenschulen oder Polytechnikum zum Teil heute noch existieren.

Über die Eigentümlichkeiten und den Zweck dieser Akademieen belehren uns gut die Recreationes Academiae Grossianae oder Anleitungen, junge Standespersonen auf eine leichte und bis dato noch unbekannte Art zu einer standesmäſsigen Erudition nach dermaliger Weltart und dann zur Erlernung der vier occidentalischen Sprachen zugleich und ohne Confusion in der Erlanger Ritterakademie anzuführen. In der Dedication an Kaiser Karl VI. heiſst es:... bin ich bewogen worden, bei meiner anzurichtenden Ritterakademie eine solche Anstalt zu machen, vermittelst welcher von der bishero im Schwang gehenden Education und Studirensart in etwas abgewichen, absonderlich junge Standespersonen zu leichterer Erlernung des Latein und derer andern drei occidentalischen Sprachen wie auch zu einer mehr standesmälſsigen Erudition möchten angeführet werden können; dann gleichwie dem Ansehen nach wir mit diesen occi- dentalischen Benachbarten künftighin etwas Mehreres als bishero zu thun und zu negotiiren finden werden, also haben wir auch deswegen deroselben Sprachen und Lebensarten, soweit sie einen Vorzug von den unsrigen haben, uns desto mehr zu befleiſsigen.

Aus diesem Grund trat an allen diesen Anstalten in der Reihe der galanten Studien der Betrieb moderner Sprachen besonders in den Vordergrund. An sämtlichen waren ein oder mehrere professores linguarum, die das Französische lehrten, wozu an vielen das Italienische kam; seltener finden wir Spanisch und am seltensten Englisch. Wenn ich mich mit meinen folgenden Ausführungen auf Erlangen und Hildburghausen beschränke, so geschieht dies des- wegen, weil in Schmidts Encyklopädie bezüglich des letzten Ortes nicht viel mehr als die Thatsache berichtet wird, daſs sich daselbst eine Ritterakademie befand, Erlangen sogar voll- ständig unerwähnt bleibt. Daſs diese beiden Anstalten zeitlich nicht zu den ersten gehören,

¹ C. Fietz, Prinzenunterricht im 16. und 17. Jahrhundert. Programm des Neustädter Realgymnasiums zu Dresden 1887 pag. 6.

² Vgl. jetzt Koldewey, Braunschweigische Schulordnungen II pag. 223, 236 f.

³ Koldewey I pag. 212, 234, 410.

* PFriedr. Wilh. Rücker, Geschichte des Gymnasiums zu Erlangen. Progr. der Königl. Studienanstalt 1845 p. 6.