Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des französischen Unterrichts in Deutschland / von Karl Dorfeld
Entstehung
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thut nichts, da die Erziehungsgrundsätze und Tendenzen dieser Adelsschulen bereits um die Wende des 16. Jahrhunderts sich durchgerungen hatten, ohne damit in Abrede zu stellen, daſs sie durch den Lauf der Ereignisse später eine wesentliche Stärkung erfuhren. ¹

Näheres über die französische Unterweisung erfahren wir aus derNachricht von der gegenwärtigen Verfassung der Ritterakademie und des Seminarii zu Christian-Erlang vom Jahr 1741. Darnach brauchte man für den Unterricht, den Claude Victor Narboud de Belleville für einen Gehalt von 150 fl. jährlich in wöchentlich 4 Stunden erteilte, den fran- zösischen Langium als eine Grammaire nebst dazu gehörigem Wörterbuch, das französische neue Testament, den Télémaque, die Lettres de Bussy Rabutin etc. Zur weiteren Ausbildung waren noch andere Veranstaltungen bereits in den Recreationes vorgesehen. Hierin sagt der Director: Und damit ihr euch je länger je mehr in den occidentalischen Sprachen wegen der vielen schönen und sinnreichen Bücher perfectioniren möget, so wollen wir der in hiesiger Akademie in der grölsern Tafelstube, welche mit allerhand nützlichen Rissen und Kupferstichen bekleidet ist, Mittwochs und Sonnabends Nachmittag rühmlich angestellten Assemblée uns mitbedienen; dann Montags und Donnerstags gegen vier Uhr hiesige französische Kaffeehäuser,² allwo alle- mahl die Zeitungen abgelesen und über selbige räsonnirt wird, besuchen. Nächst dem wollen wir fleiſsig Achtung geben auf das, was bei der Akademietafel vorgehet, allwo mehrenteils ent- weder lateinische, französische oder deutsche Zeitungen gelesen oder über allerhand choisirte Materien, entweder lateinische, französische oder italienische Discourse geführt werden; denn Conversations et bons discours à table sont deux écoles fort notables, pflegen die Franzosen zu sagen.³ Verwertet sollen besonders auf Reisen diese Sprachkenntnisse und die gute Conduite werden, in deren Ermanglung man mehr mit Schwachheiten, auch oft Leibes- und Seelengefahr ver- schlimmert wieder nach Hause komme. Welche Vorteile den Akademikern schon nach einigen Jahren die neueren Sprachen brächten, drückt der Director aus, wenn er in den Recreationes anticipando sagt, sie hätten nunmehr durch seine Anleitung in ihrem neunten Jahr in hiesiger

Im Zusammenhang hiermit mache ich darauf aufmerksam, daſs der Einflufs des Französischen in Deutsch- land vor dem dreiſsigjährigen Krieg viel zu sehr unterschätzt wird. Aufser den in Deutschland bis 1618 gedruckten französischen Grammatiken, deren Zahl unter den 62 von Stengel(Chronolog. Verzeichnis franz. Gramm. Oppeln 1890) überhaupt angeführten nicht unbedeutend ist, sind in dieser Beziehung die Ankündigungen französischer Bücher in den Meſskatalogen interessant(vgl. Paulsen, Gesch. d. höh. Unterr. pag. 787). Während von 156470 nur 7 Bücher verzeichnet sind, steigt die Zahl von da ab bedeutend. Von 1571 80 finden wir bereits 161 und von 1611 20 486; dann tritt wie in den übrigen Zweigen ein Fallen ein. 1641 50 weisen die Kataloge nur 133 auf, und die vor dem Krieg erreichte Zahl wird erst durch die Erscheinungen von 174150 übertroffen. Ferner schreibt Pilotus, wenn auch etwas übertreibend, Epist. dedic. pag. 4: quia paucissimi nostro seculo reperiuntur homines cuiusvis ordinis et conditionis... qui suos liberos gallice scire non velint(Cachedenier, Lehrer an der Akademie zu Altdorf(1600), hat diesen Satz wie manche andere wörtlich in seine Ausgabe übernommen). Ebenso heifst es auf dem Titel der Grammatik von Lummé(1588): Frantzosische Grammatica, zu Teutsch und zu Latein beschrieben. Zugleich vor den Gelehrten und ungelehrten, vormals nye also in Truck aufsgangen, einem jeglichen gantz nutzlich, insonderheit bey dieser jetziger welscher Welt. In dem Schreiben des Professors Havven- reuterus, wodurch er die Grammatik des Serreius empfiehlt(1598), lesen wir: Si Electorum, Principum, Magnatum reliquorum aulas in Germania perlustremus, cuius frequentiorem quam Gallicae linguae communicationem audiemus? (vgl. auch den Dedicationsbrief an die Markgrafen von Baden in derselben Grammatik). Aufserdem Levinus Hul- sius(1596): qui(le langage François) pour le present est tres usité en ces pays d'Alemagne; ferner Potier d'Estain (1603), französischer Schul-, Schreib- und Rechenmeister zu Essen, etc.

² 1686 waren zahlreiche Hugenotten eingewandert.

³ Rücker pag. 10.