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Akademie nebst den lateinischen Rudimenten so viel von den occidentalischen Sprachen be- griffen, daſs sie das Französische ziemlich reden, das Italienische und Spanische aber verstehen könnten. So sei ihre Zunge zu guter Pronunciation gewöhnt, sie könnten mit Ausländern reden oder sie verstehen; sie hätten sich zu dem sonst schweren und verdrieſslichen Latein in etwas Mehreres den Weg gebahnt, weil bei den drei Töchtern sich über 8000 Wörter befänden, die alle von ihrer lateinischen Mutter herrührten und mit selbiger etlichermaſsen gleichlautend seien; daher auch ein Franzose, Italiener oder Spanier viel eher und mit geringerem Verdruſs das Latein begreife. Den gröſsten Nutzen hiervon würden sie einstens auf ihren Reisen, an den Höfen und bei vornehmen Conversationen empfinden. Das Deutsche und guten Teils auch das Englische habe er à part behalten, weil sie des Französischen ziemlich mächtig und keine Sprache bequemer sei, schwere Sachen leichter verstehen zu machen als die dermalige fran- zösische Schreibart; auch könne man durch diese Sprache allein zu einer galanten Erudition gelangen, weil alle gute Bücher nunmehr in dieselbe übersetzt werden. ¹
In Hildburghausen wurde im französischen Unterricht, den die Professoren Samuel de Beauval und Jac. Massot erteilten, nur eine Stunde auf Grammatik verwendet, die übrige Zeit aber auf praktische Übungen in mündlicher und schriftlicher Conversation. Man las den von Mad. Dacier übersetzten Terenz. Wie in Erlangen so kam auch hier der Verkehr mit den 1710 eingewanderten französischen Kolonisten und der Besuch des Gottesdienstes dem, der ihn aufsuchte, zu gute. ²
Schon früh und nicht erst seit dem 30 jährigen Krieg strebte der gebildete Bürgerstand darnach, die Kenntnis einer modernen Sprache, vorzüglich der französischen, sich zu verschaffen. Der reiche Patricierssohn wollte das nicht missen, was bei dem jungen Adligen als zur voll- kommenen Bildung gehörig gefordert wurde, und der Kaufmann wuſste nicht minder auf seinen Reisen und im Verkehr mit den vertriebenen Reformierten den Wert dieses neuen Bildungs- mittels zu schätzen. Was die Schulen nicht gaben, muſste der Privatunterricht gewähren, der sich ungesucht von seiten jener Unglücklichen darbot, die um ihres Glaubens willen den heimat- lichen Boden meiden muſsten. Bereits 1554 finden wir in Frankfurt a. M. einen französischen Schulmeister George Maupan zunächst für die Kinder reformierter Niederländer, die erst nach England geflüchtet waren, bei der Thronbesteigung Maria der Katholischen aber nach Frankfurt sich gewandt hatten.“ Auſserdem treffen wir hier 1585 Schulmeister der meist französisch sprechenden Lutheraner aus Antwerpen(Antorff), die infolge der Bedrückung Albas hierher gekommen waren. Ihr erster Schulmeister war Jacques de Voss. Ferner sind als Bildner der Jugend bekannt: Laurentz Alleinz, der Übersetzer des lutherischen Katechismus, Georg von Lanen und Cornelius de Ram; auch die Frau des Bierbrauers Servatius Lewardt hatte eine französische Schule. Diese erhielten sich in der Folge, und es schwankte ihre Zahl zwischen zwei und vier, abgesehen von dem Unterricht, den zu geben, einigen Schulmeistern gestattet
1 Rücker pag. 9.
2² Grobe, das Gymnasium academicum zu Hildburghausen. Gymn.-Progr. 1879 pag. 18. Uber die häus- liche Erziehung des Adels im 18. Jahrh. vgl. G. Stephan, Die häusl. Erziehung in Deutschland 1891 pag. 111 ff.
s F. Eiselen, Geschichte des deutschen Schulwesens in Frankfurt a. M. Festschrift 1880 pag. 3 fl. Lutherische Strenggläubigkeit, die die Praedikanten aus unlauteren Motiven unterstützten, brachte es 1592 dahin, dafs den kal- vinistischen Ketzern die Abhaltung ihres Gottesdienstes untersagt wurde, und die Schulmeister Jean de Roy und Jean de Massys die Stadt verlassen mufsten; auch Jean Sauvage, der in seiner deutschen und französischen Schule viel Zulauf hatte, begab sich 1597 nach Hanau, das eine groſse Zahl Reformierter in seine Mauern aufnahm.


