Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des französischen Unterrichts in Deutschland / von Karl Dorfeld
Entstehung
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war. ¹ Ebenso lieſs zu Köln 1566 Du Vivier eine Grammaire Françoise erscheinen, auf deren Titelblatt er sich als Maistre d'escole françoise en ceste Ville de Coloigne characterisiert; in dem- selben Köln wurde 1588 die schon erwäühnte Grammatica gallica des P. A. Lummé, eines Maistre d'escole, gedruckt; und 1604 wurden hier Institutiones in linguam gallicam von Heinrich Doer- gang veröffentlicht, der apud Ubios Colon, Agrippin. Linguarum Gallicae, Italicae et Hispanicae Professor war. Aulfserdem ist uns durch das reformierte Kirchenbuch zu Elberfeld 1599 und 1601 ein M. Jacobus Amarix bezeugt, welcheralhie die Kinder frantzosch lehret. 1636 heiſst es in einer Eingabe: Weilen vor dreiſsig Jahren diſs einem Schreibmeister, der doch diſser ort frembdt, auch annoch dem Fonten, der franzosch undt Teutsch lehret, gestattet worden, undt noch gestattet wirdt,... 2 Für Essen erinnere ich an den bereits genannten franzö- sischen Schul-, Schreib- und Rechenmeister Potier d'Estain. Aus dem Jahre 1610 hören wir, daſs Bürgermeister und Richtleute dem Alexander du Pré bewilligen, zu Soest eine Schule zu errichten;wer solche Sprache zu lernen gesinnt sei, solle sich bei ihm einfinden.* Eine Nieder- lassung können wir aus den vielen französischen Namen(Chevalier, ein Schulvicar heiſst Gou- verneur, ein Schulgehilfe Broix u. s. w.) auch für Neufs erschlielsen. Eine Ansiedlung fran- zösisch redender Wallonen dürfen wir wohl für Worms annehmen nach dem Konkordat, das zwischen dem Rat und der reformierten Kirchengemeinde 1699 abgeschlossen wurde, und dessen erster Artikel lautet: Gibt ein hochedler und hochweiser Rath dieser Stadt denen reformirten Bürgern und Einwohnern hieselbst itzt und zu ewigen Tagen das öffentliche Exercitium ihrer Religion, mit Predigen, Taufen, heil. Abendmahl halten, copuliren und andern zu solchem Gottesdienst gehörigen Übungen, und zwar in einer Kirch und teutschen Schul, auch privatim einen Sprachmeister in Niederländischer, Französischer oder Wallonischer Sprache zu halten. Dalſs auch in der Pfalz französischer Unterricht erteilt wurde, ersehen wir daraus, daſs 1621 ein gewisser Thomas Theriel von Marschall an Stelle des alten, kranken Daniel in Strals- burg Schule halten wollte, weil er Frankenthal, wo er seither die Jugend französisch gelehrt hatte, infolge der Kriegsunruhen hatte verlassen müssen. 5 Die Hugenotten und Waldenser, die am Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrh. nach ihrer Aufnahme in der Pfalz, Hessen, Branden- burg, Württemberg etc. für Verbreitung der französischen Sprache direct oder indirect thätig waren, und denen wir schon bei Besprechung der Fürstenakademieen von Erlangen und Hild- burghausen begegnet sind, lassen wir in diesem Zusammenhang natürlich aufser Berechnung.

Selbstverständlich war der französische Privatunterricht nicht nur auf diejenigen Orte be- schränkt, wo die Flüchtlinge in gröſserer Zahl sich niedergelassen hatten, sondern die Mattres suchten auch andere Städte auf, in denen sie für ihre Kunst Jünger zu finden hoffen durften. So sehen wir Philippe Garnier, den Verfasser der Praecepta gallici sermonis, im Anfang des 17. Jahrhunderts in unsrer Vaterstadt Gieſsen6 und später in Leipzig als Sprachmeister thätig.

¹ Eiselen pag. 14.

²¹ W. Crecelius, Die Anfünge des Schulwesens in Elberfeld. Gymn.-Progr. 1880 pag. 6.

Ed. Vogeler, Geschichte des Soester Archigymnasiums II. Teil Progr. 1885 pag. 18.

4 Ad. Becker, Beitrüge zur Geschichte der Frei- und Reichsstadt Worms. 1880 pag. 217.

K. Zwilling, die französische Sprache in Stralsburg bis zu ihrer Aufnahme in den Lehrplan des protest. Gymnasiums. Festschrift 1888 1. Teil pag. 262. 4

3 6 Die Ansicht, daſs GarnierProfessor an der Universität gewesen sei, ist wohl nicht zu halten; denn nach

einer Mitteilung des Herrn Universitäts-Secretärs Schüffer findet sich in den Acten keine Spur von ihm. 1607 ist das Gründungsjahr der Universität, und er ist um diese Zeit hergekommen, sicherlich um den jungen Adligen seine