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Von Städten des Südens, in denen ich keine französische Kolonie nachweisen kann, führe ich noch 2 Belege an. 1596 gab in Nürnberg Levinus Hulsius ein Dictionnaire heraus, der sich bezeichnet als Gandensis Gallicae Linguae Noribergae L. M(agister), und 1621 veröffentlichte I. A. v. Sumaran,„der löblichen Landtschafft und fürstl. Hauptstatt München in Bayrn be- stelter Sprachmeister“, einen gründlichen Wegweiser.
Daſs manche Schulmänner schon damals die Bedeutung des Französischen für die Jugend erkannten, zeigen uns die„Bedenckens wie zu Dillenburg eine ansehnliche gute Schule zu be- stellen“ vom 3./VII. 1581. Hierin schreibt der Geistliche Eoban Noviomagus, der am 2. Mai mit dem Rat O. v. Grünradt eine Visitation vorgenommen hatte,„es würe auch nicht ohn- ratsam die französische Sprache in dieser Schule zu lehren: dabei man sonderlich der Jugend das neue Testament und die Psalmengesänge vorlegen könnte.“!
Doch dauerte es noch lange, bis die französische Sprache als Unterrichtsgegenstand Ein- gang fand. Aus der Zeit vor dem groſsen Krieg habe ich bis jetzt nur wenige Belege gefunden. Bei Festsetzung des Schulgeldes für die deutschen Schulen zu Frankfurt a. M. im Jahre 1591 heiſst es, daſs für diejenigen, welche„französisch oder zierlich schreiben oder auch rechnen lernen“, der Satz der Übereinkunft überlassen werden sollte, und bei einer neueren Feststellung am 9. Dezbr. 1623 wird bestimmt, daſs bei französischer Sprache Vergleich vorbehalten bleibe. ² Etwas früher hören wir von Cöthen, daſs ein Mitarbeiter des Ratichius, Jean le Clercq, der auch die Ausarbeitung einer Grammatik und eines Wörterbuchs nach den Grundsätzen des pädagogischen Reformators in Angriff genommen hatte, französischen Unterricht am Lehrer- seminar gab, und im Organisationsplan des öffentlichen Cöthenschen Schulwesens vom 18. Juni 1619 war für Liebhaber dieser Sprache ein Privatunterricht angeordnet, in welchem von dem genannten Franzosen Lesen und Grammatik gelehrt werden sollten. ³
Es ist klar, dals wir von einem allgemeinen Fortschritt des Unterrichtswesens nichts hören können aus einer Periode, da Deutschland unter den Leiden eines 30 jährigen Krieges seufzte, und vielfach auch aus den ersten Jahrzehnten nach dem Greuel der Verwüstung; denn die Aufgabe, vielleicht eine neue Existenz zu gründen, auf Erwerb bedacht zu sein, um diè Not, die auf der Gesamtheit und dem einzelnen lastete, zu lindern, muſste die geistigen Interessen in den Hintergrund treten lassen. Wohl mögen einzelne Teile Deutschlands, die mit den Truppen des Nachbarvolks in Berührung kamen, vor allem die Rheinlande, die Kenntnis der französischen Sprache als ein Bedürfnis empfunden haben, worauf uns das häufigere Auftreten von franzö- sischen Sprachmeistern während jener Zeit in diesen Gegenden hinweist,4 wohl mag auch die Zahl der französisch Redenden sich hier gemehrt haben, was wir daraus schlieſsen können, daſs
Dienste anzubieten. 1614 wandte er sich nach Leipzig, vielleicht in der Hoffnung, daſs dort das Geschäft ein- träglicher sein werde.
¹ C. Fischer, zur Geschichte der Anstalt. Gymn.-Progr. Dillenburg 1887 pag. 6.
² Eiselen pag. 17..
3 G. Vogt, das Leben und die pädag. Bestrebungen des Wolfg. Ratichius. Gymn.-Programm Kassel 1877 pag. 27. Comenius erwühne ich nicht, da an den Stellen, wo er von den modernen Nachbarsprachen redet, er nur das Ungarische, Wallachische und Türkische im Auge hat; damit soll nicht behauptet werden, dals er für gewisse Gebiete das Bedürfnis des Französischen resp. Englischen verkannt hätte, aber gesprochen ist von diesen beiden nirgends.
4 K. Tücking, Geschichte des Gymnasiums zu Neuls. Progr. 1888 pag. 73. Hier unterrichteten auch die Nonnen vom heiligen Grab, die in den fünfziger Jahren des 17. Jahrh. eine Niederlassung gründeten, gegen Be- zahlung Töchter der höheren Stände in weiblichen Handarbeiten, Musik, Französisch und Latein.


