gebrochenem Deutsch zu seinen Schülern zu sagen: Wer nicht kann Französisch, den jag' ich fort, oder der den Ausfall der Lehrstunden, der gar keine Seltenheit gewesen sein soll, mit den Worten ankündigte: Heute über 8 Tage werd' ich sein krank, so forderte doch die Mehr- zahl die Lach- und Spottlust der mutwilligen Jugend heraus.
Daſs diese Leute, denen die wesentlichsten Erfordernisse für eine erfolgreiche päda- gogische Thätigkeit abgingen, zur Unterrichtserteilung herangezogen wurden, wird uns durch den Mangel an einheimischen Kräften erklärt, die der Aufgabe gerecht werden konnten, die man dem Französischen stellte. Während in unsren Tagen demselben obliegt, einmal die Fähigkeit anzubahnen, seinen Gedanken in fremder Sprache Ausdruck zu verleihen, dann aber auch in die Geistesschätze des betreffenden Volkes einzuführen, um so an der intellectuellen Bildung des Zöglings mitzuarbeiten, betonten unsre Altvordern diese erzieherische Bestimmung in weit geringerem Maſs. Lange Zeit war Zweck und Ziel des Faches, wenn möglich Kon- versationsfertigkeit zu erreichen; aus praktischen Gründen hatte man es in die Schule ein- geführt, und praktische Gesichtspunkte gaben in erster und letzter Linie den Ausschlag.
Für die Darstellung der Methode, die— soweit ich es bis jetzt übersehe— erst im 18. Jahrhundert wesentliche Verschiedenheiten aufweist, sind meine Hauptquellen: Bernhard(1607), Duez(1639), Chif(f)let(1659),(A. C. M. 1670), Menudier(1680), Schatz(1724), Roux(1739), ¹ und Hezel(Gieſsen 1799).* Sie war ungefähr folgende: Das Hauptaugenmerk richtete man zu allen Zeiten beim Beginn des Unterrichts auf eine korrekte, reine und flieſsende Aussprache. Am ausführlichsten geben uns hierüber Auskunft Chif(f)let, der Herausgeber des Schauplatzes einer vollständig und leicht begreiffenden Frantzösischen Sprachkunst A. C. M., der den ersteren vielfach benutzt hat, und Roux. Der Lehrer nahm mit dem Anfänger die Hauptregeln der Aussprache durch und machte sie ihm durch verschiedene Exempel deutlich und dadurch, dals er täglich ein paar Zeilen oder eine halbe Seite vorlas, diese wiederholen lieſs und bei Begehung eines Fehlers auf die Ausspracheregeln zurückgriff. Am nächsten Tag sollte das Durch- gearbeitete, ehe man weiterschritt, noch einmal durch Repetition, die überhaupt warm empfohlen wurde, befestigt werden. Die Ausnahmen lieſs man bei Seite und sie den Schülern nur ex usu einprägen. Manche trieben diese Leseübungen vierzehn Tage oder noch länger und gingen dann zur Grammatik über; die Mehrzahl jedoch übte schon in der ersten Stunde Zeiten von avoir und bewältigte so neben dem Lesen in zwei oder drei Wochen die Hilfszeitwörter, die Conjugationen, die Declination und die gebräuchlichsten Pronomina, andere noch etwas mehr. ³ Für die Erlernung der Verba wurde eingeschärft, den Schüler das Deutsche hinzufügen zu lassen, bis er genau verstehe, was er sage. Nachdem die Zeitwörter einzeln eingeprägt waren, empfahl schon Chif(f)let das mündliche und schriftliche Durchconjugieren in ganzen Sätzen durch Verbindung mit Substantiva, Pronomina, Adjectiva, Conjunctionen u. s. w.(J'ai faim, tu as soif... JPavais envie de rire, tu avais besoin d'apprendre... J'ai un bon père, tu as un beau miroir... Je ne porterai pas mon livre etc.) Wie bei der Aussprache so handelte es sich auch bei der Durchnahme der Grammatik nur um das Allernotwendigste, damit der An- fänger den Mut nicht verlieren möchte aus Furcht, so vieles doch nicht behalten zu können.
¹ In seinem kurzen Begriff der gründlichen Anweisung zur französischen Sprache giebt er in 24 Lectionen ein ausgeführtes Lehrverfahren.
² Vgl. auch Zwilling 278 f.
³ Vgl. jedoch Worms und das Philanthropin.


