Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des französischen Unterrichts in Deutschland / von Karl Dorfeld
Entstehung
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Unterricht, an dem aber nur die Schüler der letzteren teilnehmen mufsten, in der dritten Klasse an. Als Grammatik diente Parrot, als Lectüre: Petit recueil de fables, contes, Gedikes Lesebuch, Villaume, Histoire de l'homme. ¹ 1790 wurden in den 6 Stunden der dritten Klasse neben Gedike die Amusements philol. 1. Teil benutzt, in den 4 Stunden der zweiten Klasse Amusements philol. 2. Teil und Villaume, in den 4 Stunden der ersten Klasse Villaume, Féne- lons Télémaque, Recueil de Poésies; 1792 Voltaire, Siècle de Louis XIV; dazu kamen Uber- setzungen ins Französische und Aufsätze. ²2 In Greiz, wo schon früher französische Privatstunden gegeben worden waren, wurde 1785 das Französische öffentlicher Lehrgegenstand. In der Secunda(2 St.) las man Télémaque und gebrauchte die Grammatik von Pepliers, die Lectüre in den 2 Stunden der Prima bildeten die Amusements philol. Seit 1791 wurden in der Prima Fontenelles, Entretiens sur la pluralité des mondes, Oeuvres de Boileau Despréaux und Fables de Lafontaine gelesen, die Sprachlehre nach Wailly gelehrt; in der Secunda lagen Gedikes Lesebuch und Grammatik zu Grunde; später(1793) ging man zu Télémaque über. In beiden Klassen wurden wöchentlich Übersetzungen, Briefe und Aufsätze gefertigt. 3 1787 wurde fran- zösischer Unterricht in Bernburg eingerichtet, und 1789 erhielten ihn die beiden oberen Klassen des Blankenburger Gymnasiums;?5 1790 führten die Franziskaner ihn nach Beseitigung des Griechischen an dem früher von Jesuiten geleiteten Gymnasium zu Neuſs ein, 6 und 1791 trat er an der Provinzialschule in Tilsit auf. 1792 schlug der spätere württembergische Prälat Schmid dieses Fach am Ulmer Gymnasium für die 4. 6. Klasse vor, s aber erst 1811, nachdem die Stadt unter württembergische Herrschaft gekommen war, wurde Französisch in der 6.3. Klasse, die sämtlich zweijährig waren, mit je 2 Stunden gelehrt, nur die beiden Realklassen hatten je 3 Stunden.*

In Oldenburg, wo ja schon von 1755 mit Unterbrechungen französischer Unterricht war, strebte man in den siebziger Jahren darnach, einen Lehrer für diese Sprache dauernd zu ge- winnen. Aber für 50 Rthlr., die man auswarf, blieb weder Ligou noch Gérard lange; als 1792 die Anstalt reorganisiert wurde, leitete um 100 Rthlr. den facultativen französischen Unterricht ein früherer elsässischer Advokat, Berard, der seither an einem Institut in Celle Stunden gegeben hatte. Da jedoch französische Privatlehrer ihm viel Abtrag thaten, trat 1794 an seine Stelle ein ehemaliger französischer Lieutenant, der Marquis Montalembert le Cerf, den 1802 Le Sieur Gabr. Phil. Fatras Ducoudray von Rouen ablöste. 10 1792 wurde ein Sprach- meister nach Hadamar ans Gymnasium berufen, ¹ und 1793 drang das Französische auch in Dillenburg ein. Genaueren Nachweis über dasselbe am Stuttgarter Gymnasium, wo es seit

¹1 O. Franke, Geschichte der Hauptschule zu Dessau. Festschrift des Gymn. 1885 pag. 5.

² Franke pag. 27. Über die weitere Entwicklung vgl. pag. 41 f.

3 Zippel pag. 19, 25. Aufserdem hatte Herr Director Zippel die Güte, mir brieflich noch einige Mit- teilungen zukommen zu lassen.

4 H. Suhle, Beiträge zur Geschichte des Karlsgymnasiums. Gymn.-Progr. Bernburg 1878 pag. 34.

5 W. Dege, Beiträge zur Geschichte des Blankenburger Gymnasiums. Festschrift 1877 pag. 26.

6 Tücking pag. 90.

7 H. Pöhlmann, Beiträge zur Geschichte des Gymnasiums zu Tilsit. 5. Stück Gymn. Progr. 1876 pag. 3.

8 W. Kapff, Geschichte des Ulmer Gymnasiums. Gymn.-Progr. 1863 pag. 11.

9 Kapff, Progr. von 1864 pag. 4.

¹0 Meinardus pag. 91, 106, 128.

¹1 Wiese II pag. 476.

¹² Fischer pag. 14.