Andere Schulordnungen dieser Zeit— ich erwähne nur diejenige des Hochstifts Münster(1776), weil sie damals vielfache Beachtung fand— standen hinsichtlich des Französischen noch ganz auf altem Standpunkt. Indessen die Nachfrage nach diesem Lehrgegenstand machte sich immer stärker geltend, und so kam es, daſs das Französische an den einzelnen Anstalten mehr und mehr Boden gewann. 1774 wurde in Lüneburg für dasselbe aus den drei oberen Klassen eine Fachklasse mit 4 Stunden wöchentlich gebildet(2 Lectüre, 1 Grammatik, 1 Redeübung). ¹ Unter Ostertags Rectorat(1761— 76) wurde ein französischer Sprachmeister nach Weilburg berufen, und 1775 wurde dieses Fach in der neuen Schuleinrichtung auch für Clausthal vor- geschrieben. ² 1777 wurde am Grünstädter Gymnasium in der Pfalz in Prima Télémaque ge- lesen und Ubungen im Stil gehalten.* In demselben Jahr brachte der Rector des protestantischen Wormser Gymnasiums, Herwig, unentgeltlichen französischen Unterricht in Vorschlag, nachdem schon vor 7 Jahren der Rat beschlossen hatte, bei einer Neubesetzung„auf ein der französischen Sprache kundiges Subjectum Bedacht zu nehmen“; trotzdem enthielt die Schulordnung von 1782 nichts von diesem Fach. 4
Von Einfluſs für Preuſsen war die sympathische Stellung Friedrichs II., der in der Cabinetsordre vom 5. September 1779 erklärte, daſs es im Französischen auch excellente Sachen gäbe, die ebenfalls übersetzt werden müſsten. Die Bestimmungen seines Ministers Freiherrn von Zedlitz berühren sich mit schon erwähnten. In der Grammatik sollte zunächst nur das Notwendigste erklärt werden, damit rasch zur Lectüre übergegangen werden könnte. Hierfür wurden die bekannten Stoffe: Télémaque, Molière, Voltaire empfohlen. Eingehendere Betrachtung der grammatischen Regeln erfolgte erst in den oberen Klassen, wo der Unterricht, wenn möglich, von einem Nationalfranzosen erteilt werden sollte. So wurden am Kloster Bergen, dessen Direction Zedlitz dem Pastor Resewitz(1775) übertragen hatte, die Voyages de Cyrus, Vies des Princes illustres, Amusements philologiques, Contes moraux par Marmontel, Voltaires Siècle de Louis XIV., Caractères de Théophraste par la Bruyère und Racine gelesen, die Conversation durch einen Franzosen gepflegt.“ Am Friedrichs-Werderschen Gymnasium war unter Gedike Französisch ordentliches Lehrfach, und unterrichtet wurde es am Collegium Fridericianum zu Königsberg, wo es jedoch nicht obligatorisch war. 1779 war es am Lyceum zu Kassel in den Lehrplan aufgenommen worden“ und 5 Jahre später erscheint es zum ersten- mal am Gymnasium zu Baden; jedoch müssen die Erfolge wenig befriedigend gewesen sein. Als 1796 ein neuer Lehrplan zur Einführung gelangte, wurde Französisch in den oberen Klassen, die zweijährig waren, gelehrt, und zwar fiel der ersten Klasse die Formenlehre zu, der anderen UÜbersetzungen aus dem Französischen in die Muttersprache und der dritten solche aus dem Deutschen ins Französische.
In der 1785 zu Dessau ins Leben gerufenen Hauptschule, an der die fünf untersten Klassen die Bürgerschule, die beiden folgenden die Gelehrtenschule bildeten, fing der französische
¹ K. Ubbelohde, Mitteilungen über ältere Lüneburger Schulordnungen. Progr. des Johanneums zu Lüneburg 1881 pag. 18.
² L. Wiese, das höhere Schulwesen in Preufsen. II pag. 418, 473.
3 Becker pag. 259.
4 Becker pag. 257.
5 C. Rethwisch, der Staatsminister Freiherr v. Zedlitz. Berlin 1886 pag. 123 f.
Schmidt, Geschichte der Pädagogik III, 756.
7¹ Wiese II pag. 443.
8 Fr. X. Frühe, die höhere Schule in der Stadt Baden. Gymn.-Progr. Baden 1871 pag. 20, 37.
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