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wurden die übrigen Anstalten des Landes zwischen 1766 und 1798 darnach umgestaltet. Von französischen Grammatiken wurden in Mecklenburg gebraucht: Pepliers, Curas, Choffin, Gedike, Meidinger. Gelesen wurde in Heckers und Gedikes Chrestomathie, ferner Choffin, Amusements philologiques, Télé'maque und Marmontel, Contes moraux; in Schwerin auſserdem noch Villaume, Histoire de l'homme, Robinson de Campe, Le printemps de Kleist, Henriade, La découverte de l'Amérique par Campe etc. ¹ 1765 wurde auch in Heilbronn ein Sprachlehrer zu einer öffent- lichen französischen Stunde für 40 fl. angenommen.“* Bald darauf dürfen wir für Ravens- burg die Möglichkeit des Privatunterrichts zugeben. Denn J. Gradmann, der nach Beendigung seiner Studien 1772 in seine Vaterstadt zurückkehrte und als Lehrer und Geistlicher wirkte, übersetzte mehrere Bücher aus dem Französischen. ³
Characteristisch für die ablehnende Haltung, die mitunter trotz offenkundigen Bedürfnisses die Vertreter der alten Richtung dem Eindringling gegenüber einnahmen, ist die Schulordnung von Frankfurt a. M.(1765). In§ 24(2. Abt.) lesen wir: Obwohlen in verschiedenen Gym- nasiis die französische Sprache ebenfalls gelehret wird, und diese heut zu Tage sehr nöthig ist, so will doch die Einrichtung des hiesigen Gymnasii, selbige darauf zu lehren, nicht gestatten; dahero sich auch die Praeceptores damit nicht abgeben, sondern denen vorgeschriebenen Lectionibus abwarten, und das Französische andern, sich dahier in ziemlicher Anzahl befindenden Lehr- und Sprachmeistern überlassen sollen. ¹
Bis 1766 hörte man auch in Stade nichts von neueren Sprachen. 1768 aber redete bei einem Actus ein Schüler französisch über Beispiele antiker Tugend, und aus Annoncen im Hannoverschen Magazin erfahren wir später, dals Lehrer bereit waren, Schüler oberer Klassen privatim im Französischen und Englischen zu unterrichten. 5 1770 wurde in einem Unterweisungs- und Lectionen-Plan des Ansbacher Gymnasiums von drei französischen Fachklassen gesprochen, jedoch vermag ich nicht anzugeben, wann der Unterricht hier begonnen hat. Obligatorisch war Französisch in der 1770 gegründeten(Real-) Schule auf Solitude, ebenso in der„Mili- tärischen Pflanzschule“, die für Cavaliers- und Offiziersknaben ins Leben gerufen wurde. Nach mancherlei Wandlungen entwickelte sich hieraus die Hohe Karlsschule, an der das Französische einen breiten Raum einnahm, dadurch daſs es in allen Klassen mit ca. 6 Stunden bedacht war. Als Unterrichtsbücher wurden diejenigen von Wailly, de la Veaux und Dumarsais benutzt. Aufgabe war, die Schüler zu befähigen, in der Rede wie in Briefen und Aufsätzen die Sprache mit Gewandtheit zu handhaben; dazu kam in zweiter Linie, wie die Lectüre zeigt, Kenntnis der Litteratur. Gelesen wurden Télémaque, Lafontaine, Corneille, Racine, Voltaires Henriade und Charles XII., Bossuet und Fléchiers Oraisons, Boileaus l'Art poétique, d'Alembert und Thomas' akademische Reden, Montesquieus Considérations und Esprit des lois.
¹ Rische, pag. 19.
² D. Finckh, Beiträge zur Geschichte des Gymnasiums und der Realschule Gymn. Progr. Heilbronn 1863 p. 21.
² Held, Geschichte der humanistischen Lehranstalt in Ravensburg. Gymn.-Progr. 1882 pag. 14 f.
4 Vormbaum III pag. 562.
5 A. Reibstein, zur Geschichte des Stader Gymnasiums. Progr. 1888 pag. 12, 25.
6 L. Schiller, das Carolo-Alexandrinum, 3. Beitrag. Progr. der Studienanstalt Ansbach 1880 pag. 10. Ent- hält pag. 47 f. eine Characteristik eines franz. Lehrers von einem früheren Schüler.
7 J. Klaiber, der Unterricht in der ehemaligen Hohen Karlsschule. Progr. des Realgymn. Stuttgart 1873 pag. 36; Erhart in den Verhandlungen des 4. Neuphilologentags pag. 15.


