Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des französischen Unterrichts in Deutschland / von Karl Dorfeld
Entstehung
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anderen nötigen Dingen nichts zu hören bekam. Deswegen errichtete für Landwirte, Kauf- leute, Künstler etc. Johann Julius Hecker in diesem Jahr eine Schule, in der das, was für diese Klassen teils notwendig, teils nützlich war, gelehrt wurde. Unter den Lehrgegenständen befand sich auch Französisch, was für uns darum von Wichtigkeit ist, weil einerseits durch die Anstalten, die nach dem Berliner Muster entstanden, diese Sprache sich einen weiteren Kreis eroberte, andrerseits aber auch die Gelehrtenschulen in der Folge indirect hierdurch be- einfluſst wurden, diesem Fach gröſseres Entgegenkommen zu zeigen. An diesen letzteren gewann es von jetzt ab immer mehr Boden. So wurde 1748 ein Franzose nach IIfeld berufen. In Durlach, wo 1588 ein gymnasium illustre eröffnet worden war, war schon früh auf diese Sprache hingewiesen worden, und Privatunterricht hatte nach Baumgart 1670 bereits stattgefunden; jedoch schritt man erst 1748, als Französisch nach Verlegung der Anstalt nach Karlsruhe(1724) ganz aufgehört hatte, wieder dazu, für Schüler der oberen Klassen, die in- dessen diese Stunden besonders bezahlen muſsten, dieselben einzurichten. ¹ Zwei Jahre darauf (1750) erschienen auch zwei Franzosen in Wertheim, um in ihrer Muttersprache Unterricht zu erteilen. Am Gymnasium wurde derselbe Jean Paixach übertragen, während das Gesuch des Urbain Desmurs um Gründung einer französischen Schule, in der er nach der Methode des Bureau typographique par laquelle on apprend les premiers élémens des toutes sciences(!) en jouant avec les cartes, verfahren wollte, abgeschlagen wurde. ²* 1751 wurde auch am Straſs- burger Gymnasium nach 70 jähriger französischer Herrschaft dieser Sprache die Thür geöffnet, ebenso 1754 in Göttingen. Als 1755 Graf Bernstorff meinte, die Oldenburger Schule sei nicht gehörig im stande, erwiderte ihm der Rector Herbart, dagegen spreche, dals der Statthalter Graf Lynar seinen Sohn die Schule besuchen lasse und die rühmliche Anordnung getroffen habe, daſs Dero Frantzösischer Sprachmeister vor ein billiges Salarium wöchentlich 8 Stunden in der öffentlichen Schule docieren dürfe. 3 In Mecklenburg begann es sich ebenfalls zu regen. 1753 konnte man in den Mecklenburger gelehrten Nachrichten lesen:Eine Ubersetzung zur Aufnahme des guten Geschmacks dienlicher Schriften, aus dem Französischen ins Deutsche, halte ich für eben so unnütz, als wenn man zur Aufnahme des guten Geschmacks aus dem Hochdeutschen Schriften ins Mecklenburgische übersetzen wollte. Ein Mecklenburger, der kein Hochdeutsch versteht, wird sich niemals einfallen lassen, seinen Geschmack zu verbessern, und ein Teutscher, der die Ausbesserung seines Geschmackes mit Etwas anderm als mit der Er- lernung des Französischen anfängt, geht einen Irrweg.4 Auf den Vorschlag Döderleins, der vom Herzog Friedrich dem Frommen berufen worden war, wurde in Bützow 1760 eine Anstalt mit Fachklassen errichtet, die in eine Realschule und ein Pädagogium zerfiel. Neben den Realien finden wir auch das Französische seit 1761 in drei Klassen vertreten, welches bis dahin abge- sehen von Wismar, wo man 1751/52 Versuche mit französischen Sprachmeistern gemacht hatte, noch nicht gelehrt worden war.5 Da die Einrichtung der Bützower Schule Anklang fand,

¹ H. Funck, die alte badische Fürstenschule und A. Böckh. Gymn.-Progr. Karlsruhe 1881 pag. 9.

² Platz, pag. 38. Die Anpreisungen der französischen Sprache in dem Gesuch von Desmurs sind wörtlich aus Mme. La Roche, die Kunst die Zunge aufzulösen, abgeschrieben; diese Dame lehnt sich wiederum an Jean Marin, nouv. gramm. franç. Nürnberg 1680, an.

³ K. Meinardus, Geschichte des Gymnasiums in Oldenburg. Festschrift 1878 pag. 63.

4 A. Rische, der Unterricht an den höheren Schulen Mecklenburgs im 18. Jahrh. Progr. des Realgymnasiums zu Ludwigslust 1888 pag. 10.

5 A. Hölscher, Geschichte des Pädagogiums in Bützow. Progr. der Realschule 1. Ordn. in Bützow 1881 p. 9.