Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des französischen Unterrichts in Deutschland / von Karl Dorfeld
Entstehung
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13 welche nicht die Universität besuchen wollten und deswegen vom Griechischen und Hebräischen befreit waren, privatim in den neueren Sprachen; später fanden diese Stunden Aufnahme in den öffentlichen Unterricht. ¹ Seit 1709 erscheint das Französische zum Zwecke der civilis conversatio und litteratura elegantior als privater Unterrichtsgegenstand an der Schule zu Zittau; in zwei Jahren, meint der Rector, könne man es bei eifrigem Studium lernen. ² In einem Schriftstück des Rectors Stäcker zu Aschersleben, das auch den Lectionsplan enthält, der seit 1715 in Geltung war, heiſst eswer etwa in der Mathesi, der französischen Sprache

. Hetwas lernen will, solle die Stunden von 10 11 und nachmittags von 45 dazu be- nutzen. 1771 wurde es hier in den Stundenplan aufgenommen und zu Anfang unsres Jahr- hunderts sogar auf die vier oberen Klassen mit je 4 Stunden ausgedehnt, eine Verstärkung, die nach den Befreiungskriegen teilweise wieder beseitigt wurde. ³

Seit 1716 bestand als Vorschule für die Erlanger Akademie ein Seminarium, in dem von dem schon erwähnten Narboud französischer Unterricht erteilt wurde; er begann in Tertia mit 2 Stunden, ebensoviele hatte die Secunda, während die Prima in 4 Stunden zusammen mit den Akademikern unterrichtet wurde. 1743 entwickelte sich hieraus ein Gymnasium, in dem Fran- zösisch in den beiden oberen Klassen verbunden gelehrt wurde. 4 1718 unterrichtete am Gothaer Gymnasium in wöchentlich 2 Stunden ein Franzose; in demselben Jahr war auch in Meiſsen ein Sprachmeister eingetreten, und daſs in Augsburg ebenfalls Französisch gelehrt wurde, er- fahren wir aus dem Tagebuch eines Alumnus des Kollegiums bei St. Anna. In demselben wird am 12. Januar 1718 angemerkt, daſs der Sprachmeister von 4 6 Uhr kam; am 5. Februar haben wir das Erstemal Phrases beim Sprachmeister auſs den Historien, welche in der Gram- matik angetrucket, geschrieben. Am 6. Juli fiengen wir die avantures de Télémaque selbst an, nachdem wir die Vorrede hinauſsgebracht. Am 15. Juli: schrieb heute den ersten französischen Brief. Am 28. August: der Sprachmeister wurde abgeschafft, 5 und damit ging der Unterricht vielleicht wieder ein. Diese Möglichkeit müssen wir auch für eine Anzahl anderer Anstalten annehmen, da wir über den Fortgang häufig keine Kunde erhalten. Das Bedürfnis dieses Lehr- gegenstandes war wohl anerkannt, aber man konnte ihm eben nur so lange Genüge leisten, als man Kräfte besals.

Daſs auch in Berlin am Anfang des 18. Jahrh. Französisch unterrichtet wurde, ersehen wir z. B. daraus, daſs sich Hilmar Curas auf dem Titelblatt seiner Grammatik alsWeyl. Königl. Preuſsischen Geh. Sekretario und des Joachimsthal-Gymnasii Collega bezeichnet; von dem Gymnasium im Grauen Kloster ist es direct belegt.6 InKurtzer Entwurff, wie in dem budissinischen Gymnasio seithero die anvertraute Jugend sowohl in Doctrina, als Disciplina, unter göttlichem Segen angeführt worden, teilt uns G. E. Behrnauer, Gymn.-Rect. Budissin 1722 mit, daſs der Unterricht im Französischen von einem gar geschickten und habilen Mattre gegeben wurde. Von sich selbst sagt er, daſs eretzlichen seiner Domestiquen(discipuli do-

¹ A. Vial, K. Mel, ein Lebensbild. Progr. des Kurfürstl. Gymnasiums in Hersfeld 1864 pag. 32.

² A. Gelbke, G. Hoffmanns Zittauisches Dic cur hic und hoc age. Progr. Zittau 1881 pag. 15, 20 f.

3 E. Strafsburger, Geschichte der höheren Schulen zu Aschersleben. Progr. des Realgymn. zu Aschersleben 1888 pag. 28, 32, 38, 40.

4 Rücker pag. 25 f. 36.

5 R. Schreiber, aus dem Tagebuch eines Alumnus des Kollegiums bei St. Anna. Progr. der Studienanstalt St. Anna in Augsburg 1876 pag. 31 f.

6 vgl. Paulsen pag. 389.