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gelernt hatten, blieben auch nach der neuen Ordnung bestehen. Diese Schüler wurden ihren Kenntnissen entsprechend einer Klasse zugewiesen.
Leider ist es mir nicht möglich, bei den meisten übrigen Anstalten Nachricht über Stunden- zahl, Methode und Bücher, die im Unterricht benutzt wurden, zu geben. Daran wird auch wahrscheinlich die Zukunft wenig ändern. Denn die Vermutung, die sich mir durch meine erfolglosen Nachforschungen in den Acten aufdrängte, daſs Aufzeichnungen über dieses Fach, das während des ganzen 18. Jahrhunderts nur dem Privatunterricht zufiel, höchst spärlich sind, wurde mir für Aschersleben von Herrn Dr. Straſsburger bestätigt, für Braunschweig von Herrn Director Prof. Dr. Koldewey, für Darmstadt von Herrn Prof. Dr. Uhrig, für Dessau von Herrn Prof. Dr. Franke, für Göttingen von Herrn Dr. Weselmann, für Greiz von Herrn Director Dr. Zippel, für Mecklenburg von Herrn Dr. Rische, für Weimar von Herrn Dr. Francke und von Herrn Dr. Hengesbach-Fulda. Um diesem Übelstande, soweit die Unterrichtsbehandlung in Frage kommt, einigermaſsen abzuhelfen, habe ich in der beschränkten Zeit die alten fran- zösischen Grammatiken der hiesigen, der Darmstädter und der Mainzer Bibliothek, sowie einige von Frankfurt und aus dem Privatbesitz des Herrn Prof. Dr. Stengel(im ganzen c. 80) auf methodologische Bemerkungen hin angesehen und das dabei Gefundene auf Seite 24 ff. verwertet.
Unter diesen Umständen werden die folgenden Angaben vielleicht dem Nicht-Fachmann statistisch-trocken erscheinen; dies lieſs sich indessen nicht vermeiden, da bei einem ersten Ver- such es sich darum handelte, das Material wenigstens einigermaſsen zusammenzubringen. Zudem glaube ich auch, daſs es in Zukunft mehr wie seither Aufgabe der Geschichtschreibung sein wird, zum Teil für das 17. und in höherem Maſs für das 18. Jahrh. dem Leben der einzelnen Anstalten erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden; auf diese Weise wird mancher Punkt in dem Streit zwischen antiker und moderner Bildung nicht ohne Nutzen für die Gegenwart eine bessere Beleuchtung erfahren.
1703(1713?) wurde als französischer Lehrer Franz Majo an dem Darmstädter Gymnasium angestellt, wo von da ab mit geringen Unterbrechungen immer ÜUnterricht in diesem Fach er- teilt wurde. Wie sehr lokale Umstände— hier wohl in erster Linie die Rücksicht auf den Hof— malſsgebend waren, zeigt sich bei Darmstadt recht schlagend. Haben doch andere hessische Gymnasien an kleineren Orten z. B. Büdingen 1823, Bensheim aufser den Versuchen im Jahre 1781 und 1826 in den dreiſsiger Jahren dieses Jahrhunderts erst Gelegenheit zur Er- lernung dieser Sprache gegeben.“ Französische Reden wurden gehalten 1705 auf dem Actus zu Angerburg, 1730 in der altstädtischen Parochialschule zu Königsberg? und unter Heumanns Rectorat(1717— 1734) in Göttingen. Baron von Kaiserlingk, der zu Anfang des 18. Jahrh. seine Erziehung auf dem Königsberger Gymnasium erhielt, sprach bei seinem Abgang von der Anstalt Griechisch, Lateinisch, Französisch und Deutsch.4 Ob in diesen Fällen der Privat- unterricht in Verbindung mit der Schule stand, läſst sich nicht direct beweisen, möglich ist es immerhin. Mel, der 1705 Rector des Hersfelder Gymnasiums wurde, unterrichtete die Schüler,
¹ W. Uhrig, Geschichte des Gymnasiums zu Darmstadt. Festschrift 1879 pag. 103. Von Wichtigkeit für die Wertschätzung der Mattres ist die Mitteilung, dafs Zipper, der 1719 Sprachmeister wurde, 50 Rthlr., 6 Malter Korn und 5 Malter Gerste als Vergütung erhielt.
² R. Möller, Geschichte des altstädtischen Gymnasiums 6. Stück Progr. Königsberg 1878 pag. 7.
3 A. Pannenborg, zur Geschichte des Göttinger Gymnasiums. Jubelprogr. 1886 pag. 39.
4 E. Bratuscheck, die Erziehung Friedrichs des Groſsen, Berlin 1885 pag. 116 Anm. 76.


