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dreierlei auf einmal vornehmen durfte, so wurden am Mittwoch und Samstag zur Erhaltung der vorhandenen Vorstellungsreihen von 6 resp. 7—8 morgens mit denjenigen Schülern Repetitionen veranstaltet, die mit dieser Sprache sich früher beschäftigt hatten. ¹
Nach der verbesserten Methode des Pädagogiums von 1721 bestanden 3 französische Klassen mit je 12 Stunden wöchentlich, wozu von Zeit zu Zeit noch eine Selecta kam. Das Fach zählte jetzt zu den ordentlichen und wurde mündlich wie schriftlich geprüft.? Den Unter- richt erteilten die vier informatores ordinarii in Verbindung mit einem Sprachmeister. Dem letzteren fielen zwei Aufgaben zu: Pflege einer guten Aussprache und der praktischen Be- herrschung des Französischen. Zu diesem Zweck las er einmal den Schülern vor und lieſs dasselbe von ihnen wiederholen, dann sprach er mit ihnen von allerhand nützlichen Dingen. Die Klassenlehrer hingegen brachten ihren Schülern die Elemente der Grammatik bei, lielsen sie übersetzen, schriftlich machen und dasjenige, was der Franzose gelehrt hatte, anwenden. Denn sie wohnten dem Unterricht desselben bei sowohl zur Aufrechterhaltung der Ordnung, die bei diesen Herrn oft zu wünschen übriglieſs, als auch im Interesse der Unterrichtskonzentration. Diese wurde ferner dadurch bewerkstelligt, daſs die Informatores, die ihr Französisch häufig von dem Mattre gelernt hatten, wöchentlich mit demselben zu Besprechungen und zur Vervoll- kommnung in der Sprache zusammenkamen.
Den einzelnen Klassen waren folgende Pensen vorgeschrieben: in der dritten wurden täglich Wörter aus le Cellarius franç. von Plats und der Introduction au Vocabulaire gelernt und Stellen aus dem neuen Testament sowie aus dem Nouveau Parlement c'est à dire Dialogues Franç.-Allem. von Cramer exponiert; diese Gespräche wurden dann von dem Sprachmeister in der Conversation verarbeitet und von den Schülern auswendig gelernt.
In der zweiten Klasse nahm der Ordinarius die unregelmäſsigen Verba und einiges aus der Syntax durch, las mit den Schülern das neue Testament, französische Zeitungen und la vie d'Ernest le pieux par Teissier, gab Dictées, Extemporalia und lieſs Briefe anfertigen, alles unter Beachtung dessen, was der Sprachmeister behandelte, dem das Parlieren blieb. Das Vocabel- lernen wurde fortgesetzt und fast stündlich eine kurze Geschichte aus der Bibel vorgetragen, die die Schüler übersetzt und der Ordinarius corrigiert hatte.
In der ersten Klasse wurden Zeitungen gelesen, Bongars Epistolae gallicae, der von Vau- gelas übersetzte Curtius und Rouxels UÜbertragung von Pufendorfs Einleitung zur Historie der Staaten. Zahlreiche Briefe und Extemporalia wurden geliefert, der Hauptnachdruck aber auf das Sprechen gelegt. Deswegen wurde der Vocabel- und Phrasenschatz erweitert, Vorträge gehalten, deren Stoffe der Bibel entnommen waren oder über eine nützliche Materie handelten,
und häufig im Anschluſs an die Lectüre eine Discussion eröffnet. Die Selecta, die nur ins Leben trat, wenn sehr tüchtige Schüler vorhanden waren, bildete die Rede- und Schreibfähigkeit weiter aus. Die Ibungen, zu denen der Maftre hier mehr zugezogen wurde, unterschieden sich nicht wesentlich von denen der Prima. Jährlich je zweimal hatten die Secundaner, Primaner und Selectaner französische Schulfeiern, wie sie auch beim Abgang Proben ihrer französischen Rede- fähigkeit ablegten. ³3 Repetitionsstunden für alle diejenigen bestimmt, die früher Französisch
¹ pädag. Schriften pag. 305, 343. *² pädagog. Schriften pag. 428, 430. 3³ pädag. Schriften pag. 383 ff.
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