Aufsatz 
Die Fabeln des Phaedrus in der Quarta des Gymnasiums innerhalb der Konzentration / von Karl Maurer
Entstehung
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vorausgeschickt werden. ¹ Auſser der vaterländischen, deutschen Welt, deren in den voraus- liegenden Klassen erworbene Kenntnisse bei jeder Gelegenheit zu vertiefen sind, bietet vor allem der geschichtliche Unterricht zwei groſse Konzentrationszentren, die Welt der Griechen und der Römer. Im Anfangsunterrichte der Geschichte handelt es sich in erster Linie um Schaffung einzelner leicht übersehbarer Geschichtsbilder. ²* Als abgeschlossenes Ganzes tritt hier vor allem die Zeit der Perserkriege in den Vordergrund. Der Heldenzeit des griechischen Volkes bringt der zwölfjährige Knabe sein ungeteiltes Interesse entgegen. Auf der ersten Stufe des Geschichtsunterrichtes treten ihm hier Kämpfe entgegen, die ihn an die Helden der griechischen Vorzeit im trojanischen Kriege erinnern mögen. Andere Höhepunkte der Geschichte, z. B. die Zeit des Perikles treten für ihn im Verständnis weit zurück; von den Zeiten des pelop. Krieges an tritt zudem der moralische Verfall des griechischen Volkes zu sehr hervor. Dementsprechend liest man, wenn, wie billig, die Geschichte im Lesestoff eine Stütze finden soll, 3 um das Bild der Perserkriege zu vervollständigen, die vitae eines Miltiades und Themistocles, vielleicht des Aristides. Neben dieses erste groſse Bild republikanischer Freiheit tritt gewissermaſsen im Gegensatze dazu die Zeit der Monarchie, welche der Knabe in seinem Lieblingshelden, Alexander dem Groſsen, verkörpert findet. Diesen lernt er in Aus- zügen aus Curtius Rufus in seinen kriegerischen und politischen Unternehmungen kennen. In beiden Bildern kehrt der Kampf der Griechen und Barbaren, des Abendlandes mit dem Morgen- lande unter veränderten Zeitverhältnissen wieder. In die römische Welt wird der Quartaner durch die vita des Hannibal eingeführt. Die jugendliche Thatkraft dieses Helden, vor allem sein kühner Alpenübergang, fesseln das Interesse des Schülers, der hier einen Einblick gewinnt in das verzweifelte Ringen der noch unzerstörten Kraft des römischen Bauernvolkes, das sich nach jeder Niederlage wieder aufrafft, mit den Söldnerheeren der reichen Kaufmannsstadt Karthago. Auch hier kehrt der gewaltige Kampf des Orients mit dem Occidente wieder, aus dem letzterer schlieſslich als Sieger hervorgeht. Haben demnach diese drei gewaltigen Epochen: die Perserkriege, die Zeit Alexanders des Groſsen und die punischen Kriege? eine für den Quartanerstandpunkt quellenmäſsige Behandlung erfahren, 6 und sind daran in sorg- fältiger Arbeit die Hauptthatsachen der Kasuslehre mit Hinweglassung aller seltneren Fälle* erlernt worden, so hat der historische Lesestoff inhaltlich und formal seine Aufgabe erfüllt; die Kette darf mit einer vierten Einheit, dem Dichter, schlieſsen, wenn sich derselbe als gleich- wertiges Kettenglied erweist. Sicherlich tritt der Schüler, der mehr als zwei Tertiale den Prosaiker im Mittelpunkte seiner Lehro hat stehen sehen, mit dem Reize, den das Neue bietet, an ihn heran. ³

¹ H. Schiller, Die einh. Gest. u. s. w. p. 62.

² O. Jäger, Bemerkungen über den gesch. Unterr. p. 12.

Wie planlos in der Auswahl der zu lesenden vitae noch hin und wieder verfahren wird, lehrt die Zu- sammenstellung aus den Jahresberichten von Anstalten aus den verschiedensten Gegenden Preuſfsens bei Max Eichner, Ueber die lat. Lektüre in IV, u. s. w. p. 6.

4 H. Schiller, Handb. der prakt. Paed. ²* p. 549.

5 Eine z. T. andere Auswahl des Lesestoffes trifft M. Eichner eb. p. 11 ff., obgleich er ebenfalls die Notwendig- keit des Anschlusses an die Geschichte betont.

6 Man findet diesen Lesestoff in brauchbarer Weise vereinigt in Lattmann, Cornelii Nepotis liber u. s. w., worin auch eine genügende Anzahl Fabeln von Phaedrus zusammengestellt ist.

7 S. o. p. 3.

8 IV. Dir.-Vers. Pomm. p. 200.