Aufsatz 
Der Zeichenunterricht am humanistischen Gymnasium und sein Verhältnis zu den übrigen Unterrichtsfächern / Adelbert Matthaei
Entstehung
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Block dar? Übergang zur Linearperſpective. Zunächſt wird die Tafel in frontaler, verticalſchräger, horizontalſchräger, vertical⸗ und horizontalſchräger Stellung erörtert und gezeichnet. Dann werden die erſten perſpectiviſchen Grundſätze entwickelt. Wir zeichnen die Körper nicht, wie ſie ſind, ſondern, wie wir ſie ſehen. Je weiter ein Körper vom Auge entfernt iſt, deſto kleiner erſcheint er uns. Die Augenhöhe Linien unter und über dem Auge. Die Verticale Anwendung der Glastafel. Der Verſchwindungspunkt, am beſten erklärt durch Hintereinanderſtellung einer großen Anzahl von Würfeln gleicher Dimenſionen in Zwiſchenräumen. Zeichnung des Würfels in 5 Stellungen nach L. Ritter und Holl. Drahtmodelle. Vollmodelle. Prismen Kreuze das byzantiniſche Kreuz dreiſeitiges Prisma. Die quadratiſche, ſenkrechte Pyramide. Die dreiſeitige, die achtſeitige Ppyramide. Anwendung des Gelernten im Zeichnen nach verſchiedenen Hausmodellen, zunächſt einer Testudo mit ſpitzem Dache(fossaria und aggestitia) im Anſchluß an C. Nepos. Dieſe Modelle ließen ſich leicht vermehren durch andere aus der Belagerungskunſt der Römer, eine Laufhalle vinea, einen eckigen pluteus, eine turris ambulatoria u. ſ. w. Ferner iſt nach dem Grundriß der Eliſabethenkirche in Marburg, als einfachſter Art gotiſchen Kirchen⸗ baues, ein Modell von ca. 75 cm Länge und 80 cm Höhe, mit achteckigen Thurmſpitzen und reicher Pfeilerverwendung vorhanden, das unter Weglaſſung aller Ornamente und der Bogenfenſter auch ſchon in Quarta gezeichnet werden konnte. Endlich wurden für häusliche Arbeit kleinere perſpectiviſche Auf⸗ gaben geſtellt, wie z. B.eine von rechts oben geſehene, aus 6 Würfeln zuſammengeſetzte, frontalſtehende Treppe zu zeichnen. Freilich muß auf dieſer Stufe für derartige Aufgaben einfach angenommen werden, daß die Seitenfläche etwa ½ der Frontfläche ausmacht. Für die Schattierung der Flächen auf dieſer Stufe iſt der Schüler zunächſt nur auf ſeine empiriſchen Beobachtungen hinzuweiſen.

Unter⸗Tertia: 1 Stunde: Die Lehre von Licht und Schatten unter Annahme paralleler Licht⸗ ſtrahlen unter Zugrundelegung der Schattierungskunde von C. Rieß. Heelligkeitsbeſtimmung einer Ebene Ebene mit ſtetig abnehmender Helligkeit. Reflexlicht Schlagſchatten. Schattierung der Normalkugel. Die Lichtzoneneinteilung wurde erſt am Drahtmodell, dann am Vollkörper klar gemacht. Aus der Perſpective: Der dem perſpectiviſchen Quadrat einbeſchriebene Kreis. Anwendung desſelben im Zeichnen z. B. vom Plinthos und Echinos der doriſchen Säule. Schattierung der Walze und des Kegels. Anwendung des Erlernten an der Rüſtung des fränkiſchen Kriegers(im Anſchluß an die deutſche Ge⸗ ſchichte). Halbkugel mit kegelartiger Zuſpitzung an der Helmhaube aus Meſſingſpangen und Eiſen⸗ platten 1). Anwendung der Walzen⸗ und Kugelſchattierung an dem bemalten Langſchild mit erzbeſchla⸗ genem, verzierten Buckel. Ferner wurden gezeichnet: Langſchwert mit Holzgriff, Streitaxt und Wurfaxt. Auch konnte auf dieſer Stufe als Epiſode die gotiſche Kirche mit Bogenfenſtern gezeichnet werden. Ferner ſoll etwa nach dem Modell der Abteikirche in Laach eine romaniſche Kirche hergeſtellt werden.

Ober⸗Tertia: 1 Stunde: Wiederholung und weitere Ausführung der perſpectiviſchen Geſetze aus IV. Der Organismus des Auges. Hinweis auf die Beeinfluſſung unſeres Sehvermögens durch den Intellect.(Frontalſtehende, rechtwinklige Ebenen ꝛc.) Der Diſtanzpunkt. Accidentalpunkte. Perſpectiviſche Aufgaben: eine um ihre Achſe bewegte Thür. Ein Kaſten mit geöffnetem Deckel, eine Wendeltreppe ꝛc. Für reifere Schüler Benutzung der perſpectiviſchen Vorlageblätter von Zartmann. Die Schattierungskunde wurde weiter geübt im Anſchluß an die Cäſarlectüre durch Zeichnen der römiſchen Rüſtung. Zunächſt wurde das scutum mit umbo in Außenanſicht gezeichnet und zur Anwendung der Hohlwalzenſchattierung von innen. Ferner Pilum und Gladius mit der Scheide des ſogenannten Schwertes des Tiberius; endlich der Helm aus Eiſen. Antike Vaſenformen; zur Erlernung der Pinſelführung als Epiſode mit Sepia ſchattiert.

¹) Helmhaube der früher freiherrl. zu Rheiniſchen Sammlung.