Aufsatz 
Konzentration des sprachlich-historischen und geographischen Unterrichts in der Unter-Tertia / Ludwig Hüter
Entstehung
Einzelbild herunterladen

29

bardenwechſel u. ſ. w.). Ebenſo gut kann die Betrachtung der Hanſa und des nordiſchen Handels benutzt werden, um ein Bild der Bedeutung des deutſchen Kaufmannes für die damalige Welt darf man wohl ſagen am Ausgange des Mittelalters zu gewinnen(vgl. Freytag, a. a. O. II, 1 S. 277 ff.). Das lebhafteſte Entgegenkommen fand ich bei meinen Schülern, wenn ich, eine freie Stunde des Nach⸗ mittags dazu benutzend, ihnen mehrmals hintereinander einer kleineren Anzahl zum Abſchluſſe dieſer Betrachtungen den Holzſchnitt von Joſt Amman(Ceil derAllegorie auf den Handel; Fakſimile z. B. in Henne am Rhyn, Kulturgeſchichte des deutſchen Volkes, II.) vorlegte, mir den Kommentar zu einem Teile der Bilder von den Kaufmannsſöhnen geben ließ und die Beziehungen zur Gegenwart durch anregendes Fragen herſtellte ¹).

Haben wir nun die Grundbegriffe, ſowie die einfachſte Form des Handels kennen gelernt und dazu den rieſigen Aufſchwung desſelben in den deutſchen Städten des Mittelalters verfolgt, ſo bietet ſich zum Teil noch in derſelben Klaſſe, namentlich aber in der OIII, durch den geographiſchen Unterricht die Gelegenheit, ein glänzendes Bild des modernen Welthandels zu entwickeln; das Dampfſchiff (Billigkeit des Transportes zu Waſſer) und die Eiſenbahn ſind ſeine Träger. Faſſen wir z. B. am Schluſſe der Betrachtung Amerikas die Handelsbeziehungen zu Europa, bezw. zu Deutſchland, nochmals zuſammen, ſo finden wir(nach Kirchhoff, Schulgeographie): New York- Stapelplatz von Getreide und Petroleum(über Bremen), Baltimore(Virginien) Tabak(Ableger der Gailſchen Fabrik in Gießen), New⸗Orleans Baumwolle(über Liverpool Einfuhr in England, Baumwollenfabriken, in Man⸗ cheſter), ChicagoSchweinemaſt durch Mais(Schinken, Speck, Corned Beef⸗Büchſen), KalifornienGold (Queckſilber), HondurasMahagonibäume, Koſtarica-Kaffeebaum, Kuba Zucker, Tabak(Habana), Jamaika- Zuckerrohr(Jamaikarum), BraſilienZuckerrohr, Baumwolle, Kaffee(Rio de Janeiro), Guagyana- Zuckerrohr(CayennePfeffer), Venezuela-Kakao, Kaffee, Tabak(Varinas), Guanoinſeln an der peruaniſchen Küſte, Peru und Bolivia- Silber(Bedeutung für Spanien), ChileSalpeter(Wüſte Atakama), Uruguay-Liebigs Fleiſchextrakt(Steppen, Viehzucht). Als wichtige Ergänzung iſt die Lektüre von Maſius I., Nr. 179, B. Sigismund, Eine Induſtrieausſtellung im Schulzimmer(vgl. Tinte u. ſ. w.), und Nr. 168, L. von Schlözer, Neujahrsgeſchenk aus Jamaika in Weſtindien, zu betrachten; beide Stücke, aus der Sexta zum Teil bekannt, ſind der natürlich zu kontrollierenden Privatlektüre der Schüler zu überweiſen. Was die deutſche Ausfuhr betrifft, ſo kann man ſich mit dem Hinweiſe auf Bier, Rheinwein, Induſtriewaaren(z. B. die Nürnbergs: Spielwaaren, Faberbleiſtifte, Lebkuchen u. a.) begnügen; intereſſant iſt es zu hören, daß die mannigfachen Waaren aus Alligatorhaut, die in Nord⸗

¹) Links oben Ecke: richtiges Gewicht, damitniemand nrecht gſchehe nicht; Ehrlichkeit, wie es auch in der Mitte heißt:der Handel begert ſolche Leut/ Bey denen ſey Auffrichtigkeit; Was verſteht man alſo unter einem ſoliden Kaufmanne? Doch das Geſchäftsgeheimnis iſt auch notwendig: links oben zweites Bild und oben in der Mitte der an Ketten geſchloſſene secretorum liber. Darunter in der Mitte: der Briefverkehr, der den Herrnfrölich/ auch ſaur un ſchwach macht(der ſpeerbewaffnete Briefbote, Poſt, Eiſenbahn, Dampſſchiff, Telegraph). Oben rechts: das Kontor, damals noch gut deutſchSchreibſtube; rechts oben Ecke: die beſondere Buchführung überKlainoter und Edelgſtein durch bewährte Buchhalter. Rechts unten: der Export des Geſchäftes, die Verpackung der Güter zur Meſſe, damitvil nutz und gwin erfolge; davor der Zähltiſch des Kaſſiers. Links: der Import, die Aus⸗ packung der auf der Meſſe gekauften Güter zum Verhandeln im Detail(Ballen, Kiſten, Säcke, Fäſſer; Frachtzeichen; Werkzeuge zum Offnen); davor der Kaſſier(Einnahmen und Ausgaben),, vorn die beſonders feſte Geldkiſte(Kaſſenſchrank). Weiter rechts: linguarum peritia notwendig, umohn ſchaden und gefahr zu kaufen und zu verkaufen. Schlußbetrachtung: wenn auch der Spruch gilt, der vor dem alten Kaufherrn zu leſen iſt:Vernünfftig ſein gantz wol bedechtig/ Schaft groſe nutz im haädel mechtig, ſo ſteht dochder welt Reichthum(unten Mitte) auf der Kugel des Glücks; wer aber reich werden will, der hüte ſich vor allemfür böſen ſchulden(rechts daneben), ſonſt wachſen ihm die Zinſen über den Kopf,der Intereſs.Sey frum/ fürcht Got lautet die letzte Mahnung.