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bardenwechſel u. ſ. w.). Ebenſo gut kann die Betrachtung der Hanſa und des nordiſchen Handels benutzt werden, um ein Bild der Bedeutung des deutſchen Kaufmannes— für die damalige Welt darf man wohl ſagen— am Ausgange des Mittelalters zu gewinnen(vgl. Freytag, a. a. O. II, 1 S. 277 ff.). Das lebhafteſte Entgegenkommen fand ich bei meinen Schülern, wenn ich, eine freie Stunde des Nach⸗ mittags dazu benutzend, ihnen— mehrmals hintereinander einer kleineren Anzahl— zum Abſchluſſe dieſer Betrachtungen den Holzſchnitt von Joſt Amman(Ceil der„Allegorie“ auf den Handel; Fakſimile z. B. in Henne am Rhyn, Kulturgeſchichte des deutſchen Volkes, II.) vorlegte, mir den Kommentar zu einem Teile der Bilder von den Kaufmannsſöhnen geben ließ und die Beziehungen zur Gegenwart durch anregendes Fragen herſtellte ¹).
Haben wir nun die Grundbegriffe, ſowie die einfachſte Form des Handels kennen gelernt und dazu den rieſigen Aufſchwung desſelben in den deutſchen Städten des Mittelalters verfolgt, ſo bietet ſich zum Teil noch in derſelben Klaſſe, namentlich aber in der OIII, durch den geographiſchen Unterricht die Gelegenheit, ein glänzendes Bild des modernen Welthandels zu entwickeln; das Dampfſchiff (Billigkeit des Transportes zu Waſſer) und die Eiſenbahn ſind ſeine Träger. Faſſen wir z. B. am Schluſſe der Betrachtung Amerikas die Handelsbeziehungen zu Europa, bezw. zu Deutſchland, nochmals zuſammen, ſo finden wir(nach Kirchhoff, Schulgeographie): New York-— Stapelplatz von Getreide und Petroleum(über Bremen), Baltimore(Virginien)— Tabak(Ableger der Gailſchen Fabrik in Gießen), New⸗Orleans— Baumwolle(über Liverpool Einfuhr in England, Baumwollenfabriken, in Man⸗ cheſter), Chicago—Schweinemaſt durch Mais(Schinken, Speck, Corned Beef⸗Büchſen), Kalifornien—Gold (Queckſilber), Honduras—Mahagonibäume, Koſtarica-—Kaffeebaum, Kuba— Zucker, Tabak(Habana), Jamaika-— Zuckerrohr(Jamaikarum), Braſilien—Zuckerrohr, Baumwolle, Kaffee(Rio de Janeiro), Guagyana-— Zuckerrohr(Cayenne—Pfeffer), Venezuela-Kakao, Kaffee, Tabak(Varinas), Guanoinſeln an der peruaniſchen Küſte, Peru und Bolivia- Silber(Bedeutung für Spanien), Chile—Salpeter(Wüſte Atakama), Uruguay-Liebigs Fleiſchextrakt(Steppen, Viehzucht).— Als wichtige Ergänzung iſt die Lektüre von Maſius I., Nr. 179, B. Sigismund, Eine Induſtrieausſtellung im Schulzimmer(vgl. Tinte u. ſ. w.), und Nr. 168, L. von Schlözer, Neujahrsgeſchenk aus Jamaika in Weſtindien, zu betrachten; beide Stücke, aus der Sexta zum Teil bekannt, ſind der natürlich zu kontrollierenden Privatlektüre der Schüler zu überweiſen.— Was die deutſche Ausfuhr betrifft, ſo kann man ſich mit dem Hinweiſe auf Bier, Rheinwein, Induſtriewaaren(z. B. die Nürnbergs: Spielwaaren, Faberbleiſtifte, Lebkuchen u. a.) begnügen; intereſſant iſt es zu hören, daß die mannigfachen Waaren aus Alligatorhaut, die in Nord⸗
¹) Links oben Ecke: richtiges Gewicht, damit„niemand nrecht gſchehe nicht“; Ehrlichkeit, wie es auch in der Mitte heißt:„der Handel begert ſolche Leut/ Bey denen ſey Auffrichtigkeit“; Was verſteht man alſo unter einem ſoliden Kaufmanne?— Doch das Geſchäftsgeheimnis iſt auch notwendig: links oben zweites Bild und oben in der Mitte der an Ketten geſchloſſene secretorum liber.— Darunter in der Mitte: der Briefverkehr, der den Herrn„frölich/ auch ſaur un ſchwach“ macht(der ſpeerbewaffnete Briefbote, Poſt, Eiſenbahn, Dampſſchiff, Telegraph).— Oben rechts: das Kontor, damals noch gut deutſch„Schreibſtube“; rechts oben Ecke: die beſondere Buchführung über„Klainoter und Edelgſtein“ durch bewährte Buchhalter.— Rechts unten: der Export des Geſchäftes, die Verpackung der Güter zur Meſſe, damit„vil nutz und gwin“ erfolge; davor der Zähltiſch des Kaſſiers.— Links: der Import, die Aus⸗ packung der auf der Meſſe gekauften Güter zum Verhandeln im Detail(Ballen, Kiſten, Säcke, Fäſſer; Frachtzeichen; Werkzeuge zum Offnen); davor der Kaſſier(Einnahmen und Ausgaben),, vorn die beſonders feſte Geldkiſte(Kaſſenſchrank).— Weiter rechts: linguarum peritia notwendig, um„ohn ſchaden und gefahr“ zu kaufen und zu verkaufen.— Schlußbetrachtung: wenn auch der Spruch gilt, der vor dem alten Kaufherrn zu leſen iſt:„Vernünfftig ſein gantz wol bedechtig/ Schaft groſe nutz im haädel mechtig“, ſo ſteht doch„der welt Reichthum“(unten Mitte) auf der Kugel des Glücks; wer aber reich werden will, der hüte ſich vor allem„für böſen ſchulden“(rechts daneben), ſonſt wachſen ihm die Zinſen über den Kopf,„der Intereſs“.„Sey frum/ fürcht Got“ lautet die letzte Mahnung.


