(Als Beilage zum Programm des Großherzoglichen Gymnaſiums in Gießen 1888/89.)
Konzentration des ſprachlich⸗hiſtoriſchen und geographiſchen Unterrichts
in der Anter-Tertia. Vom Gymnaſiallehrer Ludwig Hüter.
Konzentration d. h. planmäßige Einheitlichkeit kann im Unterrichte je nach dem Umfange, den man ihr zuweiſt, in verſchiedener Bedeutung aufgefaßt werden; ihre beſonderen Arten ſtehen aber alle unter einander in engſter Beziehung: die eine ſetzt die andere voraus oder hat ſie umgekehrt zur notwendigen Folge.— Man redet von Konzentration in einem Fache, z. B. einer Sprache. Die geſamte Lektüre muß hier nach einenden Prinzipien, welche ebenſo die ſprachlichen Erſcheinungen wie den Inhalt berückſichtigen, geſichtet, ausgewählt und zu einer ordinata varietas zuſammengeſtellt werden; dazu kommt die Feſtſtellung einer ordnungsmäßigen Reihenfolge, in welcher der grammatiſche Stoff aus der Lektüre abzuleiten iſt und zur Einprägung gelangt; endlich handelt es ſich um den Anſchluß aller mündlichen und ſchriftlichen Übungen an den Leſeſtoff ¹). Ein zweite Art von Konzentration iſt die Verbindung möglichſt aller Lehrfächer auf einer Stufe zur gegenſeitigen Unterſtützung mit dem Zwecke, die Ziele des Geſamtunterrichts zu fördern;„es wird eine der erſten Fragen ſein müſſen, wie man den Gegenſtand“— innerhalb eines einzelnen Lehrfaches— „nicht nur ſo behandelt, ſondern von vornherein auch ſo auswählt, daß er möglichſt nahe Fühlung mit den umliegenden, voraufliegenden und nachfolgenden anderen Stoffen gewinnt“(Frick, L. P. VIII, 18). Schließlich kann es darauf ankommen,„höhere einigende Geſichtspunkte“ aufzuſtellen, nach welchen der Lehrplan„die unterrichtlichen Mitteilungen des ganzen Lehrgebiets nach Maßgabe ihrer inneren Verwandtſchaft mit einander in Beziehung ſetzt“(Lindner) und zu einem planvollen Geſamtorganismus ordnet und vereinigt(Frick, L. P. a. a. O.). Eine unter ſolchen Geſichtspunkten verfaßte, geiſtvolle Theorie des Lehrplans, unter beſonderer Berückſichtigung der Klaſſenlektüre der Gymnaſial⸗Prima, ſtammt von Frick(L. P. V, 1— 44).— Nur„die Weiterſpinnung der Fäden nach rückwärts“(a. a. O. 41) kann in der vorliegenden Abhandlung meine Aufgabe ſein; es mag alſo zunächſt ein Bericht über den Verſuch folgen, weſentlich dieſelben konzentrierenden Geſichtspunkte, die Frick auf pſychologiſcher Grundlage aufgebaut hat, mutatis mutandis in dem ſprachlich⸗hiſtoriſchen und
¹) Für dieſe Art v. K. vgl. Schiller, Z. G. W. 38, 193 ff.„über Konzentration im lateiniſchen Unterricht.“ 1


