Sprache), Kunſt(Kirchen, Gemälde ꝛc.).— Entartung: Reichtum, Anſammlung von Gütern in toter Hand, üppiges Wohlleben, Dummheit in den Klöſtern(vgl. Hutten bei Beginn der Reformation).
Eine ſolche Zuſammenfaſſung, bei welcher nur die Verbindung der Teile zum Ganzen und die Schluß⸗ folgerungen neu ſind, gehört zu derjenigen Reihenbildung, von welcher überhaupt ausgiebiger Gebrauch zu machen iſt, und füllt eine Unterrichtsſtunde— vorausgeſetzt, daß der Geſchichtsunterricht von vornherein ſo verlaufen iſt, daß man hier nur Saiten anzuſchlagen braucht, die ſchon oft in Bewegung geſetzt worden ſind. Die nötige Zeit zur Herſtellung ſolcher„Kulturbilder“ muß gefunden werden und iſt leicht zu finden, wenn man nur die deutſche Geſchichte des Mittelalters nach dem Plane zuſammenzieht und behandelt, den Schiller, H. d. pr. P. S. 499— 50l, entworfen hat;— allerdings muß man dabei vielen unnötigen Ballaſt entfernen, welcher unſere„Leitfäden“ bis jetzt noch beſchwert.
Ähnliche Kulturbilder laſſen ſich bei verſchiedenen Gelegenheiten herſtellen, um daran die Grund⸗ züge der Volkswirtſchaft zu entwickeln, worüber etwas ausführlicher geſprochen werden ſoll. F. Moldenhauer hat in einem gehaltvollen Artikel(Köln. Zeitg., Sept. 1888„Volkswirtſchaftslehre und Kenntnis der ſtaatlichen Einrichtungen in den höheren Schulen“) die„Aneignung der allgemein anerkannten Grundbegriffe der Volkswirtſchaft“ als Aufgabe der höheren Schulen hingeſtellt. In den Tertien mögen z. B. die Begriffe des Geldes und des Handels mit den Schülern in elementarer Weiſe erarbeitet werden. Mittelſt der Cäſarlektüre in Verbindung mit der Urgeſchichte unſeres Volkes, der Geſchichte des Mittelalters und der Geographie Aſiens und Amerikas laſſen ſich 3 Kulturbilder herſtellen, denen hauptſächlich der Handel die Farbe verleiht.
Der Schüler hat bisher die Urgeſchichte mehrerer Völker kennen gelernt, der Juden, der Griechen und der Römer; nun tritt die ſeines eigenen Volkes in ſeinen Geſichtskreis. Alle jene Völker ſind von einem ſchroff ausgeprägten Nationalgefühle beſeelt, ſie entwickeln ſich in ſtarkem Gegenſatze zu ihren Nach⸗ barn: Dem Juden gilt der Goi, dem Griechen der Barbare, dem Römer derjenige, welcher nicht civis Romanus iſt, gleich wenig, als ein Weſen untergeordneter Gattung. Dasſelbe iſt auch bei dem Ger⸗ manen der Fall, er fühlt ſich mit großartigem Stolze als ſolcher gegenüber dem Fremden(die arro⸗ gantia Ariovisti). Wir ſehen nun das anziehende Schauſpiel, wie ein von der ſog. höheren Kultur völlig unberührtes Volk mit einem ſolchen jäh zuſammentrifft, welches die höchſte Kultur der Zeit beſitzt. Zwar mögen die Römer ſelbſt Ähnliches empfunden haben, als die griechiſche Welt ſich ihnen erſchloß, eine Empfindung, der Horaz in dem bekannten Verſe: Graecia capta ferum victorem cepit et artes intulit agresti Latio lebhaften Ausdruck verleiht ¹); aber zwiſchen Römern und Germanen iſt doch der Abſtand hinſichtlich der Kulturſtufe viel größer; die Germanen ſtehen nicht nur an Geiſteskultur, ſondern auch beſonders politiſch noch völlig im Kindesalter; daher kann in dem erſten Verkehre dieſer Völker dem Schüler ein typiſches Bild erwachſen der ſtarken Einflüſſe, mittelſt deren die Kultur unciviliſierte Zuſtände überwältigt. Auch der Tertianer begreift die Angſtlichkeit, mit welcher ſich der entlegener wohnende Gallier und der Deutſche von dem Luxus ²) des fremden Volkes abzu⸗
ſchließen ſucht, handelt es ſich doch für den Germanen um ſeine Eigenart, ja ſeine Exiſtenz. Nur außergewöhnlich ſtarke Völker erhalten ſich in dieſem ungleichen Kampfe, und immer mit außerordent⸗ lichem Verluſte; andere gehen bei ſo jäher Berührung zu Grunde(Indianer) oder erleiden auf Koſten
¹) Schon der Quartaner wird eine Andeutung über dieſe typiſche Thatſache etwa bei Gelegenheit der Zerſtörung Korinths durch Mummius erhalten haben. ²) Caes., b. g. I. 1; Cäſar ſelbſt teilt die Anſicht, daß nur die möglichſt weite Entfernung a cultu atque humani- tate provinciae die Tapferkeit erhalte; er mag bei den Galliern genug Beiſpiele des Zerfalls und der Verweichlichung infolge des jäh eindringenden Luxus der Römer geſehen haben; II, 15; IV, 2; VI, 24. 4*


