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feſtgeſtellt hat. Aus der Fülle des Materials ſoll Einzelnes herausgenommen und teilweiſe in ſeiner Anwendung für die UIII dargeſtellt werden.
Verfaſſungsgeſchichte. Die deutſche Geſchichte bietet faſt in jeder Stunde Gelegenheit und Nötigung, über einzelne Punkte der Verfaſſung u. ſ. w. zu ſprechen, z. B. bei Heinrich VI.: Unterſchied zwiſchen Erbmonarchie und Wahlkönigtum(Vor⸗ und Nachteile beider: welche Regierungsform ziehen wir vor?); die Reichstage unter Karl d. Gr. ſind nur zu verſtehen im Gegenſatze zu dem unſrigen, Wahlmodus ꝛc.; die Fixierung der Vorrechte der Kurfürſten durch die goldene Bulle(Regalien u. ſ. w.), wodurch die Sou⸗ veränitätsrechte der kleinen deutſchen Fürſten bis in unſere Tage hinein erſt verſtändlich werden; über die geſamte Entwicklung der partikularen Territorialgewalten vgl. Schiller, a. a. O. S. 416., u. ſ. w. u. ſ. w. Was der Geſchichtsunterricht der UIII zur Förderung des typiſchen Begriffes der Monarchie beitragen muß, darüber ſiehe die trefflichen Ausführungen Schillers, a. a. O. S. 408, 411 f.(politiſche Bedeutung des Begriffes„Gefolgſchaft“ durch das ganze Mittelalter hindurch), namentlich S. 417 f.
Kulturgeſchichte. Eckertz giebt in ſeinem Hilfsbuche einige derartige Zuſammenfaſſungen am Ausgange des Mittelalters, von denen man nicht gerade behaupten kann, daß ſie geſchickt und nach pädagogiſchen Geſichtspunkten hergeſtellt ſeien; wie wir uns z. B. eine zuſammenfaſſende Betrachtung des Moͤnchsweſens, als Hinleitung zu dem Auguſtinermönche Martin Luther und als Sammlung aller zerſtreuten Bemerkungen während des Geſchichtsunterrichtes denken, ſoll in Folgendem gezeigt werden.—
Eremiten(0„1), vgl. ſpäter Peter v. Amiens.— Vorbild: Johannes der Täufer in der Wüſte. — In Aegypten Säulenheilige. Zweck: Abſchluß von den Verſuchungen der Welt zum Nachſinnen über Gott. Asketiſche Lebensweiſe(vgl. Diogenes im Faſſe) und Selbſtpeinigung, Geißelung(vgl. die Geißler⸗ züge in Europa im 14. Jahrhundert). Verkehrte Richtung: Nicht bloß beten, ſondern auch arbeiten! — Abſchluß einer größeren Gemeinſchaft von Menſchen von der Welt in dem Kloſter: claustrum— monasterium(46νος); monachus. Benediktiner(Benedikt v. Nurſia). Gelübde: Arnuut, eheloſes Leben, Gehorſam(Nachahmung Jeſu). Organiſation: Brüder(bezw. Schweſtern: Nonnen), Abt, Kellermeiſter, Pförtner u. A. Beſchäftigung: 1) Ackerbau(Urbarmachung des Landes), 2) Wiſſenſchaft: Verdienſte um die deutſche Sprache— Wörterbücher(manno-vir, raban—corvus etc.), Abſchreiben der alten Schriftſteller(vgl. das franzöſiſche Leſeſtück„Charlemagne“ von Drioux)— koſtbare Bücher mit Initialen ꝛc., Schulen(vgl. Karl d. Gr.).— Einſiedler in Deutſchland: der heilige Gallus in St. Gallen(vgl. das Gedicht„St. Gallus und der Bär“ von Bäßler; den Beſuch Konrads I. in St. Gallen, hübſche Erzählung von den Kloſterſchülern und den AÄpfeln), Fridolin in Säckingen u. A. — Der Benediktinermönch Winfrid(Bonifatius) 754 erſchlagen— Fulda. Neu⸗Korvey an der Weſer unter Karl d. Gr. Klöſter unter den Franken— Staatsgefängniſſe(Childerich III. 752 ins Kloſter geſteckt, desgl. Deſiderius, König der Longobarden, Taſſilo in Lorſch). Verweltlichung der Benediktiner⸗ klöſter— Reform von Clugny aus; Cluniazenſer(Heinrichs III. Gemahlin Agnes von Poitiers): Verdienſte um den Gottesfrieden in Burgund und Deutſchland.— Kreuzzüge: Ritterorden(Mönche mit dem vierten Gelübde: Kampf gegen die Ungläubigen); Geſchicke der Templer, der Johanniter(vgl. den „Kampf mit dem Drachen“; den preußiſchen, evangeliſchen, adligen Johanniterorden zum Zwecke der Kranken⸗ pflege), des deutſchen Ritterordens(unter Friedrich II. Hermann von Salza, Thätigkeit in Preußen, Kämpfe mit den Polen, ſchließliches Geſchick).— Bettelorden: Dominikaner und Franziskaner(Hetze gegen Friedrich II. in Deutſchland),— Auguſtiner in Erfurt(Luther als dienender Bruder: Betteln in der Stadt; Prieſter; Profeſſor an der Univerſität Wittenberg). Kulturgeſchichtliche Aufgaben der Klöſter: Ackerbau, Bildung(ſiehe vorher Benediktiner; Dichtungen über deutſche Stoffe in lateiniſcher


