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treten zu laſſen.— Reihenbildung muß hier vertiefend wirken; nehmen wir z. B. den Begriff„Feld⸗ herrngenie“ und begleiten ihn durch die Schule, ſo werden dabei Perſönlichkeiten, wie Themiſtokles, Alexander d. Gr., Hannibal, Cäſar, die deutſchen Kaiſer zum Teil, Guſtav Adolf, Wallenſtein, Friedrich der Große, Napoleon I., Blücher, Moltke als Typen hervortreten und zu näherer Betrachtung gelangen; wo ſich dieſe an die Lektüre eines Originalwerkes anſchließen kann, wie bei Cäſar, muß eine planmäßige Entwickelung der charakteriſtiſchen Feldherrneigenſchaften erfolgen; z. B. iſt die Stelle I, 49, 50(die Um⸗ ſtimmung des Heeres durch Cäſar) ſtets als Typus des perſönlichen Einfluſſes des genialen Feldherrn auf ſein Heer zu verwenden, wie dieſer Einfluß ſchon dem Schüler der niederſten Stufe in Anekdoten über Alexander u. A. bekannt wurde. Eine ebenſo lohnende, als notwendige Aufgabe iſt es demnach, Cäſar als Feldherrntypus aus der Cäſarlektüre der beiden Tertien darzuſtellen.— Ein typiſches Verhältnis ferner, deſſen Kenntnis für den Schüler unerläßlich erſcheint, weil es ihn auf allen Stufen des Unterrichts begleitet, iſt das des Königs zum Sänger(dDichter, Seher, Gelehrten, Propheten).„Sie beide wandeln auf der Menſchheit Höhen“; der König ehrt ſich ſelber, wenn er den König im Reiche des Geiſtes ehrt, der ſeinen Ruhm verkündet; dieſer hat aber auch die ernſte Aufgabe, dem hohen Herrn ¹) die Wahrheit zu ſagen, ihm, wenn es ſein muß, tadelnd und ſtrafend entgegen zu treten. Das Verhältnis zwiſchen Arion und Periander, Nathan und David, Daniel und Belſazar mag zur Vorbereitung als Wiederholung beigezogen werden; die UIII liefert folgende Geſtalten hinzu: Solon und Kröſus(Wahrheit ſagend), der Alte und der König in„Des Sängers Fluch“(tadelnd, ſtrafend), Orpheus und Pluto(rührend, zwingend), Bertran de Born und der König(rührend, zur Verzeihung zwingend), B. d. B. und der Königsfohn(begeiſterud), der Sänger und der Graf von Habsburg(Ruhm verkündend), Sänger und König in Goethes„Der Sänger“(ergötzend).— In der Prima kommt dieſes typiſche Verhältnis bei den Freundſchaftsbeziehungen Karl Auguſts zu unſeren Dichterfürſten ſchließlich wieder zur Geltung(vgl. auch Friedrich d. Gr. und Voltaire).
Verſtändnis des eigenen Volkstums und der eigenen Zeit.
Betrachten wir endlich die Forderung Fricks(L. P. IX, 18), daß man„die Elemente der Gegen⸗ wart und Heimat in denjenigen der Vergangenheit und Fremde wiedererkennen“ laſſe! Wir verweiſen zunächſt auf den Satz Schillers(L. P. XIV, 53):„Wozu wir unſere Schüler befähigen wollen, iſt doch das Verſtändnis ihres eigenen Volkstums und ihrer eigenen Zeit. Denn eine Schule, welche ſich dieſe Aufgabe nicht mehr ſtellt, muß den Zuſammenhang mit dem Volkstume verlieren. Nun iſt es eine herrliche, für Lehrer und Schüler gleich intereſſante und dankenswerte Aufgabe, in die Verhältniſſe jener Zeit ²) mit Hilfe der heutigen einzudringen und umgekehrt an dem Gegenſatze der damaligen ſich der heutigen klar und ſcharf bewußt zu werden. Damit erledigen ſich die Forderungen, Verfaſſungs⸗ und Kulturgeſchichte, Volkswirtſchaft und Belehrung über Rechtsverhältniſſe als beſondere Disziplinen in unſere Schule einzuführen, von ſelbſt. Werden nur die antiken Verhältniſſe ſtets durch das Licht der heutigen beleuchtet, ſo werden die Unklarheiten verſchwinden, die jetzt unter den Schülern oberer Klaſſen in ſo befremdlicher Weiſe über die alte und neue Zeit herrſchen.“ Dazu vgl. die trefflichen Ausführungen Schillers in der Z. G. W., 42, 401 ff., in denen er die leitenden Geſichtspunkte einer ſolchen Behandlung des Unterrichtsſtoffes
¹) Denn„er ſteht in des größeren Herren Pflicht“; die gebietende Stunde kann ihn auch nötigen,„mit göttlich erhabenen Lehren“, mit Mahnungen und Warnungen dem Throne zu nahen. ²) Hier ſpeziell: der römiſchen. Die in d. Z. f. G. W., 42, 401 ff., von Sch. gegebenen Ausführungen beziehen ſich aber natürlich überhaupt auf allen Unterrichtsſtoff, der die Vergangenheit zum Gegenſtande hat. 4


