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zuſammen in den Tertien oder gar in einer Unter⸗Tertia behandelt wiſſen, aber er glaubt mit dieſen teilweiſe ausführlicheren Auseinanderſetzungen dem Lehrer dienlich ſein zu können bei der Auswahl der Gedankenkreiſe, in welche er ſeine Schüler einführen will, und er wünſcht zugleich Anregungen, zum Teil ſchon Stoff zu liefern zu ähnlichen Ausarbeitungen für andere Klaſſen.
„Kein Fach in unſerer höheren Schule iſt für ſich Selbſtzweck“(Altenburg, L. P. X, 9). Gehen wir von dieſem Gedanken aus und fragen nach dem eigentlichen und Geſamtzwecke des Unterrichts, ſo wird uns als beabſichtigte Totalwirkung ein Doppelziel vor Augen treten, Hinleitung des Schülers zu einer tüchtigen ethiſchen Geſinnung(Schiller, L. P. XIV, 37) und Verſtändnis des eignen Volkstums und der eignen Zeit(Schiller, L. P. XIV, 53). Beide Ziele, die ihre pſychologiſche Begründung darin finden, daß ſie auf die 2 Grundthätigkeiten des menſchlichen Geiſtes, Wollen und Vorſtellen, zurückführen, berühren ſich eng; denn ebenſo wie die Einzelgefühle durch die Einzelthatſachen geweckt und durch die wachſende Kenntnis der letzteren im Unterrichte von unten auf gefördert und vertieft werden, ſo wird das durch die Summe und das Reſultat der Gefühle, die tüchtige ethiſche Geſinnung, erzeugte Intereſſe nur dann rege bleiben, wenn es ſich in ſeiner praktiſchen Ver⸗ wendbarkeit für die Forderungen der eignen Zeit thätig ſieht.— Wenn auf der oberſten Gymnaſial⸗ ſtufe der„Umgang mit idealen Perſönlichkeiten“ verwertet werden muß, um dadurch zur„Bekanntſchaft mit bedeutſamen Begriffen“ vorzuſchreiten(Frick, L. P. V, 10), da erſtere ſich als die typiſchen Vertreter der letzteren darſtellen, ſo wird den unteren Klaſſen mehr die Betrachtung der konkreten Geſtalten zufallen, von deren typiſcher Bedeutung allerdings eine Ahnung in dem Schüler zu wecken iſt.
Hinleitung des Schülers zu einer tüchtigen ethiſchen Geſinnung.
Der Begriff Freiheitsliebe wird, nachdem er an den Kämpfen der Makkabäer und den Perſer⸗ kriegen des helleniſchen Volkes in dem Verſtändniſſe der Schüler aufgekeimt iſt, im deutſchen Geſchichts⸗ unterrichte neues Wachstum gewinnen, von den Kämpfen des Arminius an bis zu den Freiheitskriegen gegen Napoleon I. ſorgfältig gepflegt werden und in der durch den Krieg 1870/71 errungenen Einigkeit und Selbſtändigkeit des deutſchen Reiches ſeinen Gipfel finden.
Der Begriff Treue(vgl. Dettweiler, L. P. VII, 59), ſo mannigfach durch anekdotenhafte Erzäh⸗ lungen(„Die Bürgſchaft“ von Schiller u. a.) und typiſche Einzelfälle(David und Jonathan, Krimhild, Hagen von Tronje u. a.) geweckt, muß durch die ideale, oft ſchroffe Auffaſſung der Treupflicht des Mannes, der ſich einem Höherem freiwillig„gelobt“ hat und nun zu der Gefolgſchaft des Häuptlings gehört(Freytag, B. a. d d. V. I, 79 ff.), zu vertiefter Anſchauung kommen(vgl. Caesar VII, 25: qui secuti non sunt, in desertorum ac proditorum numero ducuntur, omniumque his rerum postea fides derogatur). Eine ſorgfältige Entwickelung dieſes„heiligſten Treuverhältniſſes“(Freytag, a. a. O. S. 233) iſt um ſo mehr nötig, als von ſolchem Geſichtspunkte aus das Chriſtentum Aufnahme bei den Germanen fand(der Herr Chriſtus und ſein Gefolge), auf dieſer Art von Treue das typiſche Verhältnis von Lehnsherr und Vaſall beruht(z. B. noch zwiſchen Friedrich Barbaroſſa und Heinrich dem Löwen, vgl. Schiller, Z. G. W. 42, 418), und auf ſie„der dem deutſchen Volke ſo tief eingeprägte Zug der perſönlichen Anhänglichkeit und Treue gegen den Landesherrn“(Meier, L. P. XIV, 29), mit einem Wort das monarchiſche Gefühl der Deutſchen, hauptſächlich zurückzuführen iſt.
Vaterlandsliebe(vgl. den vorzüglichen Aufſatz von Meier,„Die Erziehung zur Vaterlands⸗ liebe durch die Schule“, L. P. XIV, 1—32).„Dieſer Geſichtspunkt muß auf alle Lehrgegenſtände


