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Form paſſend gefundenen Gedichte ſind natürlich in verſchiedener Weiſe zu verwerten: Teils werden ſie einfach von dem Lehrer oder einem Schüler vorgeleſen, teils werden ſie erklärt und daraufhin geprüft, ob ſich ihr Inhalt ganz mit der in dem Geſchichtsunterrichte eingeprägten Faſſung der Thatſachen deckt, welche Anderungen der Dichter hat eintreten laſſen und warum wohl ec., teils knüpft ſich in einer Reihe von Fragen eine ethiſche Betrachtung an die Vorleſung,(„Die Glocken zu Speier“); ferner dienen einzelne Gedichte dazu, die in der Geſchichte erzählten Ereigniſſe durch die Darbietung paſſender Kulturbilder zu illuſtrieren(„Der Graf von Habsburg“); dann kann die Sage, welche ſich um ein Ereignis oder eine große Perſon gewoben, durch das Gedicht zu ihrem Rechte kommen(„Das weiße Sachſenroß“,„Barbaroſſa“); endlich mögen Verfaſſungsgeſchichte, Rechtspflege u. ſ. w. durch Einzelfälle in poetiſcher Behandlung dem Schüler anſchaulich werden(Schiller, Z. G. W. 42, 418), vgl. z. B.„das gute, alte Recht“ des Volkes im„überfall im Wildbad“. Gedichte, welche uns eine bedeutende geſchichtliche Perſönlichkeit durch kleine, charakteriſtiſche Züge näher bringen, ſind zu bevorzugen.
Es mag hier am Platze ſein, einige Bemerkungen über die Benutzung der Schülerbiblio⸗ theken einzufügen. In den Schulen, welche reichhaltigere Schülerbibliotheken beſitzen, beſteht wohl noch vielfach folgende Einrichtung ihrer Benutzung. Der mit der Bibliotheksverwaltung betraute Lehrer läßt etwa alle 8 oder 14 Tage die für die betreffende Klaſſe beſtimmten Bücher in ſtetigem Wechſel austeilen. Mag nun auch im beſten Falle der Inhalt der Lektüre dem Verſtändniſſe der Schüler angemeſſen ſein und im allgemeinen die Unterrichtsgegenſtände berühren, ſo trägt doch eine derartige, immerhin mecha⸗ niſche Austeilung alle Nachteile einer ſolchen an ſich: Der ſchlechtbegabte Schüler kann ein über ſein Verſtändnis gehendes Buch erhalten, der klügere, gereiftere eine allzu kindliche, allzu reichlich mit Anek⸗ doten u. ſ. w. ausgeſtattete Erzählung; die meiſten Schüler werden noch an dem Tage, an welchem ſie das Buch in Empfang genommen haben, es in wenigen Stunden durchfliegen, hier und da das „Intereſſante“ flüchtig herausklauben, das„Unintereſſante“ überſpringen und es ſchließlich bald bei Seite legen, ohne es wieder aufzunehmen— eine Kontrolle über ihr Leſen fehlt gänzlich. Im erziehenden Unterrichte kann dagegen eine richtig geregelte und beaufſichtigte Benutzung der Schülerbiblipthek von ſeiten der Schüler ein wirkſames Mittel zur Vertiefung mancher Unterrichtsgegenſtände bilden. Der Ordinarius, inſofern wir uns den Geſchichtsunterricht von ihm gegeben denken, muß die Regelung in die Hand nehmen; er hat zunächſt alle vorhandenen Bücher durchzuleſen und nach ihrem Inhalte und ihrem Werte zu prüfen; dabei wird der ſeit Jahrzehnten aufgeſtapelte Schund ausgeſchieden werden müſſen und ſeinem verdienten Schickſal anheimfallen. Nehmen wir nun z. B. die biographiſch⸗hiſtoriſchen Jugendſchriften heraus, deren Lektüre den Geſchichtsunterricht der UIII begleiten ſoll 1). Der Lehrer verteilt in überlegter Abſchätzung der Schwierigkeit des Stoffes und des Verſtändniſſes des Leſers die Bücher, deren Inhalt auf das gerade in Behandlung ſtehende oder kommende Geſchichtspenſum Bezug hat, und läßt ein Buch während eines größeren Zeitraums, etwa von 14 Tagen, durch die Hände ver⸗ ſchiedener Schüler laufen. Dabei werden den letzteren verſchiedene Aufgaben geſtellt, welche alle den Zweck verfolgen, die Leſer zu genauem Leſen, verſtändigem Sichten und ſcharfem Urteilen zu veranlaſſen, z. B. Welche Thatſachen werden in dem Sagenbuche über Dietrich von Bern erwähnt, die wir auch in der Geſchichte Theoderichs kennen gelernt haben?, Es ſind die Einzelheiten zuſammenzuſtellen aus den italieniſchen Zügen Barbaroſſas, die im Geſchichtsunterrichte nicht erwähnt worden ſind; Was lernen wir über das Weſen und die Art der Türken aus der beſtimmten Erzählung? u. ſ. w. Es werden in
¹) Viele dieſer Büchlein tragen allerdings einen„novelliſtiſchen Ton“ an ſich, welchen Jäger, Bemerkungen über den geſchichtlichen Unterricht S. 6, ſo hart verurteilt; aber nur wenn fie ausgeſprochen läppiſch wären, was z. B. Schwebels „Deutſche Kaiſergeſchichten“ nicht ſind, würden ſie leicht„den Sinn für die Geſchichte in der Wurzel verderben“ können. 3*


