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Leſeſtoff. Maſius, II. Teil.—„Der erzählende Charakter des Leſeſtoffes tritt von IV ab allmählich zurück und macht dem beſchreibenden und ſchildernden Platz“(Schiller, H. d. pr. P. S. 274). Während der ſonſtige ſprachlich⸗hiſtoriſche Unterricht in der UIII weſentlich das„Werdende“ betrachtet und die„Erzählung“ pflegt, kommt in der deutſchen Lektüre in wirkſamer Weiſe das„Beſtehende“, als Gegenſtand der„Beſchreibung“ und„Schilderung“, zur Anſchauung; daraus erwächſt eine natürliche Verbindung mit der Geographie und der Naturgeſchichte. Auch der Geſchichtsunterricht kann eine nützliche Vertiefung erfahren, beſonders durch abſchließende, zuſammenfaſſende Charakterſchilderungen (z. B. St. 80 Die Hunnen; St. 104 Otto der Große, woraus leicht typiſche Begriffe für einen„großen“ Mann gewonnen werden können: glänzende Thaten und perſönliche Eigenſchaften(innere und äußere), die ihm die Liebe und die Bewunderung der Menſchen gewinnen; St. 105 Kaiſer Maximilian); in anderer Weiſe empfängt der Geſchichtsunterricht Förderung durch die Bezüge, welche hiſtoriſch⸗intereſſante Landſchaften zur Geſchichte haben(z. B. St. 70 Der Trifels, vgl. Schiller, H. d. pr. P. S. 276).— Eine vorzügliche Bereicherung des geographiſchen Unterrichts bietet u. a. St. 52 Auf dem Marannon, eine höchſt anſchauliche Schilderung der Tropenwelt Südamerikas in trefflicher Anordnung; einen wertvollen ethnographiſchen Beitrag zur Betrachtung der Steppen Südamerikas liefert St. 79 Die Pampas⸗ Indianer.— Namentlich aber darf die Naturkunde auf Anwendung und weitere Förderung der gewonnenen Kenntniſſe durch die deutſche Lektüre rechnen(ſo die Zoologie und Botanik durch St. 52 Auf dem Marannon; die Botanik durch St. 72 Ein weſtfäliſcher Oberhof; die Mineralogie durch St. 71 Die Nebelhöhle ¹): Jurakalk mit ſeinen Arten, Mondmilch, Fadenſtein, Kalkſpat, Stalaktiten, St. 70 Der Trifels). Der deutſche Leſeſtoff wird hierbei namentlich dazu dienen müſſen, die im natur⸗ wiſſenſchaftlichen Unterrichte betrachteten Einzelobjekte der Natur in ihrer normalen Vereinigung als typiſches Geſamtbild zur Anſchauung zu bringen(vgl. Schiller, Z. G. W. 42, 406).
Die deutſchen Aufſätze, wenn man Tertianerarbeiten ſo nennen darf, ſchließen ſich an die Gedankenkreiſe des Geſamtunterrichts an(Schiller, H. d. pr. P. S. 329); es kommt darauf an, den Schüler möglichſt oft(jedenfalls öfters, als es meiſtenteils geſchieht), wenn ein Komplex von Vorſtellungen innerhalb eines Gebietes bewältigt und zu einem kleinen, abgerundeten Ganzen mündlich verarbeitet worden iſt, zu veranlaſſen, ſeiner Gedankenarbeit knappen, ſchriftlichen Ausdruck zu verleihen, und zwar mehr in der Form von Klaſſenarbeiten(Frick, L. P. VIII, 14). Es mag hier genügen, einige Themata aufzuzählen, wie ſie unter Befolgung der von Schiller a. a. O. aufgeſtellten Grundſätze aus dem behandelten Stoffe herausgewachſen ſind. Cäſarlektüre: Die Jagd bei den alten Deutſchen, Die Druiden, Welche Gründe veranlaßten Cäſar, gegen Arioviſt vorzugehen?(I, 32, 33), Die Stellung und die Befeſtigungen Cäſars an der Aisne beim Beginne des Belgierkrieges(Plan: Fluß, Brücke mit kleinem Lager und Brückenkopf, Lager, Hügel, Sumpf, Gräben mit Baſtionen), Wie hat Cäſar die Unternehmungen der Belgier an der Aisne vereitelt?— Ovidlektüre: Die dichteriſchen Eigentümlichkeiten in den„Fröſchen der Latona“, Wie ſteigert Ovid in ſeinem Gedichte:„Die Fröſche der Latona“? Die Unterwelt nach Ovid X, 1— 63, Eine Hochzeitsfeier bei den Alten.— Geſchichte: Der Pfahlgraben, Die Hausmeier, Theoderich d. Gr., Die deutſchen Städte, Das Mönchsweſen(Plan: Einſiedler in AÄgypten u. ſ. w.; Namen, Einrichtung der Klöſter, Gelübde, die einzelnen Orden und Verdienſte derſelben; Auguſtiner Luther. Vgl.„Kulturgeſchichte“).— Deutſch: Die Burgruine Gleiberg bei Gießen(Plan nach„Trifels“: Ausgangspunkt, Weg bis zum Fuße und Aufſtieg; Geſamteindruck:
¹) Dieſes Leſeſtück zerfältt in einen weſentlich beſchreibenden und einen ſchildernden Teil, iſt alſo vorzüglich dazu geeignet, unter Feſtſtellung einzelner ſchildernder Zuſätze im beſchreibenden Teil, das Weſen von Beſchreibung und Schilderung klarzuſtellen; die geſchichtlichen Thatſachen am Schluſſe laſſen ſich während der Reformationsgeſchichte verwerten.


