Gelegenheit, auf die Steigerung im Verlaufe eines Gedichtes hinzuweiſen, die notwendig iſt, um den Leſer bis zum Ende zu feſſeln, alſo zum Zwecke der Spannung. Schon auf der unteren Stufe wird dem Schüler einiges darüber geſagt worden ſein; ein glänzendes Beiſpiel dichteriſcher Steigerung hat er in der Quarta in Heines„Belſazar“ kennen gelernt. In der Unter⸗Tertia ſind u. a.„Die Kraniche des Ibykus“ in dieſer Hinſicht ſehr lehrreich, und die ganze Entwickelung der Handlung, von der Zeit der gänzlichen Ungewißheit an:„Doch wo die Spur, die aus der Menge, ꝛc.“ bis zu den Schlußzeilen:„Und es geſtehn die Böſewichter, getroffen von der Rache Strahl“, iſt unter dieſem Geſichtspunkte zu betrachten.— Aber auch in der einfachen Proſadarſtellung findet ſich ähnliches. So erfolgt die Aufzählung der Gründe, welche Cäſar bewegen, Arioviſt entgegenzutreten, in allmählicher Steigerung. Zunächſt kommen die Beſchwerden der Gallier über die iniuriae Ariovisti(I, 31, 32), dann(33) die Rückſicht auf die Ehre des römiſchen Volkes, die es nicht geſtattet, fratres consangui- neosque im Stiche zu laſſen; den Hauptgrund aber bildet offenbar die Gefahr für das römiſche Reich von ſeiten der Germanen, die nach den Erlebniſſen mit den Kimbern und Teutonen wohl zu befürchten iſt. Nebenſächlich ſchließt ſich dann noch die perſönliche arrogantia Arioviſts an, der ähnliches von ſeinem Gegner gedacht haben mag(I, 34 sibi autem etc.).— Den Schüler frühzeitig in dieſes Grund⸗ geheimnis aller Kompoſition einzuführen, in einer ſeinem Verſtändnis entſprechenden, elementaren Weiſe, iſt um ſo wichtiger, als in den lateiniſchen und griechiſchen Reden in Sekunda und Prima, im Nibelungenlied und im Homer und endlich in den deutſchen und griechiſchen Dramen in Prima, ja auch in Geſchichtstragödien, z. B. in der Darſtellung der ſiciliſchen Expedition durch Thukydides, das Prinzip der Steigerung immer wieder zu immer tieferem Verſtändniſſe kommt.
Griechiſch.
Bachof, Griech. Elementarbuch I. Teil.
Nach dem großh. heſſiſchen Lehrplane fällt in die UIII der griechiſche Anfangsunterricht; die Auswahl des griechiſchen Leſeſtoffes aus Bachof hat demnach natürlich in erſter Linie der Aneignung des jeweiligen grammatiſchen Penſums Rechnung zu tragen; man wird bei der Einübung der A⸗ und O⸗Deklination, ſowie der verſchiedenen Stämme der ſog. Zten die nötigen Leſeſtücke zuziehen müſſen; beſonderen Leſeſtoffes zur Einübung der Zahlwörter und der Komparation bedarf es nicht; die Verba contracta dagegen, die einzelnen Tempora des Verbums(die ſtarken Aoriſte vielleicht ausgenommen) ꝛc. erfordern wieder wenigſtens je ein beſtimmtes Leſeſtück. So iſt die Auswahl des Leſeſtoffes in beſtimmter Richtung gebunden, und zwar mehr, als bei den Sprachen, in denen für die Tertia ſichere Kenntnis der Formen Vorausſetzung iſt. Wie die Auswahl aber zugleich in Bezug auf den Inhalt konzentrierenden Rückſichten auf den anderen Unterricht entgegen kommen kann, ſoll im folgenden gezeigt werden.
Für die Deklination gehört der Leſeſtoff gänzlich der griechiſchen Mythologie an: St. 4 Tantalos, St. 6 Daidalos, St. 13 Phrixos und Helle, St. 14, 15 Argonautenzug, St. 17, 18(ev. 19, 20) Oidipusſage, St. 24, 25(ev. 26, 27) Zug der 7 gegen Theben; für die Anomala der Z3ten Dekl., zur Wiederholung aller Deklinationen und zur Einübung der ſchwachen Aoriſte Activi und Medii St. 30 Perſeus.— Durch einzelne dieſer Geſchichten erfährt die ſpätere Ovidlektüre eine gute Unterſtützung: die Tantalosſage kommt zur Anwendung in Orpheus X, 41: nec Tantalus undam captavit refugam; die Daidalosſage lernt der Schüler nochmals bei Ovid in poetiſchem Gewande kennen VIII, 183— 235: das griechiſche Leſeſtück bietet die Vorgeſchichte des Daidalos und ſein ſpäteres Schickſal, ſowie für die Ikarosepiſode das Gerippe der dichteriſchen Ausführung des lateiniſchen Poeten; die Unterſchiede, ſoweit ſie die größere Anſchaulichkeit, die ſtärkere Lebhaftigkeit, die glänzendere
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