Aufsatz 
Konzentration des sprachlich-historischen und geographischen Unterrichts in der Unter-Tertia / Ludwig Hüter
Entstehung
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(z. B. centurio) ins Deutſche überſetzen wollte und dadurch falſche Vorſtellungen wecken würde. Aber Jäger geſteht ſelbſt zu, daßgar viele Vorgänge der alten Geſchichte in der That lebendige Analogien in der Gegenwart finden, und wir fügen bei: Die Verhältniſſe der alten Welt beſitzen erſt dann unſer volles Intereſſe, wenn der Vergleich zwiſchen ihnen und den unſrigen dazu dient, uns die Gegenwart verſtändlicher zu machen. Beiſpiel: I, 50 wird der quaestor erwähnt. Was iſt das? 1) quaerere, ſuchen, unterſuchen(vgl. inquirere, Inquiſition). Die Thätigkeit des Unterſuchungsrichters iſt die urſprüngliche Thätigkeit des quaestor in Rom. 2) Der Quaeſtor in einer Univerſitätsſtadt iſt derjenige Beamteo, welcher die Univerſitätskaſſe verwaltet, die Kollegiengelder einnimmt u. ſ. w.; alſo beim Militär der Zahlmeiſter, der die Kriegskaſſe verwaltet, im Kriege auch für die Verpflegung, die Requiſitionen u. Ä. zu ſorgen hat. Von dieſem Grundbegriffe, den wir der Anſchauung des täglichen Lebens entnehmen, ausgehend, erklären wir dem Schüler, daß der quaestor, ein Mann von hohem Adel, nun nicht etwa ein einfacher Zahlmeiſter iſt, ſondern der höchſte Beamte nach dem Statthalter in der Provinz(vgl. Unterſtaatsſekretär in Elſaß⸗Lothringen), zu dieſem in ein beſonders enges Vertrauensverhältnis tritt und daher an der Spitze der geſamten Verwaltung, namentlich des Rechnungsweſens im Heer und in der Provinz(oft auch 2 geſonderte quaestores), ſtehend zu denken iſt. Eine gehörige Anzahl geſchulter Unterbeamten, Schreiber u. ſ. w. ſtehen ihm zur Verfügung(vgl. den Hausminiſter eines Königs; man erinnere ferner an die Hofämter der Frankenkönige, man erinnere an den referendarius, der auch nicht mit einem gewöhnlichen Schreiber zu verwechſeln iſt). Er iſt alſo in der Provinz etwaFinanzminiſter und im HeereGeneralintendant. Auch hat er an dem imperium ſeines Vorgeſetzten einen gewiſſen Anteil(wie der hohe Hofbeamte des Königs zugleich in der Armee einen hohen Rang belleidet), inſofern er den Feldherrn vertreten kann, alſo militäriſch der nächſte Offizier nach jenem iſt; ſo kommt es, daß er bei Cäſar in der Schlacht gegen Arioviſt, den legati an Range zum mindeſten gleich, eine Legion kommandiert.

II. Tertial: Ovidius, metamorph.

Die Auswahl des Stoffes und die Reihenfolge in der Ovidlektüre erfolgt nach den von Frick(Z. G. W. 38, 257 268) aufgeſtellten Grundſätzen. Dieſen zufolge ſollen aufeinanderfolgende kultur⸗ hiſtoriſche Stufen in der Lektüre zur Anſchauung kommen, und die einzelnen Bilder dieſer Stufen müſſen wieder mit einander in Beziehung geſetzt werden(Schiller, H. d. pr. P. S. 400). Das folgende Schema ſchließt ſich eng an Fricks Auseinanderſetzungen, z. T. im Wortlaut an; einzelnes Neue kommt aus⸗ führend hinzu.

I. Patriarchaliſch⸗idylliſche Zuſtände: Familienleben märchenhaft.

Die lykiſchen Bauern VI, 317381. 1) Landſchaftsbild: einſamer, ſchilfumwachſener Weiher im Thalgrund. Lokalton durch Autopſie getroffen. 2) Familienbild: Mutter mit ihren hülfloſen Kindlein. 3) Mythologie: Latona, Schmerzensgeſtalt einer Mutter(Niobe); die ſchwimmende Inſel Delos; Faunus; Najaden. 4) Ethiſcher Gehalt: Gaſtfreundſchaft(negativ: Strafe für ungaſt⸗ liche Aufnahme einer Gottheit); Wiederholung: Griechiſche Gaſtfreundſchaft(Phäaken, Telemach in Pylos, Sparta u. ſ. w.), deutſche G.(Caesar, VI, 23); in Lykien(Barbarenland) Rohheit: 1) gegen Fremde, 2) dazu gegen eine Frau, 3) dazu gegen eine Mutter in ſolchen Umſtänden. Zugleich tritt in dieſem Gedichte am ſchärfſten der Begriff der Verwandlung hervor(Grundgedanke der ganzen Dichtung); Erinnerung an denKalifen Storch, an Lots Weib ꝛc. Der Vers I, 1: In nova fert etc. iſt zu leſen, die Überſchrift des Buches: ae᷑raμμοοςσσεαν liber zu erklären. aε᷑ ταοσας mutata forma.. 3

Daedalus und Lcarus VIII, 188 235. Anknüpfung an den griechiſchen Unterricht, Bachof St. 6, ſ.Griechiſch. 1) beſtimmter geographiſcher Hintergrund. 2) Familienbild: Vater und Sohn(Phaeton).