Aufsatz 
Konzentration des sprachlich-historischen und geographischen Unterrichts in der Unter-Tertia / Ludwig Hüter
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

grauſamen Treuloſigkeit zu verteidigen; die Frage A.'s an speculandi causa?, verbunden mit dem Auftrage C.'s ut, quae diceret A., cognoscerent et ad se referrent, gibt die Handhabe, in den beiden Galliern doch nicht ganz unſchuldige Boten, ſondern eine Art speculatores erblicken zu laſſen.(Hinweis auf die Schwierigkeit, die Wahrheit feſtzuſtellen, bei der Einſeitigkeit des ganzen Berichtes: der Erzähler iſt Partei!). In zweiter Linie dient die Geſchichte des Arioviſt dazu, in Verbindung mit der durch den Geſchichtsunterricht und die franzöſiſche Lektüre(ſieheFranzöſiſch) gewonnenen Kenntnis der Kimbern⸗ züge ¹), ein typiſches Bild einer Völkerwanderung und ihrer Gründe in dem Schüler zu erzeugen, welches ihn nicht nur in der germaniſchen Geſchichte der nächſten Jahrhunderte begleiten und in der Auffaſſung der Ereigniſſe, ſpez. der großen ſog. Völkerwanderung, unterſtützen ſoll, ſondern ihm zugleich eine weſentliche Seite des Verſtändniſſes für die ſpäteren Kreuzzüge eröffnen wird und ihm ſelbſt noch bei der Auswanderung unſerer Tage zur Erkenntnis tieferer Gründe dienen kann Die einzelnen typiſchen Begriffe ²) ſind: 1) Auswanderungsluſt der Germanen,dieſes Volkes von ungebändigter Lebenskraft (Freytag, a. a. O. S. 94), nebſt ihren Gründen: Naturereigniſſe z. B. Überſchwemmungen(an der Oſtſee Springfluten wohl denkbar), Übervölkerung ꝛc. 2) Ziel: Verbeſſerung der materiellen Lage, vgl. Caesar, I, 31: neque enim conferendum esse Gallicum cum Germanorum agro, und 30: ut locum domicilio deligerent, quem ex omni Gallia opportunissimum et fructuosissimum iudicassent. 3) Volk auf der Wanderung: Weiber(Teilnahme der Frauen am Leben der Männer), Kinder, Wagen(c. 51 redae et carri), Wagenburg. 4) Schrecken der Römer vor den germaniſchen Auswanderungshaufen, c. 49. Vergleiche mit anderen Wanderungen(Auszug der Juden aus Agypten, die griechiſchen Wanderungen, ſ. Dettweiler, L. P. XIV, 66), ſpeziell mit denen der Hunnen: dieſe ſind Nomaden(Erinnerung an Abraham u. a.), bleiben ſo lange, bis das Land aufgezehrt iſt, haben keine Heimat und ſuchen keine; die Germanen verlaſſen notgedrungen ihre Sitze und ſuchen jedenfalls eine neue Heimat(vgl. die Staatengründungen der Weſtgoten im toloſaniſchen Reiche, der Vandalen in Afrika, der Oſtgoten in Italien) und neuen Ackergrund, zu deſſen Beſtellung ſie das Saatkorn mitbringen(Begriff des Grund⸗ eigentums,den der Nomade durchaus nicht ſcharf faßt und faſſen kann, Moldenhauer, Köln. Zeitg. 5. Sept. 1888).

III. Tertial: Caesar, b. g. II.

Hier beginnt die Einführung in die galliſchen Kriege mit der Lektüre des Belgieraufſtandes; im Mittelpunkte ſteht der Überfall der Nervier an der Sabis.Der Schüler kann und ſoll hier lernen, was zur Bewegung eines Heeres gehört, welches die Mittel und Bedingungen des Sieges ſind, wie die Perſönlichkeit eines großen Führers auf die Soldaten wirkt(I, 38 40, II, 25), warum und wie die disziplinierte Tapferkeit eines ziviliſierten Heeres der rohen Tapferkeit von Barbaren überlegen iſt(Jäger a. a. O.). Der OlIII fallen die Hauptaufgabe und der Abſchluß zu, ſie hat die in der UIII geſponnenen Fäden aufzunehmen und zu einem feſten Gewebe zu vereinigen. Vom römiſchen Heerweſen wird dabei etwa Folgendes ſchon in der UIII zur teilweiſen Beſprechung und Aneignung kommen: Truppengattungen(II, 7 unter anderem); Vorgeſetzte, Offiziere(I, 49, 52, II, 25 u. a.); Heeres⸗ einteilung(II, 5, 25); Waffen(I, 52, II, 21 u. a.); agmen(II, 17, 19); Legionargefecht(II, 20 ff.); Lager(II, 24). Zur Stiütze aller dieſer realen Kenntniſſe dient ein nach den genannten Kategorien eingerichtetes Sammelheft. VorModerniſieren iſt vielfach gewarnt worden(z. B. von Jäger, a. a. O. S. 39): die Warnung iſt begründet, inſofern man etwa römiſche Namen mit ſpeziell römiſcher Bedeutung

¹) Caesar, b. g. I, 33 u. II, 29 vertiefen die Erkenntnis der Kimberngefahr für Rom. ²) Überall iſt Freytag, B. a. d. d. V., heranzuziehen;ein Lehrer kann nichts beſſeres thun, als einen Auszug des Beſten daraus für den Standpunkt ſeiner Schüler zuzubereiten(Frick, L. P. II, 103).