Aufsatz 
Prof. Dr. Hugo von Ritgen : Ein Lebensbild / von Otto Buchner
Entstehung
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ihrer ſtarken und berechtigten Betonung der körperlichen Ausbildung verdient aber die volle Auf merkſamkeit eines jeden denkenden Lehrers; denn ihr iſt zweifelsohne ein großer und ſegensreicher Einfluß auf die körperliche und geiſtige Mannhaftigkeit des engliſchen Volkes beizumeſſen. Inwieweit wir in dieſem Punkte bei unſeren Stammesgenoſſen jenſeits des Kanals in die Lehre gehen können, das führt das höchſt beachtenswerte oben erwähnte Raydt'ſche Buch eingehender aus.

Wer nicht das Glück hat, mit Empfehlungsbriefen der oben erwähnten Art oder ſolchen an beſtimmte Familien oder Geſellſchaftskreiſe verſehen zu ſein, wird ſo lange die von Schmeding empfohlene Einrichtung vonKartells oder Vereinigungen behufs Austauſchs von Familien⸗ mitgliedern(nach Art des Austauſchs von Töchtern, wie er manchmal zwiſchen Deutſchland und der franzöſiſchen Schweiz ſtattfindet) noch nicht in's Leben getreten iſt, gut thun, ſich einige Tage vor ſeiner Abreiſe an den

.Verein deutſcher Lehrer in England zu wenden. Er wird dieſen Schritt nicht zu bereuen

haben. Der Verfaſſer dieſer Bemerkungen verdankt dem genannten Verein, der in Gower Street 15 ſein Büreau hat, viel von dem, was er in England für ſeine Ausbildung erreicht, und es ſei deshalb ſeinem Gefühle der Dankbarkeit an dieſer Stelle geſtattet, ausdrücklich auf German Teachers' Association als auf eine Hauptſtütze eines Neuphilologen in London hinzuweiſen. Der Verein verdient in vollem Maße die Unterſtützung aller beteiligten Kreiſe unſeres Vater⸗ landes; erhält er dieſelbe, ſo kann er die Aufgaben, die er ſich geſtellt, auch wirklich löſen, be⸗ ſonders das von Prof. Lange unterIntereſſen der ſich nur zeitweilig in England aufhaltenden deutſchen Studierenden und Lehrer(Im Ausland, April 1889, S. 9) bezüglich des Wohnungs⸗ und Familiennachweiſes in Ausſicht Geſtellte zur Ausführung bringen. So viel zunächſt im all⸗ gemeinen über dendeutſchen Lehrerverein; unten werde ich in anderem Zuſammenhang noch⸗ mals auf denſelben zu ſprechen kommen.

Zunächſt wird dem mit engliſchen Verhältniſſen Unvertrauten ſofort nach ſeiner Ankunft in der Millionenſtadt der Rat und die Stütze des Vereins in Sachen der Wohnung ſehr angenehm und förderlich ſein. Der Verfaſſer iſt in dieſer Hinſicht dem Verein zu Dank verpflichtet dafür, daß er durch denſelben board and residence in einer vortrefflichen, gebildeten engliſchen Familie fand, und zwar in derſelben, wo H. Reichardt, der rührige Begründer und frühere Schriftführer der Association, Jahre lang wohnte. Da ich den größten Teil meines Aufenthaltes der einzige Fremde den Tag über war, hatte ich reiche und dankbare Gelegenheit zu lernen. Es wurde über die verſchiedenſten Dinge geſprochen und geleſen und ſtets eine ſtrenge Korrektur von Ausſprache und Ausdruck geübt. Eine beſonders gute Uebung iſt es, einen beſtimmten Abſchnitt ſo lange zu leſen, bis Richtigkeit der Ausſprache erzielt iſt.

Die Anſichten bezüglich der Wohnung ſind natürlich ſehr geteilt: der eine rät zum boarding house, wenn es ihm geglückt iſt, in eine gute Familie zu kommen; der andere hat gerade damit ſchlimme Erfahrungen gemacht, indem er vielleicht die Leute zu wortkarg und gleichgültig fand oder von Franzoſen oder Deutſchen in ſeinen Bemühungen gekreuzt und geſtört wurde; er hält es für's beſte, nur Wohnung in einer Familie und die Mahlzeiten im Wirtshauſe zu nehmen. Auf jeden Fall iſt jedoch dem Neuphilologen zu raten, bei der Auswahl der Wohnung und Familie und des Verkehrs darauf Bedacht zu nehmen, daß er den Umgang mit deutſchen Landsleuten möglichſt meiden kann.

Was die Familie an eingehender Erklärung ſprachlicher Dinge nicht Feben kann, findet der Lern⸗ begierige in den vom Lehrerverein in ſeinem Büreau eingerichteten Uebungen. Im Sommer 1889