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Im September 1853 handelte es ſich um die wichtige Frage, ob das Germaniſche Muſeum in Nürnberg bleiben, oder die Einladung des Herzogs von Sachſen⸗Coburg angenommen werden ſolle, mit dem Muſeum auf die Coburg überzuſiedeln; gleichzeitig lag die zweite Frage vor, ob, da die Wartburg nicht in ein eigentliches Muſeum umgeſtaltet werden dürfte, die Räume des Predigerkloſters zu Eiſenach, das der Großherzog von Sachſen-Weimar zur Verfügung ſtellte, für das Germaniſche Muſeum gewählt werden ſollen; v. Ritgen war beauftragt, in letzterem Sinne thätig zu ſein. Als er aber vernahm, daß der König von Bayern noch nicht von den Anerbieten der beiden anderen Fürſten benachrichtigt ſei, unterdrückte er eine ſofortige Abſtimmung. Der Herzog von Coburg zog dann ſein Anerbieten zurück und der König von Bayern ließ im Februar 1857 dem Muſeum das Karthäuſerkloſter in Nürnberg mit großartigen Baulichkeiten und ausgedehntem Gelände zu deſſen bleibendem Sitze über— weiſen. So war durch v. Ritgen das Germaniſche Muſeum für Nürnberg gerettet.
In dankbarer Anerkennung der Verdienſte, die v. Ritgen ſich um das Germaniſche Muſeum erworben, ließ daſſelbe auf dem Sarge des Verewigten einen herrlichen Lorbeerkranz niederlegen und den Hinterbliebenen ſein inniges Beileid ausdrücken.
Schriftſtelleriſch war v. Ritgen in verſchiedenen Richtungen thätig. Schon 1865 erſchien das Prachtwerk„Fünfzig Photographien nach Handzeichnungen älterer Meiſter aus der Sammlung S. K. H. des Großherzogs Karl Alexrander von Sachſen“, die er mit Erläuterungen herausgab(Lpz. A. Dürr). Sein bekannter„Führer auf der Wartburg“ iſt zuerſt 1860 und dann in mehreren Auflagen erſchienen und hält mehr, als er verſpricht; er iſt zugleich eine Kunſt- und Baugeſchichte des Mittelalters, ein wirklicher„Beitrag zur Kunde der Vorzeit“.
Auch die Burgen in der Umgebung ſeiner Vaterſtadt Gießen gaben ihm zu ſchriftſtelleriſcher Thätigkeit Veranlaſſung. Die Geſchichte der Stadt Staufenberg und ihrer beiden Burgen, deren untere v. Ritgen im Auftrag S. K. H. des Großherzogs von Heſſen wieder herſtellte, bearbeitete er in einem Univerſitätsprogramm 1883, und die Geſchichte der Burg Gleiberg veröffentlichte er im zweiten Jahresbericht des Vereins für Lokalgeſchichte(1881).
An der Erhaltung und teilweiſen Wiederherſtellung der Ruine Gleiberg hatte v. Ritgen weſent⸗ lichen Anteil. Schon früher hatte er durch unmittelbare Bemühungen bei S. M. dem König Wilhelm von Preußen den Einſturz wenigſtens eines Teils der Ruine dadurch verhindert, daß ein neben ihren Grundmauern betriebener Steinbruch eingeſtellt werden mußte, dann aber auch gelang es ihm, S. M. den König Wilhelm und J. M. die Königin Auguſta, ſowie andere deutſche Fürſten für den geſchichtlich und architektoniſch ſo bedeutſamen Bau zu intereſſieren und zu Geldbeiträgen für die Erhaltung deſſelben zu veranlaſſen. Einen ſehr anſehnlichen Beitrag ſchaffte er ſelbſt durch eigene Bemühung. Für die Wiederherſtellung eines Teils der noch unter Dach befindlichen Burg, namentlich für den ſchönen großen Saal im Naſſauer Bau entwarf er die Pläne und war bis in die letzte Zeit ſeines Lebens ein eifriger Förderer aller auf den Gleiberg bezüglichen Arbeiten. Der Verein, der ſich die Erhaltung und Erneue⸗ rung der Burg zur Aufgabe geſetzt hatte, ernannte v. Ritgen zu ſeinem Ehrenpräſidenten.
Auch für die herrliche Ruine Münzenberg in der Wetterau war v. Ritgen in hohem Maße thätig und entwarf namentlich für den in reichem romaniſchem Stile erbauten Palas ausgedehnte Wiederherſtellungspläne, die aber wegen Geldmangels bis jetzt nicht zur Ausführung kommen konnten. In dem vom Oberheſſiſchen Geſchichtsverein herausgegebenen Schriftchen über Münzenberg ſchrieb er den kunſtgeſchichtlichen und architektoniſchen Teil. Daß die Geſchichte ſeiner Vaterſtadt und ihrer Bauwerke v. Ritgen reichlichen Stoff für ſeine Forſchungen darbot und daß er ſich auch für die kirchlichen und ſonſtigen Baudenkmäler der Umgegend beſonders intereſſierte und dieſelben in das Bereich ſeiner Studien


