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der Religion. Dieß ſpricht er gleich in der Vorrede zur 1. Auflage des genannten Buchs aus:„Die Moral, ſofern ſie auf dem Begriff des Menſchen als eines freien, eben darum aber auch ſich ſelbſt durch ſeine Vernunft an unbedingte Geſetze bindenden Weſens, gegründet iſt, bedarf weder der Idee eines andern Weſens über ihm, um ſeine Pflicht zu erkennen, noch einer andern Triebfeder, als des Geſetzes ſelbſt, um ſie zu beobachten.“„Wenigſtens iſt es ſeine eigene Schuld, wenn ſich ein ſolches Bedürfniß an ihm vorfindet, dem aber alsdann auch durch nichts anderes abgeholfen werden kann; weil, was nicht aus ihm ſelbſt und ſeiner Freiheit entſpringt, keinen Erſatz für den Mangel ſeiner Moralität abgibt.“
Hierin wird der Menſch doch ganz auf ſich ſelbſt angewieſen unter der Vorausſetzung, daß er im Stande ſei, die Moral aus ſich ſelbſtändig zu produzieren.
Gleich darauf wird ſogar die Religion als Motiv ſittlichen Handels ausdrücklich ausgeſchloſſen: „Sie(sc. die Moral) bedarf alſo zum Behuf ihrer ſelbſt(ſowohl objektiv, was das Wollen, als ſubjektiv, was das Können betrifft) keineswegs der Religion, ſondern vermöge der reinen praktiſchen Ver⸗ nunft iſt ſie ſich ſelbſt genug.“
Ganz im gleichen Sinn wird S. 206 behauptet:„Was der Menſch im moraliſchen Sinne iſt oder werden ſoll, gut oder böſe: dazu muß er ſich ſelbſt machen oder gemacht haben.“ Hier bekommen wir auch den Grund zu hören:„Beides muß eine Wirkung ſeiner freien Willkühr ſein, denn ſonſt könnte es ihm nicht zugerechnet werden, folglich er weder moraliſch gut noch böſe ſein.“ Es wird alſo hier ganz im Gegenſatz gegen die abſolute Schätzung des Sittengeſetzes, gegen den objektiven kategoriſchen Imperativ die durchaus rationaliſtiſche ſubjektive Moral geltend gemacht, und dieß macht es begreiflich, wie Rationaliſten ſich an die Kant'ſche Philoſophie anſchließen konnten.
In einer anderen Beziehung aber mußte das Reſultat Kant'ſcher Philoſophie das rationaliſtiſche Prinzip noch eine Stufe weiter führen.
Bisher hatte die deutſche Popularphiloſophie ſich getraut, den Glauben an Gott und Unſterblichkeit als Forderungen vernünftigen Denkens zu beweiſen. Kant zeigte nun, daß die menſchliche Erkenntniß die Dinge an ſich nicht zu erkennen vermöge; daß alle überſinnlichen religiöſen Wahrheiten darum nur Poſtulate der„praktiſchen Vernunft“ ſein könnten. Die Folge war, daß die auf Kant ſich ſtützenden Rationaliſten ſich von nun an mit Wahrſcheinlichkeitsbeweiſen für das Daſein Gottes u. ſ. w. begnügen mußten.
Dies finden wir zunächſt beſtätigt bei Wegſcheider, dem Verfaſſer der„Institutiones theologiae christianae dogmaticae“, welches Buch als das dogmatiſche Hauptwerk des Rationalismus angeſehen zu werden pflegt. Dort werden nämlich erſt vier Beweiſe für das Daſein Gottes(argumentum ontologicum, cosmologicum, physico-theologicum et practicum) umſtändlich einzeln ausgeführt und dann kommt auf S. 213§ 57(5. Ausg.) der wunderbare Satz:„lam etsi non omnia argumenta, quae pro divini numinis exsistentia in medium prolata sunt, eiusmodi fuerunt, ut singula per se omni exceptione maiora viderentur, coniuncta tamen tantam habent vim, ut animo sibi constanti absurdius nihil nec quidquam sanae rationi magis inimicum videatur, quam contraria huic sen- tentia s. Atheismus.
Man ſoll alſo nichts Abſurderes und Vernunftwidrigeres denken können, als daß die, einzeln ge⸗ nommen, unzureichenden Argumente in ihrer Geſammtheit das Daſein Gottes beweiſen. Danach konnte Haſe in ſeinen„Theologiſche Streitſchriften“ 1834 auf S. 37 mit Recht bewerken,„daß es dieſem Rationalismus an wiſſenſchaftlicher Kraft und Schärfe fehlt.“ Die höchſte Inſtanz in Sachen der Religion iſt nach den Inſtitutionen die Vernunft, ſofern ſie geſund iſt(§ 11, S. 39 per rectam rationem). Dieſe Vernunft vermag es als das oberſte Erkenntnißvermögen(suprema cognoscendi vis),„ideas,
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