Aufsatz 
Ueber Ursachen, Entwickelung und Bedeutung des Rationalismus / von Franz Schwabe
Entstehung
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pernego mysteria absolute i. e. quae in se sint mysteria, in theologicis dari und die Trinität über⸗ haupt in das Gebiet der theologia naturalis einzurechnen. Wurde er auch zum Widerruf bewogen, ſo ſind wir doch wohl berechtigt, ihn als deutliches Beiſpiel dafür anzuſehen, daß man bereits anfing, das Widerſpruchsvolle in der Stellung, die man der Theologie der geoffenbarten Religion zur natürlichen gegeben hatte, zu empfinden..

Der extremſten Erſcheinung der Aufklärungsperiode begegnen wir jedoch in der Perſon des Joh. Chr. Edelmann, der 1741 in Neuwied zur Ablegung eines Glaubensbekenntniſſes gezwungen, Folgendes bekannt hat:

1) Es gibt ein einiges, ewiges, unveränderliches Sein und Weſen, aus dem alles hervor⸗ und in das alles zurückgeht(d. h. Natur). 2) Was die Menſchen von dieſem Weſen denken und lehren, enthält keine Verbindlichkeit zum unbedingten Glauben. 3) Die Bibel iſt eine mangelhafte Sammlung alter Schriften und weder die einzige, noch die hauptſächlichſte Quelle unſerer Gotteserkenntniß. 4) Chriſtus iſt bloßer Menſch wie wir u. ſ. f. Am Schluſſe bezeichnet er den Teufel als eine Erfindung der Pfaffen, dieſe letzteren ſelbſt als die wahren Teufel und ſpricht die Hoffnung aus, daß dieelenden Lügen der Pfaffen bald ein Ende nehmen werden.

Trotz des im ganzen ſo gemäßigten Verlaufs der Aufklärungsepoche hat ſich um die Mitte des Jahrhunderts doch bereits ein höchſt bedeutſamer Umſchwung vollzogen. Es war der Gedanke ſchon vollſtändig ins Volksbewußtſein übergegangen, daß es ſich um einen Kampf der neuen Zeit gegen die überlebten Formen der alten handle; dem Zwang des überlieferten Autoritätsglaubens wurde die Selbſtändigkeit menſchlichen Denkens und Empfindens entgegengehalten. Es liegt in der Natur der Sache, daß gerade die Orthodoxie, als Repräſentantin des blinden Autoritätsprinzips einerſeits die Angriffe der Gegner auszuhalten, andererſeits den Stützpunkt zur Vertheidigung zu bieten hatte. Waren bisher auch die auf die Thatſachen der Erſcheinungswelt gerichteten Wiſſen⸗ ſchaften geknebelt geweſen durch das Prinzip der unbedingten Autorität, ſo fingen ſie jetzt an zur freien Forſchung zu erwachen. Beſonders deutlich aber mußte ſich der gewaltige Umſchwung auf dem Gebiet ausprägen, in welchem das innere Leben eines Volkes ſich immer am klarſten wiederſpiegelt, in der Poeſie. Alle volksthümliche Poeſie ſucht die Wirklichkeit des Lebens poetiſch zu verklären; aber ſeit dem 30 jährigen Krieg, in der Periode der Orthodoxie und des gelehrten Pedantismus war der Sinn für eine ſolche Be⸗ trachtung der umgebenden Natur⸗ und Menſchenwelt verloren gegangen, und die einzige werthvolle Er⸗ ſcheinung auf dem Gebiet der Poeſie trug, wie die unzähligen Troſt⸗, Sterbe⸗ und Begräbnißlieder be⸗ zeugen, mehr den Charakter der Weltflucht. Nun aber, als der Geiſt der neuen Zeit erwachte, als die freie Subjectivität bereits anfing eine alle Lebensgebiete berührende Macht zu werden, trat an die Stelle der lebensloſen Reimereien und Gelegenheitsgedichte die idylliſche Naturſchilderung.

1750 1800.

Seit dem Regierungsantritt Friedrichs des Großen, der das allerdings ſtark an Indifferentismus ſtreifende Wort, jeder ſolle nach ſeiner eigenen Fagon ſelig werden, geſprochen, nimmt die eingeſchlagene Geiſtesrichtung eine präciſere Geſtalt an. Der König, der zwar Achtung hegte vor der Geiſtesmacht chriſtlicher Religion und Moral, der aber perſönlich dem chriſtlichen Glauben fernſtand und allem, was er für Pfaffenthum hielt, ſeine Verachtung entgegentrug, begünſtigte die Oppoſition gegen den Kirchen⸗ glauben. Die bisher ſich vorzugsweiſe befehdenden Parteien, Pietiſten und Orthodoxen, hatten ermattet