Aufsatz 
Über den Brummkreisel und das Schwingungsgesetz der kubischen Pfeifen / [Karl Friedrich Julius] Sondhauß
Entstehung
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Sind dagegen mehrere von einander gleichweit entfernte Oeffnungen im Aequator des Brummkreiſels angebracht, ſo hoͤrt man bei derſelben Rotationsgeſchwindigkeit einen um ſoviel Octaven hoͤheren Ton, als Oeffnungen vorhanden ſind. Man muß daher die Schwingungszahl des wahrgenommenen Ton's durch die Anzahl der Oeffnungen dividiren, wenn man die Umdrehungsgeſchwindigkeit eines ſolchen Kreiſels finden will.*) Die beiden meſſingnen Brummkreiſel, deren Rotationsgeſchwindigkeit ich auf dieſe Weiſe beſtimmt habe, waren ſich in Allem gleich, nur daß der eine nur mit einer, der andere mit vier Oeffnungen verſehen war, und wurden mit demſelben Bindfaden und Schluͤſſel in moͤglichſt gleicher Weiſe in Rotation verſetzt. Obwohl ich mich mit der Beobachtung beeilte, ſo konnte ich doch nicht die Anfangsgeſchwindigkeit der Kreiſel beſtimmen, weil ſie unmittelbar nach dem Werfen zu unruhig ſind. Die hoͤchſten Toͤne, welche ich bei dem, mit einer Oeffnung verſehenen Kreiſel beobachtet habe, waren H, e und es, deren Schwingungszahlen 241, 256 und 304 ſind. Der Kreiſel mußte alſo in dem Augenblicke der Beobachtung eben ſo viele Umdrehungen in der Sekunde gemacht haben. Bei dem Anblaſen des andern Brummkreiſels waren die hoͤchſten Toͤne h, c und d, deren Schwingungs⸗ zahlen in derſelben Aufeinanderfolge 966, 1024 und 1149 ſind, alſo durch 4 dividirt, eine Anzahl von 241, 256 und 287 in der Sekunde vollendeten Umdrehungen angeben. Da der um den Fuß des Brummkreiſels gewundene Faden nur 16 oder 17 Windungen hatte und der Zug etwa eine Viertel⸗ ſekunde dauerte, ſo wuͤrde man auf 64 bis 68 Umdrehungen in der Sekunde ſchließen koͤnnen, wenn der Faden mit ſich gleichbleibender Geſchwindigkeit ausgezogen wuͤrde. Die Bewegung der Hand iſt aber hierbei eine ſehr beſchleunigte, wozu noch der im letzten Augenblick des Zuges mitwirkende Ruck kommt, welcher den Brummkreiſel aus dem Schluͤſſel ſchleudert. Hierdurch duͤrfte die Entſtehung der großen Umdrehungsgeſchwindigkeit, welche mich anfaͤnglich uberraſchte, hinreichend erklaͤrt ſein.

3. Ueber den Ton, welchen der um ſeine Axe ſich drehende Brummkreiſel hoͤren laͤßt, hat ſchon F. Savart die richtige Bemerkung gemacht, daß er mit demjenigen uͤbereinſtimmt, welcher anſpricht, wenn man mit einem kleinen Windrohre(porte-vent) oder mit dem Munde gegen den ſcharfen Rand der Seitenoͤffnung bläſt. Ich bemerke noch, um dieſen Ton naͤher zu beſchreiben, daß derſelbe, genau genommen, nicht immer dieſelbe Hoͤhe behaͤlt, ſondern um etwa einen halben Ton auf⸗ und abſchwebt, ſo daß der Eindruck nicht ſelten der iſt, wie wenn zwei etwa um eine kleine Sekunde verſchiedene Toͤne zugleich wahrgenommen werden, oder in ſehr kurzer Zeit mit einander abwechſeln. Dieſer Ton iſt meiſtens von einem tieferen, im Anfange ſauſenden, dann ſchwach mitbrummenden Tone begleitet, welcher ſo wie die Rotationsgeſchwindigkeit abnimmt, immer tiefer wird und wahrſcheinlich von dem Erzittern und dem Schlagen des Brummkreiſels gegen die Luft und die Unterlage herruͤhrt.

Die Umdrehungsgeſchwindigkeit, bei welcher die Brummkreiſel zu toͤnen anfangen, iſt ſehr ver⸗ ſchieden und haͤngt von der Groͤße der Hohlkugel und deren Verhaͤltniſſe zu der Groͤße der Seitenoͤffnung ab. Im Allgemeinen iſt eine um ſo groͤßere Rotationsgeſchwindigkeit erforderlich, je kleiner die Kugel und je groͤßer die Seitenoͤffnung iſt. Viele Brummkreiſel fangen ſchon waͤhrend des Werfens an zu

*) Man kann den rotirenden Brummkreiſel auch mit einem Roͤhrchen anblaſen. Ich moͤchte hier gelegentlich als ein fuͤr phyſikaliſche Vortraͤge nuͤtzliches Inſtrument einen akuſtiſchen Kreiſel empfehlen, welcher in einem aus Blech gefertigten graden Cylinder beſteht und im Uebrigen entweder wie der Brummkreiſel oder wie Bouſſolt's Farbenkreiſel einzurichten und in Rotation zu verſetzen iſt. In der Huͤlle des Cylinders befinden ſich uͤber einander vier Reihen von gleichmaͤßig in die Peripherie vertheilten Loͤchern, von welchem die unterſte vier, die zweite fuͤnf, die dritte ſechs und die oberſte acht enthaͤlt. Blaͤſt man einen ſolchen in Rotation verſetzten Kreiſel mit einem Roͤhrchen an, ſo erhaͤlt man nach einander die Toͤne einer Octave, wenn man den Luftſtrom langſam über die in verſchiedener Hoͤhe ſich befinden⸗ den Reihen von Loͤchern hinweg fuͤhrt. 3