34.— welchen man ſtraff anzieht, und reißt mit einem raſchen Zuge den Faden in demſelben Augenblicke heraus, in welchem man durch einen geſchickten Ruck den Brummkreiſel aus dem Schluͤſſel wirft. Man hat hierbei darauf zu achten, daß die Axe des Brummkreiſels ſenkrecht gehalten wird, damit er, ſobald er den Boden beruͤhrt, auf den Fuß zu ſtehen kommt und auf dieſem ſeinen Tanz vollendet. Gewoͤhnlich ſind bei dem„Werfen“ des Brummkreiſels zwei Perſonen thaͤtig, von denen die eine den Schluͤſſel häͤlt, die andere den Faden herauszieht.
Die kaͤuflichen Brummkreiſel ſind aus weichem Holze gedreht und werden, damit die Wand luftdicht wird, inwendig mit Pech ausgegoſſen. Sie haben in der Regel einen aͤußeren Durchmeſſer von 2 ½ bis 4 Zoll und eine Wanddicke von ungefaͤhr einem Viertelzoll. Groͤßere Brummkreiſel werden bloß auf Beſtellung angefertigt. Ich habe mir einen ſolchen von 6“ Durchmeſſer machen laſſen, der beim Werfen ſeines Gewichtes wegen ſchon laͤſtig wird und eben nicht beſſer toͤnt als kleinere.
Nicht bloß hoͤlzerne ſondern auch metallne Brummkreiſel toͤnen. Ich habe mich hiervon durch Ver⸗ ſuche überzeugt, welche ich mit mehreren kleinen aus Meſſingblech konſtruirten Brummkreiſeln und einem großen von Eiſenblech angeſtellt habe. Auch in Beziehung auf die an der Seite des Brummkreiſels befindliche Oeffnung laͤßt ſich manches abaͤndern. Dieſelbe iſt gewoͤhnlich quadratiſch und mit ſcharfen Raͤndern verſehen; man kann ſie aber auch kreisfoͤrmig machen und uͤberdieß die Kanten von Außen abrun⸗ den, ohne daß der Ton bei der Rotation ausbleibt. Eben ſo kann die Groͤße dieſer Oeffnung bedeutend veraͤndert werden. Die quadratiſchen Oeffnungen der von den Drechslern angefertigten Brummkreiſel haben meiſtens eine Seite von ½ bis 3½ Zoll.
Da die Brummkreiſel bis jetzt immer nur mit einer Seitenoͤffnung verſehen worden ſind, ſo ſchien es mir von Intereſſe zu ſein, daruͤber Verſuche anzuſtellen, ob der Ton ausbleibt, wenn man zwei oder mehrere Loͤcher in die Hohlkugel bohrt. Ich fand, daß auch in dieſem Falle der Ton anſpricht und daß nicht einmal nothwendig iſt, daß die Geitenöffnungen gleiche Größe oder eine diametral entgegengeſetzte Stellung haben. 1
2. Die Geſchwindigkeit, mit welcher ein auf die oben beſchriebene Weiſe mit Hilfe eines Bind⸗ fadens in Rotation verſetzter Brummkreiſel ſich um ſeine Axe dreht, iſt außerordentlich groß und, wenn der Durchmeſſer der Hohlkugel klein iſt, auch zu der Erzeugung des Tones erforderlich. Daher ſpre⸗ chen Brummkreiſel, welche man auf die Axe einer Schwungmaſchine ſetzt, bei der Rotationsgeſchwindig⸗ keit, welche man ihnen durch dieſelbe geben kann, nur dann an, wenn ſie ſehr groß ſind. Es iſt von Intereſſe, die Drehungsgeſchwindigkeit des Brummkreiſels zu meſſen. Dieß wuͤrde ſich mittels einer ſtroboſkopiſchen Scheibe, welche mit einer hinreichenden Anzahl von Einſchnitten oder Loͤchern verſehen iſt und durch einen mit einem Zaͤhlwerk verſehenen Rotationsapparat mit beliebiger Geſchwindigkeit gedreht werden kann, unmittelbar ausfuͤhren laſſen. Da mir jedoch ein ſolcher Apparat nicht zu Gebote ſteht, ſo habe ich die Geſchwindigkeit von zwei kleinen Brummkreiſeln, deren Durchmeſſer 1%½“ betraͤgt, auf folgende Weiſe zu ermitteln geſucht. Naͤhert man dem rotirenden Brummkreiſel vorſichtig den Mund und blaͤſt nach der Stelle wo die Oeffnung vorbeikreiſt, einen ſchwachen Luftſtrom, ſo hoͤrt man einen lauten deutlichen Ton, welcher bei der allmaͤhligen Abnahme der Rotationsgeſchwindigkeit immer tiefer wird und ſich endlich in einzelne von einander getrennte Schlaͤge aufloͤſt. Dieſer Ton, welcher offenbar dem Tone der Sirene ganz analog iſt, entſteht in Folge von den Stoͤßen, welche der von dem Munde ausgehende Luftſtrom in die vorbeieilende Oeffnung des Kreiſels ausfuͤhrt, und welche, wenn ſie raſch genug auf einander folgen, als Ton wahrgenommen werden. Hat demnach der Brummkreiſel nur eine Seitenoͤffnung, ſo erfolgt bei jeder Umdrehung ein ſolcher Stoß, weshalb die Schwingungs⸗ zahl des beobachteten Tons gleich der in einer Sekunde vollendeten Anzahl von Umdrehungen iſt.


