Aufsatz 
Über den Brummkreisel und das Schwingungsgesetz der kubischen Pfeifen / [Karl Friedrich Julius] Sondhauß
Entstehung
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Ueber den Buumnieri und das Schwingungegeſt der kubiſchen Pfeifen.

Das Verhalten von t Körpern, welch 4 wäͤhrend ſie in raſche als Schall wahrnehmbare Schwingungen verſetzt ſind, um ihre Axe mit großer Geſchwindigkeit gedreht werden, hat die Aufmerkſamkeit der Phyſiker bis jetzt noch wenig erregt; denn abgeſehen von zwei kurzen Bemerkungen uͤber den Brumm⸗ kreiſel, welche wir F. Savart*) und C. Marx*) verdanken, und einem von den Bruͤdern H. und W. Weber**t) beſchriebenen Verſuche, nach welchem eine um die Are ihres Stieles rotirende Stimmgabel nicht toͤnt, iſt, meines Wiſſens, uͤber dieſen Gegenſtand noch nichts bekannt gemacht worden. Ich hoffe daher, daß die folgende Unterſuchung uͤber den Brummkreiſel und uͤber die Schwingungen der Luft in kubiſchen Pfeifen, welche als Fortſetzung einer von mir im Anfange dieſes Jahres in Poggendorff's

Annalen der Phyſik und Chemie bekannt Bemnathten Arbeit) zu betrachten iſt, von einigem Intereſſe ſein wird.

Das in verſchiedenen Gegenden Deutſchlands unter verſchiedenen Namen wie: Brummkreiſel, Brummkieſel, Sausturl, Moͤnch, bekannte Spielzeug der Knaben ſcheint eine deutſche Erfindung zu ſein, wie auch die Franzoſen durch die Benennung deſſelbentoupie d'Allemagne anerkennen. Der kleine Apparat, womit die Knaben vortrefflich zu experimentiren verſtehn, iſt gewoͤhnlich aus Holz gefertigt und beſteht in einer mit einem Fuß oder Stiel verſehener Hohlkugel, in welche an der Seite ein Loch eingeſtemmt iſt, durch welches die aͤußere Luft mit der im Innern des Brummkreiſels enthal⸗ tenen communicirt. Um den Kreiſel in Rotation zu verſetzen, gebraucht man einen Bindfaden und einen Schluͤſſel, einen hoͤlzernen Griff, deſſen dickeres Ende, der Kopf, ein weites cylindriſches Loch ent⸗ haͤlt, nach welchem von der Seite noch ein kleines, der Dicke des Fadens entſprechendes Loch gebohrt iſt. Durch dieſes Loch wird zunaͤchſt der Bindfaden mit dem einen Ende durchgezogen und dann auf den Fuß des Brummkreiſel von unten nach oben dicht aufgewunden. Hierauf ſetzt man den mit Bindfaden umwundnen Fuß des Kreiſels in das cylindriſche Loch des Schluͤſſels, faßt mit der einen Hand deſſen Griff, mit der andern das zu dem kleinern ſeitlichen Loche heraushaͤngende andere Ende des Fadens,

*) Nouvelles recherches pour les vibrations de l'air in Annales de Chimie et de Physique, tome XXIX. ag. 425.

1**) Ueber das Toͤnen erhitzter glaͤſerner Roͤhren, in dem Journal fuͤr praktiſche Chemie von Erdmann und Marchand Bd. XXII. pag. 133. Das von C. Marx hier erwaͤhnte Werk von Hauch:Det Physiske Cabinet, Kyoebenhaven 1836‧, worin der Brummkreiſel beſchrieben und abgebildet ſein ſoll, habe ich noch nicht zu Geſicht bekommen.

**ε†) Wellenlehre§ 274.

) Ueber die Schallſchwingungen der Luft in erhitzten Glasroͤhren und in gedeckten Pfeifen von ungleicher Weite. Foggendorfl Annal. Bd. LXXIX. pag. 1.

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