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Das Kuratorium der städtischen Realschule erlitt dadurch eine Veränderung, dass Herr Metropolitan Dr. theol. Hochhuth zum Metropolitan der Klasse Eschwege ernannt wurde. Für das Interesse, welches er während seiner hiesigen Thätigkeit auch der Realschule zugewendet wird ihm auch von hier aus der gebührende Dank nachgerufen. An seiner Stelle traten ein Herr Stadtschulrat Bornmann und Herr Pfarrer Wagner. Demnach besteht das Kuratorium nunmehr aus den Herren: Oberbürgermeister Weise, Stadtrat Tegethof, Justizrat Hupfeld, Kaufmann Rittershaussen, Maurermeister Zahn, Stadtschulrat Bornmann, Pfarrer
Wagner und dem Direktor Prof. Dr. Buderus.—
Das laufende Schuljahr nahm Montag den 2. April seinen Anfang mit der Prüfung und Aufnahme der neuangemeldeten Schüler. 1
Mit Beginn des Schuljahres wurden dem ordentlichen Lehrer Dr. Quiehl, der nach zweimonatlichem Besuch der Königlichen Turnlehrerbildungsanstalt zu Berlin daselbst den 28. Februar die Turnlehrerprüfung bestanden hatte, der Turnunterricht in zwei Abteilungen
übertragen. Der wissensc
Anstalt beschäftigt. 3— Unter dem 4. April wurde der Kandidat des höheren Schulamtes, Dr. Ferdinand Orth
aus Cassel, der Realschule zur Ableistung des pädagogischen Probejahrs zugewiesen.
Den 19. Juni beehrte Se. Excellenz der Unterrichtsminister Herr von Gossler die Realschule mit einem Besuche. Er wohnte, begleitet von Sr. Excellenz dem Herrn Oberpräsi- denten der Provinz Hessen-Nassau, Graf zu Eulenburg, dem Herrn Provinzial-Schulrat Kretschel und dem Herrn Oberbürgermeister Weise, in einer Anzahl Klassen der ver- schiedenen Stufen dem Unterricht bei und liess sich schliesslich auch mehrere Abteilungen im Turnunterricht vorführen. 1.
Die Sommerferien dauerten vom 2. Juli an vier Wochen. Mit Beginn derselben wurde der bis dahin an der Anstalt beschäftigte Kandidat Dr. Orth als wissenschaftlicher Hülfslebrer
an dem Königlichen Gymnasium zu Hadamar bestellt.
Während die günstige Witterung im Mai und Juni es gestattet hatte, dass sämtliche Qlassen die üblichen Klassenspaziergänge unter Führung der Ordinarien ausführen und ebenso mehrere Klassen zu kleineren und grösseren Turnfahrten vereinigt werden konnten, erlitt das Sedanfest eine bedauernswerte Störung. Der Schulakt fand zwar am 1. September Vormittags ungestört statt unter zahlreicher Beteiligung des Publikums. Nach der Festrede des Herrn Reallehrers Dr. Hasselbaum wurden von den Schülern Chorgesänge ausgeführt und eine Anzahl Gedichte vorgetragen. Der Nachmittagsausflug jedoch wurde wegen des unsicheren Wetters verschoben. Dienstag den 4. Sept. glaubte man auf den Bestand des Wetters rechnen zu können. Unter den Klängen eines Musikchors zog die jugendliche Schaar mit fliegenden Fahnen nach dem gewohnten Platze am Tannenwäldchen. Kaum hatte aber der Direktor eine Ansprache, in der er nochmals auf die Bedeutung des Festes hinwies, gehalten und mit einem beg eisterten Hoch auf Seine Majestät geendet, als die Regentropfen immer stärker fielen und wir bald genötigt waren, die turnerischen Spiele abzubrechen und das Feld zu räumen. Ein in der Nähe befindlicher grosser Garten mit Hallen nahm zwar alle auf, sowohl die Schüler, als die grosse Zahl der teinehmenden Gäste. Der Regen hielt jedoch so lange an, dass die rechte Gemeinsamkeit gestört war, wenn auch die Jugend selbst sich am leichtesten in das Unvermeid- liche fügte und es an Heiterkeit und Frohsinn nicht fehlen liess.
Die Herbstferien dauerten vom 24. September an vierzehn Tage. Der 10. November war ganz dem Andenken Dr. Martin Luthers gewidmet. Um 8 Uhr
versammelten sich Lehrer und Schüler der Anstalt im grossen Saale zu der eigentlichen Schul- feier. Nach dem gemeinschaftlichen Gesang von„Eine feste Burg ist unser Gott“ legte Herr Oberlehrer Röse in beredten und warmen Worten die Bedeutung des grossen Reformators dar, indem er von den kirchlichen und socialen Zuständen der damaiigen Zeit ausgehend die Wirk-
sa mkeit Luthers in Kirche und Staat, Schule und Familie verfolgte.
haftliche Hülfslehrer Dr. Wetzell wurde auf seinen Wunsch weiter an der
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