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Hiernach folgten religiöse Gesänge und Vorträge von Schülern, die auf Luther und seine Wirksamkeit Bezug hatten. Gegen ½ 10 Uhr beteiligte sich dann die Schule an der von den Casseler Schulen gemeinschaftlich veranstalteten kirchlichen Feier in der St. Martinskirche, wo Herr Inspektor Pfarrer Busch ein ausführliches Lebensbild des grossen Reformators gab.
Nachmittags beteiligte sich das Lehrerkollegium an dem allgemeinen Festzuge durch die Stadt, der auf dem prachtvoll dekorierten Friedrichsplatz endete, wo die Feier nach der die Bedeutung Luthers als des treuesten Sohnes seines Volkes darlegenden Ansprache des Herrn Pfarrer Ahlfeld mit dem gemeinsam gesungenen„Eine feste Burg“ und einem Gesang der vereinigten Sängerchöre ihren Abschluss fand. 1n
Mit Beginn des Winterhalbjahrs war der ordentliche Lehrer Dr. Brunner auf seinen Wunsch 6 Monate beurlaubt, um sich durch einen Aufenthalt im Ausland namentlich in Paris in den neueren Sprachen noch weiter zu vervollkommnen. Mit Versehung seiner Stelle wurde der Kandidat des höheren Schulamts Max Walter beauftragt.
Max Walter, geboren zu ferichsdorf bei Hirschberg, Provinz Schlesien, den 18. September 1857, evangelischer Konfession, ein Sohn des verstorbenen Gutsbesitzers Ferdinand Walter zu Herichsdorf, erhielt seine Vorbildung auf dem Realgymnasium zu Rawitsch, absolvirte nach bestandenem Maturitätsexamen sein Militärdienst- jahr und studierte dann auf den Universitäten Berlin, Breslau und Kiel. Um sich im praktischen Gebrauche der
englischen und französischen Sprache auszubilden, hielt er sich anderthalb Jahre in England und Frankreich auf. Den 14. Juli 1883 beendete er die Prüfung pro facultate zu Kiel.
Der Probekandidat Dr. Kuhn war mit Mitte November durch Krankheit verhindert, seine Thätigkeit fortzusetzen und es wurde ihm demnächst durch Verfügung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums gestattet, im kommenden Schuljahr sein Probejahr zu vollenden.
Andererseits wurde der Kandidat des höheren Schulamts Hermann Bächt durch Ver- fügung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums der Realschule zur Ableistung des pädagogi- schen Probejahrs zugewiesen. Derselbe hat mit Anfang März angefangen, sich mit den Ein- richtungen der Schule und dem Lehrgang in einzelnen Unterrichtsfächern bekannt zu machen.
Das Lehrerkollegium besteht demnach dermalen aus:
a) Dem Direktor: Prof. Dr. Buderus.
b) Den Oberlehrern: 2. Röse; 3. Dr. Ackermann; 4. Dr. Kessler; 5. Stern, 6. Feitel.
o) Den ordentlichen Lehrern: 7. Credé; 8. Dr. Hasselbaum; 9. Seibt, 10. Dr. Ide; 11. Dr. Brunner; 12. Junghans; 13. Dr. Merkelbach; 14. Dr. Quiehl(zugleich Turnlehrer). 1
ſd) Den wissenschaftlichen Hülfslehrern: 15. Zimmermann; 16. Dr. Wetzell; 17. Dr. Sunkel; 18. Walter. 310 e) Dem Probekandidaten 19. Bächt.
f) Den technischen Lehrern: 20. Schreiblehrer Jäger; 21. Zeichenlehrer Müller; 22. Gesanglehrer Heidenreich.
e) Den Elementarlehrern: 23. Bach; 24. Grün(zugleich Turnlehrer); 25. Markert; 26. Laus(zugleich Turnlehrer).
h) Den ausserordentlichen Lehrern: 27. Dirigent Boppenhausen für Turnen; 28. Kaplan Hoffmann; 29. Lehrer Nau für katholischen, 30. Dr. Stein für israelitischen Re- ligionsunterricht. 1.
Eine unliebsame Störung erlitt der Turnunterricht in der ersten Hälfte des Winterhalb- jahrs. Nachdem die Lohe bereits grösstenteils als Staub abgefahren war, entstanden in der Stein- und Lehmschicht zahlreiche Löcher und der feine Lehm- und Lohestaub wurde so uner- träglich, dass den 13. November die weitere Benutzung der Turnhalle als der Gesundheit der Schüler nachteilig eingestellt werden musste. Für wenige Stunden konnten durch das Entgegen- kommien des Herrn Gymnasial-Direktor Dr. Vogt und des Herrn Turndirigenten Boppenhausen Lokale gewonnen werden. Die meisten Stunden mussten, da das Wetter nicht einmal Spazier-


