Aufsatz 
Bestimmung der erdmagnetischen Inklination von Cassel
Entstehung
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Das Ganze ruht auf einem Dreifuss mit Stellschrauben, zu welchen drei Unter- legescheibchen gehören.

§ 3. Dem Instrumente sind beigegeben zwei Nadeln, welche die Bezeichnung 1 und 2 tragen. Die Dicke beträgt 0,51 bezw. 0,58 mm bei einer Länge von 123,0 mm für beide, so dass sie also pnur um ½ mm kürzer sind, als der Durchmesser des Vertikalkreises. Ihre Spitzen liegen nicht vor, sondern in der Ebene der Theilung, was der Parallaxe wegen von Wichtigkeit ist. Das Gewicht der Nadeln habe ich bestimmt zu 3,98 g für Nadel I, zu 4,40 g für Nadel II.

Das Instrument ist so konstruirt, dass, nachdem man die Nadel in die horizontale Lage gebracht hat, das Umlegen rasch und bequem mit der Hand bewerkstelligt werden kann. Ein Umlegemechanismus konnte der Kosten wegen nicht angebracht werden.

Die Nadelaxen haben eine möglichst dünne und fein hergestellte Cylinderform.

Die Lagerung besteht in halbkreisförmig offenen Achatsteinchen, welche im Querschnitt ellipsenförmig auslaufen. Diese Lager haben einen Durchmesser von 3 mm, während die Axen- zapfen einen solchen von 0,9 mm besitzen.

An dem Apparate ist eine Korrektion zur Centrirung der Lagerpunkte, eine ebensolche zur Senkrechtstellung des Theilungsringes angebracht, welche aber beide natürlich nur bei einer wiederholten Zusammensetzung des Instrumentes in Anwendung kommen.

Auch die Libelle besitzt ihre Korrektion.

§ 4. Auf eine Untersuchung, ob das Instrument den Bedingungen Genüge leiste, deren Erfüllung Gauss in seinenResultaten*) p. 12 verlangt, und zu deren Prüfung er ebenda Vorschriften giebt, konnte nicht eingegangen werden, weil uns die dazu nötigen feineren Instrumente fehlten.

Diese Bedingungen sind:

Die beiden Achatplatten, auf deren oberen Rändern die Zapfen der Nadel zu liegen kommen, sollen durch die beiden Schraubenpaare, auf welche sie sich stützen, so regulirt sein, dass 1) ihre oberen Ränder in einer Ebene liegen,

2) dass diese Ebene normal gegen die Ebene des Vertikalkreises ist und

3) unterhalb des Mittelpunktes dieses Kreises liegt mit einem der halben Zapfendicke gleichkommenden Abstande,

4) dass die Durchschnittslinie jener beiden Ebenen mit der Vertikalaxe einen rechten

Winkel bildet.

Wir mussten uns in dieser Hinsicht auf die Geschicklichkeit des ja rühmlichst bekannten Erbauers des Apparates verlassen. Uebrigens sagt Gauss(a. a. O. p. 15), dass kleine Fehler bez. der Berichtigungen der oben angeführten Verhältnisse nur einen kaum merklichen Einfluss auf die Inklinationsbestimmungen haben könnten, und grösstentheils durch die Kombination der einzelnen Beobachtungstücke völlig eliminirt würden.

Auch die Nadeln mussten wir nehmen, wie sie waren. Eine genaue Feststellung vor- handener Unregelmässigkeiten setzte die Möglichkeit voraus, horizontale Schwingungen beobachten zu können, was bei der vorliegenden Konstruktion der Nadeln die Anwendung eines besonderen Apparates erfordert hätte; ein solcher stand uns aber nicht zur Verfügung. Nicht verschweigen darf ich, dass sich beim Umlegen der Nadel ein erheblich verschiedener Winkel gegen die vorige Lage ergab. Derselbe ist bedeutend grösser als z. B. bei dem Meyerstein'schen Inklinatorium, welches das physikalische Institut der Universität Marburg besitzt. Mit diesem Instrumente habe ich s. Z. im Auftrag meines Lehrers Prof. Gerling die Inklination von Marburg gemessen, und wenn mich meine Erinnerung das Einzige, was mir aus jener über zwei Jahrzehnte rückwärts liegenden Zeit augenblicklich noch zu Gebote steht nicht trügt, betrug hier die Verschiedenheit

*) Gauss, C. F., und Wilh. Weber, Resultate aus den Beobachtungen des magnetischen Vereins im Jahre 1841. Leipzig 1843. 80.